Der Filmaffe – Der Filmblog für Cineasten https://filmaffe.de Primaten lieben Kino Sun, 06 Sep 2020 18:38:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.5.1 https://i0.wp.com/filmaffe.de/wp-content/uploads/2015/01/cropped-Der-Filmaffe_Favicon-54b039f4v1_site_icon-1.png?fit=32%2C32&ssl=1 Der Filmaffe – Der Filmblog für Cineasten https://filmaffe.de 32 32 82589711 Kleine Pause! https://filmaffe.de/kleine-pause/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kleine-pause https://filmaffe.de/kleine-pause/#comments Sun, 06 Sep 2020 18:37:57 +0000 https://filmaffe.de/?p=33136 Und plötzlich war alles still…der Filmaffe schweigt. Ein Schweigen, das sich in Etappen ankündigte. Nicht, weil wir nichts zu erzählen hatten. Vielmehr, weil wir keine Zeit mehr fanden, um euch etwas erzählen zu können. Als dann noch Corona kam und die Filmstarts gingen, war eine Pause zu verlockend. Keine Termine im Nacken, keine Pflichtfilme, die gesehen werden müssen, und eine neugewonnene Freizeit – ein Movie Detox, der erfrischte. Aus einigen Tagen wurden viele Wochen. Schließlich ist ein halbes Jahr vergangen, in dem wir kaum etwas auf dem Blog veröffentlicht haben. Der Drang nach Aktualität Jede Woche möglichst aktuell über Filme zu sprechen, schlaucht und nimmt einen Großteil der Freizeit ein. Irgendwann erwischt man sich dabei, nur noch Serien und Filme zu schauen, weil man sie rezensieren muss – nicht, weil man darauf Lust hat. Zu wenig Filmkritiker, zu viele Themen. Der Trend läuft uns davon und wir hecheln trotzdem weiter hinterher. Ein Irrsinn! Aus einer Leidenschaft, ist nun ein Zwang geworden. Soll dies das Gefühl sein, mit dem wir uns an die Kritiken machen? Wirkt sich das nicht sogar auf unsere Bewertungen aus? Wir möchten das nicht! Wir möchten uns nicht mehr länger dem Diktat aus Kinostarts und Heimveröffentlichungen beugen. Wir möchte euch das empfehlen, was wir mögen. Wir möchten uns über Filme aufregen können, die einen Bart haben – und euch davon erzählen. Und wir möchten wieder zurück zu dem Punkt, an dem wir waren, als der Blog gestartet wurde. Es soll wieder um die Leidenschaft für das bewegte Bild gehen. Deswegen haben sich bei uns die Formate geändert: Keine News mehr, keine Trailer-Vorstellungen. Stattdessen ein Fokus auf Filmkritiken und auf viele sehr persönliche Beiträge, die über den Tellerrand des Aktuellen hinaus Themen eröffnen, die dem Blog einzigartig machen. Texte schreiben, machte plötzlich wieder Spaß. Doch da gibt es nur ein Problem: Wir gehören zu einer aussterbenden Art.    Wer liest noch Blogs? Schon seit vier Jahren bemerken wir ein Blog-Sterben. Die Halbwertszeit von Blogs war ohnehin noch nie sehr hoch. Durch neue Entwicklung und Trends ist sie gar noch weiter gesunken. Manche Wegbegleiter gingen wegen den Tücken der neuen Datenschutzverordnung (DSGVO), andere, weil auch ihnen die Zeit und die Kraft fehlte, regelmäßig neue Texte zu veröffentlichten. Und ein nicht minder großer Teil hat für sich erkannt, dass sie sich in einer zeitraubenden Sackgasse befanden. Denn wer liest heute noch Blogs? Leichte Kost, kurze Videos und lustige Memes wollen eher konsumiert werden als fundierte Filmkritiken und ausschweifende Beiträge über den Kriminalfilm der frühen 40er Jahre. Das ist okay so. Der Konsum hat sich eben geändert und die Geduld für ausführliche Texte ist kleiner geworden. Doch wer sich nicht vor die Kamera traut oder ein Mirko vor den Mund nimmt, dem bleibt das geschriebene Wort. Wenn das nicht mehr zieht, ziehen wir weiter…und erfinden uns neu. Zurück in die Zukunft Was wollen wir werden? Wo soll es hin? Nur noch Instagram? Nur noch kurz und schnell statt mit Kopf und Position? Das sind wir nicht. Dann eher Podcasts oder VBlogs. Zwei spannende Formate, die derzeit eine breite Masse ansprechen. Sie erfordern jedoch ganz eigene Voraussetzungen. Beide Formate waren schon seit Beginn des Filmaffen angedacht, doch auch hier forderte die fehlende Zeit stets ihren Tribut. Immerhin ein paar Podcast-Folgen sind bei uns entstanden. Bis zum eigenen Video ist es bei uns jedoch nie wirklich gekommen. Vielleicht wird der nächste Filmaffe eine Mischung aus allem. Vielleicht picken wir uns immer genau das Format heraus, dass uns gerade gefällt oder am besten zu dem passt, was wir erzählen wollen. Vielleicht wird so aus jeder Filmbesprechung ein ganz eigenes Ereignis. Uns strebt derzeit eine reduzierte Form vor, in der wir den Gehalt unserer Inhalte nicht verlieren. Vielleicht wird der Filmaffe ein Format, das unberechenbar ist und genau deswegen so viel Spaß machen wird. Eine aufregende Idee, die ausgearbeitet werden möchte. Wichtig ist: Es muss uns gefallen und darf keine Bürde mehr sein. Offiziell: Wir machen Pause Weil wir noch keine konkrete Lösung haben, setzen wir die Pause fort, bevor wir unsere Ergebnisse nicht mehr leiden können und am Ende gar das ganze Projekt begraben.    Denn soviel ist sicher: Wir wollen weitermachen! Aber eben nicht mehr in dieser Form.

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Und plötzlich war alles still…der Filmaffe schweigt. Ein Schweigen, das sich in Etappen ankündigte. Nicht, weil wir nichts zu erzählen hatten. Vielmehr, weil wir keine Zeit mehr fanden, um euch etwas erzählen zu können. Als dann noch Corona kam und die Filmstarts gingen, war eine Pause zu verlockend. Keine Termine im Nacken, keine Pflichtfilme, die gesehen werden müssen, und eine neugewonnene Freizeit – ein Movie Detox, der erfrischte. Aus einigen Tagen wurden viele Wochen. Schließlich ist ein halbes Jahr vergangen, in dem wir kaum etwas auf dem Blog veröffentlicht haben.

Der Drang nach Aktualität

Jede Woche möglichst aktuell über Filme zu sprechen, schlaucht und nimmt einen Großteil der Freizeit ein. Irgendwann erwischt man sich dabei, nur noch Serien und Filme zu schauen, weil man sie rezensieren muss – nicht, weil man darauf Lust hat. Zu wenig Filmkritiker, zu viele Themen. Der Trend läuft uns davon und wir hecheln trotzdem weiter hinterher. Ein Irrsinn! Aus einer Leidenschaft, ist nun ein Zwang geworden.

Soll dies das Gefühl sein, mit dem wir uns an die Kritiken machen? Wirkt sich das nicht sogar auf unsere Bewertungen aus? Wir möchten das nicht! Wir möchten uns nicht mehr länger dem Diktat aus Kinostarts und Heimveröffentlichungen beugen. Wir möchte euch das empfehlen, was wir mögen. Wir möchten uns über Filme aufregen können, die einen Bart haben – und euch davon erzählen. Und wir möchten wieder zurück zu dem Punkt, an dem wir waren, als der Blog gestartet wurde. Es soll wieder um die Leidenschaft für das bewegte Bild gehen.

Deswegen haben sich bei uns die Formate geändert: Keine News mehr, keine Trailer-Vorstellungen. Stattdessen ein Fokus auf Filmkritiken und auf viele sehr persönliche Beiträge, die über den Tellerrand des Aktuellen hinaus Themen eröffnen, die dem Blog einzigartig machen. Texte schreiben, machte plötzlich wieder Spaß. Doch da gibt es nur ein Problem: Wir gehören zu einer aussterbenden Art.   

Wer liest noch Blogs?

Schon seit vier Jahren bemerken wir ein Blog-Sterben. Die Halbwertszeit von Blogs war ohnehin noch nie sehr hoch. Durch neue Entwicklung und Trends ist sie gar noch weiter gesunken. Manche Wegbegleiter gingen wegen den Tücken der neuen Datenschutzverordnung (DSGVO), andere, weil auch ihnen die Zeit und die Kraft fehlte, regelmäßig neue Texte zu veröffentlichten. Und ein nicht minder großer Teil hat für sich erkannt, dass sie sich in einer zeitraubenden Sackgasse befanden. Denn wer liest heute noch Blogs?

Leichte Kost, kurze Videos und lustige Memes wollen eher konsumiert werden als fundierte Filmkritiken und ausschweifende Beiträge über den Kriminalfilm der frühen 40er Jahre. Das ist okay so. Der Konsum hat sich eben geändert und die Geduld für ausführliche Texte ist kleiner geworden. Doch wer sich nicht vor die Kamera traut oder ein Mirko vor den Mund nimmt, dem bleibt das geschriebene Wort. Wenn das nicht mehr zieht, ziehen wir weiter…und erfinden uns neu.

Zurück in die Zukunft

Was wollen wir werden? Wo soll es hin? Nur noch Instagram? Nur noch kurz und schnell statt mit Kopf und Position? Das sind wir nicht. Dann eher Podcasts oder VBlogs. Zwei spannende Formate, die derzeit eine breite Masse ansprechen. Sie erfordern jedoch ganz eigene Voraussetzungen. Beide Formate waren schon seit Beginn des Filmaffen angedacht, doch auch hier forderte die fehlende Zeit stets ihren Tribut. Immerhin ein paar Podcast-Folgen sind bei uns entstanden. Bis zum eigenen Video ist es bei uns jedoch nie wirklich gekommen.

Vielleicht wird der nächste Filmaffe eine Mischung aus allem. Vielleicht picken wir uns immer genau das Format heraus, dass uns gerade gefällt oder am besten zu dem passt, was wir erzählen wollen. Vielleicht wird so aus jeder Filmbesprechung ein ganz eigenes Ereignis.

Uns strebt derzeit eine reduzierte Form vor, in der wir den Gehalt unserer Inhalte nicht verlieren. Vielleicht wird der Filmaffe ein Format, das unberechenbar ist und genau deswegen so viel Spaß machen wird. Eine aufregende Idee, die ausgearbeitet werden möchte.

Wichtig ist: Es muss uns gefallen und darf keine Bürde mehr sein.

Offiziell: Wir machen Pause

Weil wir noch keine konkrete Lösung haben, setzen wir die Pause fort, bevor wir unsere Ergebnisse nicht mehr leiden können und am Ende gar das ganze Projekt begraben.   

Denn soviel ist sicher: Wir wollen weitermachen! Aber eben nicht mehr in dieser Form.

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365 DAYS (2020) https://filmaffe.de/365-days-2020/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=365-days-2020 https://filmaffe.de/365-days-2020/#respond Sun, 26 Jul 2020 10:34:47 +0000 https://filmaffe.de/?p=33096 Nach TWILIGHT und FIFTY SHADES OF GREY, gibt es nun endlich wieder einen Hoffnungsschimmer am Horizont für die Frauenwelt. Gerade in Zeiten von Corona und einsamen Quarantäne-Herzen, in denen Frau sich mit sich selbst beschäftigen muss, könnte dieses Meisterwerk der Streaming-Industrie vielleicht die Fantasie beflügeln und für Befriedigung auf der einen oder anderen Seite sorgen. Nach Hollywood haben nun die Polen tief im Literaturarchiv gegraben und einen neuen Erotik-Streifen auf den Markt gebracht. Ob es sich hierbei um einen Erotik-Thriller, ein Erotik-Drama oder Erotik-Romance handelt wird sich zeigen. Fairerweise sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich bei der polnischen Buchreihe ebenfalls um eine Trilogie handelt. Bedeutet, dass es wohl im nächsten Jahr mit Teil 2 weitergehen wird. INHALT Sizilien: Der junge Mafiaboss Massimo Toricelli (Michele Morone) entführt die Polin Laura Biel (Anna-Maria Sieklucka) während ihres Urlaubs auf Sizilien. Nachdem Laura in seinem Anwesen erwacht, macht der sexy-düstere Don Massimo der hübschen Polin ein Angebot, wie es nun mal die Art der Mafiosi in der Filmindustrie zu sein scheint: Er möchte dass Laura 365 Tage mit ihm verbringt, in der Hoffnung, dass sie sich in ihn verliebt und letztendlich bei ihm bleibt. Laura als vergebene Frau ist von dieser Idee zunächst wenig angetan. Erst als Massimo ihr eindeutige Fotos präsentiert, die ihren viel geschätzten polnischen Partner als betrügerischen Fremdgeher entlarven, ist sie aus der Wut heraus geneigt, seinem Angebot zuzustimmen. Ein aufregendes Abenteuer in Sizilien mit vielen Gefahren steht der Protagonistin bevor. Wird sie Italien danach noch als schönes Reiseziel empfinden? FAZIT Bei dem Film 356 DAYS handelt es sich um eine Romanverfilmung der polnischen Autorin Blanka Lipinska. Die Geschichte „armes Mädchen verliebt sich in einen reichen Mann“ ist nicht neu, was zunächst einmal nicht Schlechtes heißen muss. Der Film wird damit beworben, dass er deutlich härter sei als FIFTY SHADES OF GREY. Eine clevere Marketing-Strategie, denn damit erreicht Netflix nicht nur die immense Zielgruppe der Trilogie um Ana Steel und Christian Grey, sondern ebenfalls diejenigen, die damals vom Film enttäuscht waren und deren Neugier auf das Sextakel durch die Medien geweckt wird. Der Film weist doch deutliche Parallelen zu FIFTY SHADES OF GREY (kurz: FSOG) auf. Zunächst einmal, der reiche und dominante Mafiaboss Don Massimo, der, wie er selbst, sagt kein Mann ist, dem man widerspricht und sich in der Regel nimmt, was ihm gefällt. Auch die Kameraführung und die Musik im fast zweistündigen Erotikmovie, erinnern irgendwie an die Hollywood Variante. Doch wer jetzt auf ultra-heiße BDSM Szenen hofft, die es schon im BDSM für Beginner Movie FSOG nicht gab, wird auch dieses Mal enttäuscht sein. Aber keine Sorge: Fans von überlangen Sexszenen kommen hier definitiv auf ihre Kosten und müssen im Freundeskreis nicht mal ehrlich zugeben, dass sie einen Porno gesehen haben. Nicht umsonst wird derzeit viel diskutiert, ob der Sex zwischen Michele Morone und Anna-Maria Sieklucka gespielt oder nicht vielleicht doch echt war. Fangen wir einmal vorne an: Einführung Don Massimo als heißblütiger Italo Lover auf mindestens zwei Metern, hart wie Stahl und tätowiert wie ein echter Bad-Boy. Nach dem Verlust seines Vaters übernimmt er das Familienimperium, was nicht einfach für den temperamentvollen Sizilianer ist. Gleiten ihm die Dinge aus der Hand, verliert er die Kontrolle und es kommt zu Übersprunghandlungen seinerseits, die teilweise die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Zumindest wurden meine bereits innerhalb der ersten 15 Minuten überschritten und ich spreche hier nicht von meiner Fremdschamgrenze, die Latte liegt ziemlich hoch. Ein abhandengekommener Container führt zu starker Erregung seitens des männlichen Protagonisten. Diese Erregung – hier im doppelten Wortsinn, der aufkeimenden Wut über den Verlust des Containers, als auch in männlich sexueller Hinsicht – lässt er dann im Privatjet (über ebensolchen verfügte auch Christian Grey) von der Stewardess abbauen. Die Szene, in der der Chef Oral-Verkehr von seiner Mitarbeiterin fordert, was wie eine Vergewaltigung anmutet und das in Zeiten von #metoo und #männerwelten. Wird in diesem Film etwa Vergewaltigung verharmlost? Diese Frage lässt mich bereits mit Schaudern auf die verbleibenden Minuten des Films blicken. Doch ist diese Handlung allein noch nicht fragwürdig genug, wird die Szene durch Schnitte auf die Protagonistin Laura immer wieder unterbrochen. Die gerade selbst, höchst lasziv selbst im Bett Hand anlegt. Damit kommen wir auch endlich zu der weiblichen Protagonistin. Laura, ähnelt in ihrem äußeren Erscheinungsbild stark Lena Meyer-Landrut und ist in Polen Hotelmanagerin, die nun ihre Ferien auf Sizilien verbringt und dabei in die Fänge des heißen Rattenfängers gerät. Anders als das zurückhaltende Mäuschen Anastacia, ist Laura nicht auf den Mund gefallen und mindestens ebenso heißblütig und temperamentvoll wie der große Don. Nachdem Laura das Angebot, 365 Tage mit dem großen Massimo zu verbringen, akzeptiert hat, taucht sie in seine Mafiosi-Welt ein. Wird sie vom Kopf der Familie mit Geschenken und gutem Essen überhäuft, baut 356 DAYS bereits sehr schnell eine körperliche Spannung zwischen dem Sizilianer und der Polin auf. Ob es an den Ohrfeigen, dem Besuch des Wäschegeschäfts oder der vielen nackten Haut liegt, lässt sich nicht so leicht sagen. Doch eben hier beginnt auch die Fremdscham-Latte bei mir Alarm zu schlagen, als ihr der harte Mann beim Abendessen „Kannst du mich lehren, sanft zu sein?“ ins Ohr haucht und sie dann noch beim Schlafen beobachtet – hallo Edward aus TWILIGHT, du merkwürdiger Freak! In der Duschszene – auch hier noch mal ein kleiner Verweis auf FSOG und die ebenfalls vorhandene Duschszene – wird es dann zunehmend unangenehm, hier werden die Rollen getauscht und Laura mutiert zum Gaffer, während der größer werdende Massimo fragt, ob sie nur zuschauen oder auch anfassen will. Laura provoziert und lässt ihn abblitzen, woraufhin er ihr noch mal eindrucksvoll erklärt, dass er sich in der Regel mit Gewalt nimmt was er möchte. Die Retourkutsche erfolgt postwendend beim Szenenwechsel, von der feuchten Dusche geht es in den Privatjet, in dem Massimo nun die Rolle des Provokateurs einnimmt und Laura mit feuchtem Höschen zurücklässt. Der Moment in dem mir aufgeht, dass dieser Film durchzogen ist von feuchtfröhlichen Motiven. Das Bad im römischen Trevi Brunnen, das dubiose Aufeinanderteffen der Beiden nach der allabendlichen Dusche – übrigens die einzige halbwegs an BDSM erinnernde Szene im ganzen Film (ein Wiedersehen mit dem Teleskoprohr für die Kenner unter euch), feucht fröhliche Spielchen in einem Club und dann der Grande feuchte Höhepunkt des Filmes, den ich an dieser Stelle nicht vorenthalten kann, auf der Yacht. Ja, genau Yacht, die gab es auch schon bei FSOG und darf natürlich auch in diesem erotischen Abenteuer nicht fehlen. Der Streit nach dem Abend im Club eskaliert zwischen den beiden Heißblütern und die gegenseitigen Provokationen fordern letztendlich ihren Tribut. Sexuelle Energien haben sich angestaut und müssen sich entladen. Wo geht das besser als auf dem freien Meer? Als Folge des Streits stürzt die kleine Polin ins Wasser und wird vom fragwürdigen Helden in spe gerettet. Es kommt zu einem emotionalen Geständnis über Verlust und die Unerträglichkeit eines solchen vom nun sanftmütigen Don. Es fallen Sätze, die mir aus Fremdscham bereits die Röte ins Gesicht treiben, doch es wird noch schlimmer. Es folgen circa acht Minuten schamlose Bumserei auf der Yacht, verschiedene Stellungen und wechselnde Schauplätze auf der Yacht sollen den gefühlt 20 Minuten endloser an einen Soft Porno anmutenden Szenerie wohl die nötige Abwechslung verleihen. Nahaufnahmen der Darsteller zeigen eindrucksvoll die verschiedenen Facetten der Gesichtsausdrücke des Homo Sapiens beim Verkehr. Mein Gesichtsausdruck durchläuft ebenfalls verschiedene Stadien, jedoch ist keiner davon aufkommende Lust. Der Rest des Films verläuft dann wie ein Schnelldurchlauf der FSOG Trilogie, Maskenball, eifersüchtige Ex und Todesdrohung. Hochzeitsvorbereitungen und Baby runden das Ganze ab. Der Cliffhanger ist natürlich vorprogrammiert. Mein Resumee zum Film ist schwierig, da er durchaus fesselnd ist. Dies begründet sich aber wohl eher darin, dass der Film Unfallcharakter hat. Etwas passiert, was ganz furchtbar ist und was man mit Sicherheit nicht sehen möchte, aber es fällt schwer wegzuschauen. Die Dialoge sind einfach grauenhaft platt, doch wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, hat der Autor dieses Drehbuchs es tatsächlich geschafft, Dinge in ihrer peinlichsten Reinform in Dialogform zu bringen. Die Chemie zwischen den beiden Darstellern ist gelungen, zwar durchaus auf Fremdscham Niveau, aber das es knistert, das kaufe ich den beiden zu 100 Prozent ab. Liegt aber vielleicht am durchaus maskulinen Christian-Grey-Imitat, der die Rolle des harten Italo Mafiosi mit softer Seite gut zu spielen weiß. Möglicherweise sagen das aber auch nur die Hormone und ich habe neuerdings einen Hang zu tätowierten Bad Boys. Also solltet ihr Netflix aufgrund von Kurzarbeit oder Home-Office schon gefühlt durch haben, guckt ihn euch an, erwartet aber kein heißes BDSM Abenteuer. Stellt euch auf Soft Porno mit FSOG und TWILIGHT-Elementen ein, die keinerlei intellektuelle Herausforderung mit sich bringen, dafür aber viel Feuchtigkeit und nackte Haut. Bewertung: Quelle: Pressematerial Netflix

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Nach TWILIGHT und FIFTY SHADES OF GREY, gibt es nun endlich wieder einen Hoffnungsschimmer am Horizont für die Frauenwelt. Gerade in Zeiten von Corona und einsamen Quarantäne-Herzen, in denen Frau sich mit sich selbst beschäftigen muss, könnte dieses Meisterwerk der Streaming-Industrie vielleicht die Fantasie beflügeln und für Befriedigung auf der einen oder anderen Seite sorgen. Nach Hollywood haben nun die Polen tief im Literaturarchiv gegraben und einen neuen Erotik-Streifen auf den Markt gebracht. Ob es sich hierbei um einen Erotik-Thriller, ein Erotik-Drama oder Erotik-Romance handelt wird sich zeigen. Fairerweise sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich bei der polnischen Buchreihe ebenfalls um eine Trilogie handelt. Bedeutet, dass es wohl im nächsten Jahr mit Teil 2 weitergehen wird.

INHALT

Sizilien: Der junge Mafiaboss Massimo Toricelli (Michele Morone) entführt die Polin Laura Biel (Anna-Maria Sieklucka) während ihres Urlaubs auf Sizilien. Nachdem Laura in seinem Anwesen erwacht, macht der sexy-düstere Don Massimo der hübschen Polin ein Angebot, wie es nun mal die Art der Mafiosi in der Filmindustrie zu sein scheint: Er möchte dass Laura 365 Tage mit ihm verbringt, in der Hoffnung, dass sie sich in ihn verliebt und letztendlich bei ihm bleibt. Laura als vergebene Frau ist von dieser Idee zunächst wenig angetan. Erst als Massimo ihr eindeutige Fotos präsentiert, die ihren viel geschätzten polnischen Partner als betrügerischen Fremdgeher entlarven, ist sie aus der Wut heraus geneigt, seinem Angebot zuzustimmen. Ein aufregendes Abenteuer in Sizilien mit vielen Gefahren steht der Protagonistin bevor. Wird sie Italien danach noch als schönes Reiseziel empfinden?

FAZIT

Bei dem Film 356 DAYS handelt es sich um eine Romanverfilmung der polnischen Autorin Blanka Lipinska. Die Geschichte „armes Mädchen verliebt sich in einen reichen Mann“ ist nicht neu, was zunächst einmal nicht Schlechtes heißen muss. Der Film wird damit beworben, dass er deutlich härter sei als FIFTY SHADES OF GREY. Eine clevere Marketing-Strategie, denn damit erreicht Netflix nicht nur die immense Zielgruppe der Trilogie um Ana Steel und Christian Grey, sondern ebenfalls diejenigen, die damals vom Film enttäuscht waren und deren Neugier auf das Sextakel durch die Medien geweckt wird.

Der Film weist doch deutliche Parallelen zu FIFTY SHADES OF GREY (kurz: FSOG) auf. Zunächst einmal, der reiche und dominante Mafiaboss Don Massimo, der, wie er selbst, sagt kein Mann ist, dem man widerspricht und sich in der Regel nimmt, was ihm gefällt. Auch die Kameraführung und die Musik im fast zweistündigen Erotikmovie, erinnern irgendwie an die Hollywood Variante. Doch wer jetzt auf ultra-heiße BDSM Szenen hofft, die es schon im BDSM für Beginner Movie FSOG nicht gab, wird auch dieses Mal enttäuscht sein. Aber keine Sorge: Fans von überlangen Sexszenen kommen hier definitiv auf ihre Kosten und müssen im Freundeskreis nicht mal ehrlich zugeben, dass sie einen Porno gesehen haben. Nicht umsonst wird derzeit viel diskutiert, ob der Sex zwischen Michele Morone und Anna-Maria Sieklucka gespielt oder nicht vielleicht doch echt war. Fangen wir einmal vorne an:

Einführung Don Massimo als heißblütiger Italo Lover auf mindestens zwei Metern, hart wie Stahl und tätowiert wie ein echter Bad-Boy. Nach dem Verlust seines Vaters übernimmt er das Familienimperium, was nicht einfach für den temperamentvollen Sizilianer ist. Gleiten ihm die Dinge aus der Hand, verliert er die Kontrolle und es kommt zu Übersprunghandlungen seinerseits, die teilweise die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Zumindest wurden meine bereits innerhalb der ersten 15 Minuten überschritten und ich spreche hier nicht von meiner Fremdschamgrenze, die Latte liegt ziemlich hoch. Ein abhandengekommener Container führt zu starker Erregung seitens des männlichen Protagonisten. Diese Erregung – hier im doppelten Wortsinn, der aufkeimenden Wut über den Verlust des Containers, als auch in männlich sexueller Hinsicht – lässt er dann im Privatjet (über ebensolchen verfügte auch Christian Grey) von der Stewardess abbauen.

Die Szene, in der der Chef Oral-Verkehr von seiner Mitarbeiterin fordert, was wie eine Vergewaltigung anmutet und das in Zeiten von #metoo und #männerwelten. Wird in diesem Film etwa Vergewaltigung verharmlost? Diese Frage lässt mich bereits mit Schaudern auf die verbleibenden Minuten des Films blicken. Doch ist diese Handlung allein noch nicht fragwürdig genug, wird die Szene durch Schnitte auf die Protagonistin Laura immer wieder unterbrochen. Die gerade selbst, höchst lasziv selbst im Bett Hand anlegt. Damit kommen wir auch endlich zu der weiblichen Protagonistin. Laura, ähnelt in ihrem äußeren Erscheinungsbild stark Lena Meyer-Landrut und ist in Polen Hotelmanagerin, die nun ihre Ferien auf Sizilien verbringt und dabei in die Fänge des heißen Rattenfängers gerät. Anders als das zurückhaltende Mäuschen Anastacia, ist Laura nicht auf den Mund gefallen und mindestens ebenso heißblütig und temperamentvoll wie der große Don.

Nachdem Laura das Angebot, 365 Tage mit dem großen Massimo zu verbringen, akzeptiert hat, taucht sie in seine Mafiosi-Welt ein. Wird sie vom Kopf der Familie mit Geschenken und gutem Essen überhäuft, baut 356 DAYS bereits sehr schnell eine körperliche Spannung zwischen dem Sizilianer und der Polin auf. Ob es an den Ohrfeigen, dem Besuch des Wäschegeschäfts oder der vielen nackten Haut liegt, lässt sich nicht so leicht sagen. Doch eben hier beginnt auch die Fremdscham-Latte bei mir Alarm zu schlagen, als ihr der harte Mann beim Abendessen „Kannst du mich lehren, sanft zu sein?“ ins Ohr haucht und sie dann noch beim Schlafen beobachtet – hallo Edward aus TWILIGHT, du merkwürdiger Freak!

In der Duschszene – auch hier noch mal ein kleiner Verweis auf FSOG und die ebenfalls vorhandene Duschszene – wird es dann zunehmend unangenehm, hier werden die Rollen getauscht und Laura mutiert zum Gaffer, während der größer werdende Massimo fragt, ob sie nur zuschauen oder auch anfassen will. Laura provoziert und lässt ihn abblitzen, woraufhin er ihr noch mal eindrucksvoll erklärt, dass er sich in der Regel mit Gewalt nimmt was er möchte. Die Retourkutsche erfolgt postwendend beim Szenenwechsel, von der feuchten Dusche geht es in den Privatjet, in dem Massimo nun die Rolle des Provokateurs einnimmt und Laura mit feuchtem Höschen zurücklässt.

Der Moment in dem mir aufgeht, dass dieser Film durchzogen ist von feuchtfröhlichen Motiven. Das Bad im römischen Trevi Brunnen, das dubiose Aufeinanderteffen der Beiden nach der allabendlichen Dusche – übrigens die einzige halbwegs an BDSM erinnernde Szene im ganzen Film (ein Wiedersehen mit dem Teleskoprohr für die Kenner unter euch), feucht fröhliche Spielchen in einem Club und dann der Grande feuchte Höhepunkt des Filmes, den ich an dieser Stelle nicht vorenthalten kann, auf der Yacht. Ja, genau Yacht, die gab es auch schon bei FSOG und darf natürlich auch in diesem erotischen Abenteuer nicht fehlen.

Der Streit nach dem Abend im Club eskaliert zwischen den beiden Heißblütern und die gegenseitigen Provokationen fordern letztendlich ihren Tribut. Sexuelle Energien haben sich angestaut und müssen sich entladen. Wo geht das besser als auf dem freien Meer? Als Folge des Streits stürzt die kleine Polin ins Wasser und wird vom fragwürdigen Helden in spe gerettet. Es kommt zu einem emotionalen Geständnis über Verlust und die Unerträglichkeit eines solchen vom nun sanftmütigen Don. Es fallen Sätze, die mir aus Fremdscham bereits die Röte ins Gesicht treiben, doch es wird noch schlimmer. Es folgen circa acht Minuten schamlose Bumserei auf der Yacht, verschiedene Stellungen und wechselnde Schauplätze auf der Yacht sollen den gefühlt 20 Minuten endloser an einen Soft Porno anmutenden Szenerie wohl die nötige Abwechslung verleihen. Nahaufnahmen der Darsteller zeigen eindrucksvoll die verschiedenen Facetten der Gesichtsausdrücke des Homo Sapiens beim Verkehr. Mein Gesichtsausdruck durchläuft ebenfalls verschiedene Stadien, jedoch ist keiner davon aufkommende Lust.

Der Rest des Films verläuft dann wie ein Schnelldurchlauf der FSOG Trilogie, Maskenball, eifersüchtige Ex und Todesdrohung. Hochzeitsvorbereitungen und Baby runden das Ganze ab. Der Cliffhanger ist natürlich vorprogrammiert.

Mein Resumee zum Film ist schwierig, da er durchaus fesselnd ist. Dies begründet sich aber wohl eher darin, dass der Film Unfallcharakter hat. Etwas passiert, was ganz furchtbar ist und was man mit Sicherheit nicht sehen möchte, aber es fällt schwer wegzuschauen. Die Dialoge sind einfach grauenhaft platt, doch wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, hat der Autor dieses Drehbuchs es tatsächlich geschafft, Dinge in ihrer peinlichsten Reinform in Dialogform zu bringen. Die Chemie zwischen den beiden Darstellern ist gelungen, zwar durchaus auf Fremdscham Niveau, aber das es knistert, das kaufe ich den beiden zu 100 Prozent ab. Liegt aber vielleicht am durchaus maskulinen Christian-Grey-Imitat, der die Rolle des harten Italo Mafiosi mit softer Seite gut zu spielen weiß. Möglicherweise sagen das aber auch nur die Hormone und ich habe neuerdings einen Hang zu tätowierten Bad Boys.

Also solltet ihr Netflix aufgrund von Kurzarbeit oder Home-Office schon gefühlt durch haben, guckt ihn euch an, erwartet aber kein heißes BDSM Abenteuer. Stellt euch auf Soft Porno mit FSOG und TWILIGHT-Elementen ein, die keinerlei intellektuelle Herausforderung mit sich bringen, dafür aber viel Feuchtigkeit und nackte Haut.

Bewertung:

banane_ranking_2.5

Quelle: Pressematerial Netflix

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https://filmaffe.de/365-days-2020/feed/ 0 33096
UNDER THE ROSE (2017) https://filmaffe.de/under-the-rose-2017/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=under-the-rose-2017 https://filmaffe.de/under-the-rose-2017/#respond Sat, 04 Jul 2020 16:03:51 +0000 https://filmaffe.de/?p=33087 „Eine moderne Variante von FUNNY GAMES“, prangt auf dem Cover des spanischen Thrillers UNDER THE ROSE. Durch diesen Vergleich mit Michael Hanekes grausamen Film von 1997 wird zweierlei erreicht: Zum einen werden die Erwartungen hochgeschraubt. Zum anderen wird ein brutaler Film voll physischer und psychischer Gewalt angekündigt. Ganz so grausam wird es in UNDER THE ROSE dann letztendlich nicht, zumindest nicht für Genre-erfahrene Zuschauer. Zartbesaitete (vor allem, was das Thema Zähne angeht) sollten allerdings vorsichtig sein. Denn auch wenn selten die Durchführung der Gewalt gezeigt wird, wird das Ergebnis dieser Gewalt sichtbar. Mehr als um äußere Gewalt geht es in UNDER THE ROSE allerdings um innere. INHALT Nach einem morgendlichen Streit mit der Mutter kommt die zehnjährige Sara am Nachmittag nicht von der Schule nach Hause. Vater Oliver (Pedro Casablanc), Mutter Julia (Elisabet Gelabert) und Bruder Alex (Zack Gomez, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Menderes Bagci hat) melden sie als vermisst und setzen alle Hebel in Bewegung, um sie zu finden. Doch nach 24 Stunden ist von ihr immer noch keine Spur. Da erhält die Familie einen Brief von einem Unbekannten. Er habe Sara in seiner Gewalt und komme um Mitternacht zu der Familie, um mit ihnen zu sprechen. Die Polizei dürfe nicht eingeschaltet werden. Die Familie hält sich an die Vorgaben und in der Nacht kommt tatsächlich ein Unbekannter (Ramiro Blas) zu ihnen. Er nennt ihnen seine Forderung: Eines der Familienmitglieder hat ein dunkles Geheimnis. Wenn der- oder diejenige es vor allen Anwesenden preisgibt, kommt Sara sofort nach Hause. Doch Oliver, Julia und Alex sagen zunächst nichts. Erst nach und nach rücken sie mit ihren Geheimnissen heraus. Aber welches will der Unbekannte hören? FAZIT Der Anfang von UNDER THE ROSE stimmt zunächst nicht zuversichtlich. Der Film kommt einem in den ersten Szenen vor wie das Very-Low-Budget-Debüt eines Anfängers, er erscheint dilettantisch und amateurhaft, von den Schauspielern (in der deutschen Version dank der Synchro) über die Dialoge bis hin zu der Inszenierung. Doch man darf den Film zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschreiben, denn sobald der Brief des Unbekannten nach etwa 17 Minuten Laufzeit die Familie erreicht, nimmt der Film Fahrt auf. Plötzlich, quasi von einer Szene zur anderen, ist Spannung und Thrill vorhanden. Er entwickelt, vor allem dank des Plots, einen Sog, der den Zuschauer ins Geschehen hineinzieht. Und auch die Schauspieler werden gefühlt besser – vor allem wenn Ramiro Blas, der als Entführer grandios überzeugt, den Raum betritt. So ist UNDER THE ROSE dann plötzlich doch ein fesselnder Thriller. Allerdings hätte man sich in vielen Szenen mehr Raffinesse bei der Regie gewünscht. Der Film dürfte an der ein oder anderen Stelle auch etwas radikaler sein – nicht bei der Gewaltdarstellung, sondern bei der Entwicklung der Erzählung. Sie hätte mehr Überraschungen und Mut zum Konventionsbruch vertragen können. Zwar ist der Versuch zur Radikalität häufig zu spüren, doch nicht wirklich überzeugend. Das Ende etwa ist in bester Lars-von-Trier-Manier aufgebaut, doch gleichzeitig ist das Geschehen, das offensichtlich schockieren soll, zu vorhersehbar und zu absurd, um es anzunehmen. Und auch die Strafen, die sich der Unbekannte ausdenkt, sind nicht gerade kreativ für solch einen Thriller: Zähne ziehen, Fellatio an einem anderen vor den Augen des Ehemanns, etc. Was UNDER THE ROSE aber verstanden hat, ist, dass physische Gewalt filmisch weder erschreckender noch interessanter und spannender ist als psychische Gewalt. So gewinnt der Film auch nicht seinen Reiz aus den Gewaltszenen, sondern aus seiner Story und der packenden Atmosphäre. Und das tut ihm gut. UNDER THE ROSE erschien am 24. April 2020 auf DVD und Blu-ray. Bewertung:2 von 5 Quelle: Pressematerial WVG Medien GmbH

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„Eine moderne Variante von FUNNY GAMES“, prangt auf dem Cover des spanischen Thrillers UNDER THE ROSE. Durch diesen Vergleich mit Michael Hanekes grausamen Film von 1997 wird zweierlei erreicht: Zum einen werden die Erwartungen hochgeschraubt. Zum anderen wird ein brutaler Film voll physischer und psychischer Gewalt angekündigt.

Ganz so grausam wird es in UNDER THE ROSE dann letztendlich nicht, zumindest nicht für Genre-erfahrene Zuschauer. Zartbesaitete (vor allem, was das Thema Zähne angeht) sollten allerdings vorsichtig sein. Denn auch wenn selten die Durchführung der Gewalt gezeigt wird, wird das Ergebnis dieser Gewalt sichtbar. Mehr als um äußere Gewalt geht es in UNDER THE ROSE allerdings um innere.

Under the rose_bluray-cover | Thriller

INHALT

Nach einem morgendlichen Streit mit der Mutter kommt die zehnjährige Sara am Nachmittag nicht von der Schule nach Hause. Vater Oliver (Pedro Casablanc), Mutter Julia (Elisabet Gelabert) und Bruder Alex (Zack Gomez, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Menderes Bagci hat) melden sie als vermisst und setzen alle Hebel in Bewegung, um sie zu finden. Doch nach 24 Stunden ist von ihr immer noch keine Spur.

Da erhält die Familie einen Brief von einem Unbekannten. Er habe Sara in seiner Gewalt und komme um Mitternacht zu der Familie, um mit ihnen zu sprechen. Die Polizei dürfe nicht eingeschaltet werden. Die Familie hält sich an die Vorgaben und in der Nacht kommt tatsächlich ein Unbekannter (Ramiro Blas) zu ihnen. Er nennt ihnen seine Forderung: Eines der Familienmitglieder hat ein dunkles Geheimnis. Wenn der- oder diejenige es vor allen Anwesenden preisgibt, kommt Sara sofort nach Hause. Doch Oliver, Julia und Alex sagen zunächst nichts. Erst nach und nach rücken sie mit ihren Geheimnissen heraus. Aber welches will der Unbekannte hören?

FAZIT

Der Anfang von UNDER THE ROSE stimmt zunächst nicht zuversichtlich. Der Film kommt einem in den ersten Szenen vor wie das Very-Low-Budget-Debüt eines Anfängers, er erscheint dilettantisch und amateurhaft, von den Schauspielern (in der deutschen Version dank der Synchro) über die Dialoge bis hin zu der Inszenierung. Doch man darf den Film zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschreiben, denn sobald der Brief des Unbekannten nach etwa 17 Minuten Laufzeit die Familie erreicht, nimmt der Film Fahrt auf. Plötzlich, quasi von einer Szene zur anderen, ist Spannung und Thrill vorhanden. Er entwickelt, vor allem dank des Plots, einen Sog, der den Zuschauer ins Geschehen hineinzieht. Und auch die Schauspieler werden gefühlt besser – vor allem wenn Ramiro Blas, der als Entführer grandios überzeugt, den Raum betritt.

So ist UNDER THE ROSE dann plötzlich doch ein fesselnder Thriller. Allerdings hätte man sich in vielen Szenen mehr Raffinesse bei der Regie gewünscht. Der Film dürfte an der ein oder anderen Stelle auch etwas radikaler sein – nicht bei der Gewaltdarstellung, sondern bei der Entwicklung der Erzählung. Sie hätte mehr Überraschungen und Mut zum Konventionsbruch vertragen können. Zwar ist der Versuch zur Radikalität häufig zu spüren, doch nicht wirklich überzeugend. Das Ende etwa ist in bester Lars-von-Trier-Manier aufgebaut, doch gleichzeitig ist das Geschehen, das offensichtlich schockieren soll, zu vorhersehbar und zu absurd, um es anzunehmen. Und auch die Strafen, die sich der Unbekannte ausdenkt, sind nicht gerade kreativ für solch einen Thriller: Zähne ziehen, Fellatio an einem anderen vor den Augen des Ehemanns, etc.

Was UNDER THE ROSE aber verstanden hat, ist, dass physische Gewalt filmisch weder erschreckender noch interessanter und spannender ist als psychische Gewalt. So gewinnt der Film auch nicht seinen Reiz aus den Gewaltszenen, sondern aus seiner Story und der packenden Atmosphäre. Und das tut ihm gut.

UNDER THE ROSE erschien am 24. April 2020 auf DVD und Blu-ray.

Bewertung:
2 von 5

Quelle: Pressematerial WVG Medien GmbH

Der Beitrag UNDER THE ROSE (2017) erschien zuerst auf Der Filmaffe - Der Filmblog für Cineasten.

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COME TO DADDY (2020) https://filmaffe.de/come-to-daddy-2020/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=come-to-daddy-2020 https://filmaffe.de/come-to-daddy-2020/#respond Thu, 02 Jul 2020 18:11:11 +0000 https://filmaffe.de/?p=33083 Drama, Komödie, Thriller, Horror – es ist ein irrwitziger und abgedrehter Genremix, den Ant Timpson, als Produzent von Horrorfilmen wie THE ABC‘S OF DEATH (2012) oder HOUSEBOUND (2014) erfahren, mit COME TO DADDY als sein Regiedebüt präsentiert. Durchweg lässt sich nicht abschätzen, wohin die Reise in diesem verrückten Streifen geht und wie sich der Plot entwickeln wird. Zu viel darf man deshalb auch nicht verraten, nur soviel sei erlaubt: Es erwartet den Zuschauer eine gute Portion Unterhaltung, schwarzer Humor, makabre Gewalt und eine Vielzahl genialer Einfälle voller Kreativität. INHALT Norval (Elijah Wood) steigt irgendwo in der neuseeländischen Pampa aus dem Bus aus und geht quer durch die Wildnis aus Wald und Feldern. Er kommt an ein einsames Haus am Meer und genau dort möchte er auch hin. In diesem Haus wohnt sein Vater (Stephen McHattie), den er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, als dieser ihn und seine Mutter verlassen hat. Nun hat der Vater seinem Sohn einen Brief geschrieben, dass er zu ihm kommen soll. Vater und Sohn schließen sich in die Arme. Normalerweise folgt nun eine Annäherung. Genau das hat auch Norval erwartet, doch irgendwie will es nicht recht funktionieren zwischen den beiden. Zu unterschiedlich sind sie. Norval ist ein ängstliches Weichei, sein Vater ein vulgärer Säufer. Er erklärt weder seinen Brief, noch scheint er an einer Beziehung zu Norval interessiert. Als er dann sturzbetrunken anfängt, Norval als „Rattenficker“ zu bezeichnen, der „Ratten in seine Vagina steckt“, platzt diesem der Kragen… FAZIT Viel mehr Worte darf man über die Handlung von COME TO DADDY auch nicht verlieren, denn was nun folgt, ist eine überraschende Plotwendung nach der anderen. Wobei sich wirklich eine komplett andere Geschichte entwickelt, als sich anfangs andeutet. Während der Beginn noch der Logik eines Dramas folgt, wandelt der Film sich dann Horrorelementen zu, nicht zuletzt mit einigen gut platzierten Jump-Scares, und wird dann zu einem handfesten Thriller. Durchweg durchzieht ihn dabei ein schwarzhumoriger, makabrer, zum Teil recht derber Witz. Ein verrückter Genremix also, irre und witzig – irrwitzig. Dabei strotzt COME TO DADDY nur so von Kreativität und guten Einfällen – sowohl, was den Plot angeht, als auch in der Inszenierung: Etwa wenn sich die Kamera bei einem Kampf immer wieder auf die sich langsam abwickelnde Klopapierrolle konzentriert. Es sind solche Kleinigkeiten, die immer wieder wie nebenbei eingebaut werden und dem Zuschauer stets ein Schmunzeln entlocken. Durch den Witz erscheint auch die Gewalt nicht so grausam. Und oft sind es gerade die makabren Gewaltszenen, die komödiantisch inszeniert sind. Am meisten Spaß macht COME TO DADDY, wenn man so wenig über den Film weiß, wie nur möglich – kein Trailer, keine ausufernde Inhaltsangabe. Im besten Fall liefert man sich ohne jede Erwartung diesem wunderbar unterhaltsamen Genremix aus. COME TO DADDY erschien am 29. Mai 2020 auf DVD, Blu-ray und als VoD. Bewertung: Quelle: Pressematerial Splendid Film/WVG

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Drama, Komödie, Thriller, Horror – es ist ein irrwitziger und abgedrehter Genremix, den Ant Timpson, als Produzent von Horrorfilmen wie THE ABC‘S OF DEATH (2012) oder HOUSEBOUND (2014) erfahren, mit COME TO DADDY als sein Regiedebüt präsentiert. Durchweg lässt sich nicht abschätzen, wohin die Reise in diesem verrückten Streifen geht und wie sich der Plot entwickeln wird. Zu viel darf man deshalb auch nicht verraten, nur soviel sei erlaubt: Es erwartet den Zuschauer eine gute Portion Unterhaltung, schwarzer Humor, makabre Gewalt und eine Vielzahl genialer Einfälle voller Kreativität.

Come Daddy - BluRay-Cover | Elijah Wood

INHALT

Norval (Elijah Wood) steigt irgendwo in der neuseeländischen Pampa aus dem Bus aus und geht quer durch die Wildnis aus Wald und Feldern. Er kommt an ein einsames Haus am Meer und genau dort möchte er auch hin. In diesem Haus wohnt sein Vater (Stephen McHattie), den er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, als dieser ihn und seine Mutter verlassen hat. Nun hat der Vater seinem Sohn einen Brief geschrieben, dass er zu ihm kommen soll.

Vater und Sohn schließen sich in die Arme. Normalerweise folgt nun eine Annäherung. Genau das hat auch Norval erwartet, doch irgendwie will es nicht recht funktionieren zwischen den beiden. Zu unterschiedlich sind sie. Norval ist ein ängstliches Weichei, sein Vater ein vulgärer Säufer. Er erklärt weder seinen Brief, noch scheint er an einer Beziehung zu Norval interessiert. Als er dann sturzbetrunken anfängt, Norval als „Rattenficker“ zu bezeichnen, der „Ratten in seine Vagina steckt“, platzt diesem der Kragen…

FAZIT

Viel mehr Worte darf man über die Handlung von COME TO DADDY auch nicht verlieren, denn was nun folgt, ist eine überraschende Plotwendung nach der anderen. Wobei sich wirklich eine komplett andere Geschichte entwickelt, als sich anfangs andeutet. Während der Beginn noch der Logik eines Dramas folgt, wandelt der Film sich dann Horrorelementen zu, nicht zuletzt mit einigen gut platzierten Jump-Scares, und wird dann zu einem handfesten Thriller. Durchweg durchzieht ihn dabei ein schwarzhumoriger, makabrer, zum Teil recht derber Witz. Ein verrückter Genremix also, irre und witzig – irrwitzig.

Dabei strotzt COME TO DADDY nur so von Kreativität und guten Einfällen – sowohl, was den Plot angeht, als auch in der Inszenierung: Etwa wenn sich die Kamera bei einem Kampf immer wieder auf die sich langsam abwickelnde Klopapierrolle konzentriert. Es sind solche Kleinigkeiten, die immer wieder wie nebenbei eingebaut werden und dem Zuschauer stets ein Schmunzeln entlocken. Durch den Witz erscheint auch die Gewalt nicht so grausam. Und oft sind es gerade die makabren Gewaltszenen, die komödiantisch inszeniert sind.

Am meisten Spaß macht COME TO DADDY, wenn man so wenig über den Film weiß, wie nur möglich – kein Trailer, keine ausufernde Inhaltsangabe. Im besten Fall liefert man sich ohne jede Erwartung diesem wunderbar unterhaltsamen Genremix aus.

COME TO DADDY erschien am 29. Mai 2020 auf DVD, Blu-ray und als VoD.

Bewertung:

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Quelle: Pressematerial Splendid Film/WVG

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KNIVES OUT (2019) https://filmaffe.de/knives-out-2019/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=knives-out-2019 https://filmaffe.de/knives-out-2019/#respond Thu, 28 May 2020 18:34:02 +0000 https://filmaffe.de/?p=33057 Mit STAR WARS – DIE LETZTEN JEDI (2017) hatte Rian Johnson für viel Kontroverse in einer riesigen Saga sorgt. Er verlieh der stringenten, das ganze All umfassende Sci-Fi-Geschichte unerwartete Wendungen. Mit KNIVES OUT lebt Johnson das Spiel mit den Erwartungen weiter aus: Es ist einen Krimi klassischer Art, ein kleines Filmchen könnte man sagen, wenn das Budget nicht groß und die Besetzung nicht starreich wäre: Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Colette, Christopher Plummer und und und… Ein altmodischer Kriminalfilm im Stil der Krimis von Agatha Christie schwebte Rian Johnson nach eigener Aussage vor. Das ist ihm gelungen. Der Geist von DAS BÖSE UNTER DER SONNE (1982), MORD IM ORIENTEXPRESS (1974) oder TOD AUF DEM NIL (1978) schwebt über diesem Film – nicht aufdringlich und gewollt, sondern authentisch und natürlich. Ein Film für die Fans der Krimis alter Schule, aber so modern, dass er auch alle anderen fesseln kann. INHALT Der schwerreiche und sehr erfolgreiche Romanschriftsteller Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird tot aufgefunden: Seine Kehle ist durchgeschnitten – genau an dem Abend, an dem er zu seinem 85. Geburtstag eine große Feier veranstaltete, bei der seine ganze Verwandtschaft anwesend war. Die Polizei befragt alle Anwesenden, hält den Fall aber für eindeutig: Alles weist auf Selbstmord hin. Der Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) wurde anonym engagiert, um den Mord aufzuklären, deshalb will er der Sache genau nachgehen. Schon nach den ersten Befragungen stellt er fest, dass es in der Verwandtschaft Motive zuhauf gibt, Thrombey zu töten. Und jeder hatte auch die Gelegenheit dazu… FAZIT KNIVES OUT ist trotz seiner modernen Inszenierung irgendwie schön altmodisch – weil das Prinzip der Geschichte schön altmodisch ist: ein Haus, ein Mord, viele Verdächtige und ein Geheimnis. Der Film bedient sich dieser Erzählweise auf zeitgenössische Art und modifiziert sie zugleich. So löst er beispielsweise (untypisch für das Genre) das Geheimnis des Mordes relativ früh auf – scheinbar. Außerdem glänzt der Kriminalfilm durch einige gute Einfälle. Da ist zum Beispiel eine der Hauptpersonen, Marta Cabrera (Ana de Armas), die Pflegerin des Toten, die sich immer übergeben muss, wenn sie nicht die Wahrheit sagt. Keine gute Voraussetzung für ein Verhör, bei dem sie etwas verheimlichen will. Auch die Figur des Detektivs, eine Mischung aus „CSI und Poirot“, wie ihn eine Person im Film beschreibt, ist eine gelungene Version dieses Figurentypus: klug besetzt mit dem aktuellen James Bond, der aber gegen sein Image spielt und es konterkariert. Schon wie der Privatdetektiv eingeführt wird, ist eine grandiose Idee. Beim Verhör der Polizei sitzt er unscharf im Hintergrund, sodass man ihn als Zuschauer erst recht spät überhaupt bemerkt und erkennt. Er macht hingegen auf sich aufmerksam, indem er scheinbar im zufälligen Moment eine Taste auf dem Klavier anschlägt. Immer wieder, bis er den Verdächtigen auf die Nerven geht. KNIVES OUT hat damit eigentlich alles, was man von einem guten Krimi erwartet: einen geheimnisvollen Fall, interessante Figuren, eine gute Dramaturgie und gut abgepasste Humor. Was bei KNIVES OUT besonders hinzukommt: ständige Wendungen im Plot, die der Geschichte immer wieder neuen Drive geben. Sie wirken dabei nie erzwungen, sondern sind intelligent gemacht. Für Freunde, gutgemachter und spannender Krimiunterhaltung ist der Film also genau das Richtige. KNIVES OUT ist am 8. Mai 2020 auf DVD, Blu-ray und als VoD erschienen. Bewertung: Quelle:Pressematerial LEONNIE

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Mit STAR WARS – DIE LETZTEN JEDI (2017) hatte Rian Johnson für viel Kontroverse in einer riesigen Saga sorgt. Er verlieh der stringenten, das ganze All umfassende Sci-Fi-Geschichte unerwartete Wendungen. Mit KNIVES OUT lebt Johnson das Spiel mit den Erwartungen weiter aus: Es ist einen Krimi klassischer Art, ein kleines Filmchen könnte man sagen, wenn das Budget nicht groß und die Besetzung nicht starreich wäre: Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Colette, Christopher Plummer und und und…

Ein altmodischer Kriminalfilm im Stil der Krimis von Agatha Christie schwebte Rian Johnson nach eigener Aussage vor. Das ist ihm gelungen. Der Geist von DAS BÖSE UNTER DER SONNE (1982), MORD IM ORIENTEXPRESS (1974) oder TOD AUF DEM NIL (1978) schwebt über diesem Film – nicht aufdringlich und gewollt, sondern authentisch und natürlich. Ein Film für die Fans der Krimis alter Schule, aber so modern, dass er auch alle anderen fesseln kann.

INHALT

Der schwerreiche und sehr erfolgreiche Romanschriftsteller Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird tot aufgefunden: Seine Kehle ist durchgeschnitten – genau an dem Abend, an dem er zu seinem 85. Geburtstag eine große Feier veranstaltete, bei der seine ganze Verwandtschaft anwesend war. Die Polizei befragt alle Anwesenden, hält den Fall aber für eindeutig: Alles weist auf Selbstmord hin. Der Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) wurde anonym engagiert, um den Mord aufzuklären, deshalb will er der Sache genau nachgehen. Schon nach den ersten Befragungen stellt er fest, dass es in der Verwandtschaft Motive zuhauf gibt, Thrombey zu töten. Und jeder hatte auch die Gelegenheit dazu…

FAZIT

KNIVES OUT ist trotz seiner modernen Inszenierung irgendwie schön altmodisch – weil das Prinzip der Geschichte schön altmodisch ist: ein Haus, ein Mord, viele Verdächtige und ein Geheimnis. Der Film bedient sich dieser Erzählweise auf zeitgenössische Art und modifiziert sie zugleich. So löst er beispielsweise (untypisch für das Genre) das Geheimnis des Mordes relativ früh auf – scheinbar.

Außerdem glänzt der Kriminalfilm durch einige gute Einfälle. Da ist zum Beispiel eine der Hauptpersonen, Marta Cabrera (Ana de Armas), die Pflegerin des Toten, die sich immer übergeben muss, wenn sie nicht die Wahrheit sagt. Keine gute Voraussetzung für ein Verhör, bei dem sie etwas verheimlichen will. Auch die Figur des Detektivs, eine Mischung aus „CSI und Poirot“, wie ihn eine Person im Film beschreibt, ist eine gelungene Version dieses Figurentypus: klug besetzt mit dem aktuellen James Bond, der aber gegen sein Image spielt und es konterkariert. Schon wie der Privatdetektiv eingeführt wird, ist eine grandiose Idee. Beim Verhör der Polizei sitzt er unscharf im Hintergrund, sodass man ihn als Zuschauer erst recht spät überhaupt bemerkt und erkennt. Er macht hingegen auf sich aufmerksam, indem er scheinbar im zufälligen Moment eine Taste auf dem Klavier anschlägt. Immer wieder, bis er den Verdächtigen auf die Nerven geht.

KNIVES OUT hat damit eigentlich alles, was man von einem guten Krimi erwartet: einen geheimnisvollen Fall, interessante Figuren, eine gute Dramaturgie und gut abgepasste Humor. Was bei KNIVES OUT besonders hinzukommt: ständige Wendungen im Plot, die der Geschichte immer wieder neuen Drive geben. Sie wirken dabei nie erzwungen, sondern sind intelligent gemacht.

Für Freunde, gutgemachter und spannender Krimiunterhaltung ist der Film also genau das Richtige. KNIVES OUT ist am 8. Mai 2020 auf DVD, Blu-ray und als VoD erschienen.

Bewertung:

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Quelle:
Pressematerial LEONNIE

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PICARD (2020) – Staffel 1 https://filmaffe.de/picard-2020-staffel-1/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=picard-2020-staffel-1 https://filmaffe.de/picard-2020-staffel-1/#comments Sat, 18 Apr 2020 11:16:26 +0000 https://filmaffe.de/?p=33027 Er ist wieder da. Kaum gealtert und immer noch der einzigartige Jean-Luc Picard: Patrick Stewart kehrt zurück ins STAR TREK Universum. Wir haben uns PICARD angesehen und können die Serie nur empfehlen. INHALT Jean-Luc Picard hat sich auf ein Weingut zurückgezogen. Was zunächst nur nach Ruhestand aussieht, ist in Wahrheit eine Art Exil. Denn nach einer Auseinandersetzung mit Sternenflotte, quittierte er freiwillig den Dienst. Als die geheimnisvolle Soji in sein Leben tritt, wird schnell klar, dass er wieder losziehen muss. Aber ohne Sternenflotte braucht er ein Schiff und eine Crew. Auf seinem Weg begegnet er alten und neuen Freunden. Doch auf wen kann er sich noch verlassen? Wer ist noch Freund und wer Feind ist? FAZIT Alles in allem fand ich die Staffel sehr gut und freue mich schon auf die zweite Staffel. Allerdings erntete PICARD auch berechtigte Kritik. Zunächst zu den Stärken: Der Cast war sehr gut gewählt und niemand blieb auf der Strecke. Damit meine ich natürlich nicht nur Sir Patrick Stewart, Jeri Ryan, Jonathan Frakes oder Brent Spiner. Auch der neue Cast spielt hervorragend. Isa Briones hat als Soji die richtige Menge Data in sich aufgenommen. Und das ist wichtig. Wenn ich Briones zum Beispiel mit Sonequa Martin–Green vergleiche, die die Protagonistin in STAR TREK DISCOVERY war, ist hier ganz klar Briones die Gewinnerin. Während Martin-Green als quasi Vulkanierin wirkte, als hätte sie einen Stock verschluckt, hält Briones genau die Balance aus Android und Mensch. Die kleine Crew um Picard liefert insgesamt eine sehr gute schauspielerische Leistung ab. Stark ist natürlich auch die Vielzahl an Gastauftritten und Easter Eggs, die vorranging für die Star-Trek Fanbase gemeint sind. Zwar versteht man viel auch ohne große Vorkenntnisse, aber definitiv nicht alles. Und mit diesem Punkt kann ich auch direkt zu den Schwächen übergehen, denn da passt er auch hin … Es ist herzzerreißend und unnötig, dass alte Charaktere nur auftauchen, um direkt zu sterben (Icheb – möge er in Frieden ruhen). Für mich, deren Lieblings-Star Trek-Serie VOYAGER ist, fehlt auch einiges an Background von Seven. Was genau ist in ihrem Leben nach der Rückkehr zur Erde passiert? Vielleicht erfahren wir mehr in der nächsten Staffel. PICARD hat nicht die gleiche Geschwindigkeit, wie die anderen Sci-Fi Serien heute. Es ist wesentlich ruhiger, einige sagen langweilig, aber ich sehe das anders. Patrick Stewart kam nicht zurück zu der Rolle, weil er aus irgendwelchen Gründen musste, sondern weil seine Fanbase bis heute so stark ist. Ich sehe PICARD als Belohnung für die treuen Fans, die immer wieder THE NEXT GENERATION schauen und das Franchise unsterblich machen. PICARD bietet viel für Fans, Neulinge sollten vielleicht erst einmal mit THE NEXT GENERATION einsteigen, aber es lohnt sich. Die Serie steht bei Amazon Video zum Abruf bereit. Bewertung: Quelle: Pressematerial Amazon Video

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Er ist wieder da. Kaum gealtert und immer noch der einzigartige Jean-Luc Picard: Patrick Stewart kehrt zurück ins STAR TREK Universum. Wir haben uns PICARD angesehen und können die Serie nur empfehlen.

INHALT

Jean-Luc Picard hat sich auf ein Weingut zurückgezogen. Was zunächst nur nach Ruhestand aussieht, ist in Wahrheit eine Art Exil. Denn nach einer Auseinandersetzung mit Sternenflotte, quittierte er freiwillig den Dienst. Als die geheimnisvolle Soji in sein Leben tritt, wird schnell klar, dass er wieder losziehen muss. Aber ohne Sternenflotte braucht er ein Schiff und eine Crew. Auf seinem Weg begegnet er alten und neuen Freunden. Doch auf wen kann er sich noch verlassen? Wer ist noch Freund und wer Feind ist?

FAZIT

Alles in allem fand ich die Staffel sehr gut und freue mich schon auf die zweite Staffel. Allerdings erntete PICARD auch berechtigte Kritik. Zunächst zu den Stärken:

Der Cast war sehr gut gewählt und niemand blieb auf der Strecke. Damit meine ich natürlich nicht nur Sir Patrick Stewart, Jeri Ryan, Jonathan Frakes oder Brent Spiner. Auch der neue Cast spielt hervorragend. Isa Briones hat als Soji die richtige Menge Data in sich aufgenommen. Und das ist wichtig. Wenn ich Briones zum Beispiel mit Sonequa MartinGreen vergleiche, die die Protagonistin in STAR TREK DISCOVERY war, ist hier ganz klar Briones die Gewinnerin. Während Martin-Green als quasi Vulkanierin wirkte, als hätte sie einen Stock verschluckt, hält Briones genau die Balance aus Android und Mensch. Die kleine Crew um Picard liefert insgesamt eine sehr gute schauspielerische Leistung ab.

Stark ist natürlich auch die Vielzahl an Gastauftritten und Easter Eggs, die vorranging für die Star-Trek Fanbase gemeint sind. Zwar versteht man viel auch ohne große Vorkenntnisse, aber definitiv nicht alles. Und mit diesem Punkt kann ich auch direkt zu den Schwächen übergehen, denn da passt er auch hin …

Es ist herzzerreißend und unnötig, dass alte Charaktere nur auftauchen, um direkt zu sterben (Icheb – möge er in Frieden ruhen). Für mich, deren Lieblings-Star Trek-Serie VOYAGER ist, fehlt auch einiges an Background von Seven. Was genau ist in ihrem Leben nach der Rückkehr zur Erde passiert? Vielleicht erfahren wir mehr in der nächsten Staffel.

PICARD hat nicht die gleiche Geschwindigkeit, wie die anderen Sci-Fi Serien heute. Es ist wesentlich ruhiger, einige sagen langweilig, aber ich sehe das anders. Patrick Stewart kam nicht zurück zu der Rolle, weil er aus irgendwelchen Gründen musste, sondern weil seine Fanbase bis heute so stark ist. Ich sehe PICARD als Belohnung für die treuen Fans, die immer wieder THE NEXT GENERATION schauen und das Franchise unsterblich machen.

PICARD bietet viel für Fans, Neulinge sollten vielleicht erst einmal mit THE NEXT GENERATION einsteigen, aber es lohnt sich. Die Serie steht bei Amazon Video zum Abruf bereit.

Bewertung:

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Quelle: Pressematerial Amazon Video

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OFFICIAL SECRETS (2019) https://filmaffe.de/official-secrets-2019/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=official-secrets-2019 https://filmaffe.de/official-secrets-2019/#respond Mon, 13 Apr 2020 11:17:09 +0000 https://filmaffe.de/?p=32974 OFFICIAL SECRETS erzählt nach einer wahren Begebenheit die Geschichte der britischen Spionin Katharine Gun, die geheime Informationen zum Irakkrieg leakte. Damit wollte sie einen illegal geführten Krieg verhindern. Der Politthriller des Regisseurs Gavin Hood (ENDER‘S GAME) widmet sich einer Whistleblowerin, indem er die Story effektvoll und spannend in Szene setzt und dabei klar Partei ergreift. Mit einfachen Mitteln zieht der Film den Zuschauer in seinen Bann und erzeugt gezielt Wut und Empörung, deren man sich trotz der offensichtlichen filmischen Mittel aufgrund des Tempos und der tollen Schauspieler nicht entziehen kann. INHALT Wir befinden uns im Jahr 2003, wenige Wochen vor Beginn des zweiten Irak-Kriegs. Die britische Geheimdienstlerin Katharine Gun (Keira Knightley) erfährt von einem Schreiben der NSA, in dem gefordert wird, Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu überwachen. Die Informationen sollen dazu genutzt werden, die Staaten zu erpressen und dazu zu zwingen, für eine Rechtfertigung des Krieges zu stimmen. Gun kann das nicht einfach so ignorieren und gibt die streng geheime Information an die Presse weiter. Als die britische Regierung interne Untersuchungen durchführt und Guns Freunde verdächtigt werden, stellt sie sich freiwillig. Sie wird festgenommen und angeklagt. Gleichzeitig wird sie unter Druck gesetzt – unter anderem versucht man, ihren Mann, der Moslem und Iraker ist, illegal abzuschieben. Der Anwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes) vertritt sie, doch da sie gestanden hat, muss er kreativ werden, um ihre Unschuld vor Gericht durchzukriegen… FAZIT OFFICIAL SECRETS vergeudet keine Zeit. Nach wenigen Minuten bereits kopiert Gun das geheime Papier, das sie darauffolgend leaken wird. Diese mitreißende Geschwindigkeit behält der Film bei. Er erzeugt einen unwiderstehlichen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Neben dem rasanten Tempo liegt das vor allem daran, dass er handwerklich sehr gut gemacht ist. Die Inszenierung weiß genau, wie sie effektvoll auf das Gemüt des Zuschauers einzuwirken hat. Und das nutzt der Thriller auch aus. Es ist ein Film, der wütend machen will. Und das gelingt ihm: Man wird wütend, angesichts der Ungerechtigkeit und Absurdität, die sich auf der Leinwand abspielt. Dass dabei das Label „nach einer wahren Begebenheit“ im Hinterkopf spukt, verstärkt diesen Effekt umso mehr. Eigentlich bedient der Politthriller OFFICIAL SECRETS drei Genres. Zum einen das des Journalisten-Dramas, ganz im Stil der großen Filme wie DIE UNBESTECHLICHEN (1976) oder SPOTLIGHT (2015). Zum anderen ist er aber auch ein Whistleblower-Drama, ähnlich SNOWDEN (2016). Und drittens, vor allem zum Ende des Films, wird er zum Gerichtsdrama. Diese drei Genres verwebt er gekonnt miteinander. Daraus entsteht ein breites Bild der Situation. OFFICIAL SECRETS ist hochinteressant und behandelt ein wichtiges Thema. Das allein reicht aber nicht für einen gelungenen Thriller. Um gänzlich zu überzeugen, sollte er auch unterhalten und spannend sein. Und Spannung hat OFFICIAL SECRETS mehr als genug zu bieten. Die 115 Minuten Laufzeit fliegen nur so dahin, dank des Tempos und der effektvollen Inszenierung. Ein Film, der sich aus vielerlei Gründen anzuschauen lohnt! Und absolut zu empfehlen ist! Bewertung: Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2020

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OFFICIAL SECRETS erzählt nach einer wahren Begebenheit die Geschichte der britischen Spionin Katharine Gun, die geheime Informationen zum Irakkrieg leakte. Damit wollte sie einen illegal geführten Krieg verhindern. Der Politthriller des Regisseurs Gavin Hood (ENDER‘S GAME) widmet sich einer Whistleblowerin, indem er die Story effektvoll und spannend in Szene setzt und dabei klar Partei ergreift. Mit einfachen Mitteln zieht der Film den Zuschauer in seinen Bann und erzeugt gezielt Wut und Empörung, deren man sich trotz der offensichtlichen filmischen Mittel aufgrund des Tempos und der tollen Schauspieler nicht entziehen kann.

Official Secrets - Blu-Ray-Cover

INHALT

Wir befinden uns im Jahr 2003, wenige Wochen vor Beginn des zweiten Irak-Kriegs. Die britische Geheimdienstlerin Katharine Gun (Keira Knightley) erfährt von einem Schreiben der NSA, in dem gefordert wird, Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu überwachen. Die Informationen sollen dazu genutzt werden, die Staaten zu erpressen und dazu zu zwingen, für eine Rechtfertigung des Krieges zu stimmen. Gun kann das nicht einfach so ignorieren und gibt die streng geheime Information an die Presse weiter.

Als die britische Regierung interne Untersuchungen durchführt und Guns Freunde verdächtigt werden, stellt sie sich freiwillig. Sie wird festgenommen und angeklagt. Gleichzeitig wird sie unter Druck gesetzt – unter anderem versucht man, ihren Mann, der Moslem und Iraker ist, illegal abzuschieben. Der Anwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes) vertritt sie, doch da sie gestanden hat, muss er kreativ werden, um ihre Unschuld vor Gericht durchzukriegen…

FAZIT

OFFICIAL SECRETS vergeudet keine Zeit. Nach wenigen Minuten bereits kopiert Gun das geheime Papier, das sie darauffolgend leaken wird. Diese mitreißende Geschwindigkeit behält der Film bei. Er erzeugt einen unwiderstehlichen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Neben dem rasanten Tempo liegt das vor allem daran, dass er handwerklich sehr gut gemacht ist. Die Inszenierung weiß genau, wie sie effektvoll auf das Gemüt des Zuschauers einzuwirken hat. Und das nutzt der Thriller auch aus. Es ist ein Film, der wütend machen will. Und das gelingt ihm: Man wird wütend, angesichts der Ungerechtigkeit und Absurdität, die sich auf der Leinwand abspielt. Dass dabei das Label „nach einer wahren Begebenheit“ im Hinterkopf spukt, verstärkt diesen Effekt umso mehr.

Eigentlich bedient der Politthriller OFFICIAL SECRETS drei Genres. Zum einen das des Journalisten-Dramas, ganz im Stil der großen Filme wie DIE UNBESTECHLICHEN (1976) oder SPOTLIGHT (2015). Zum anderen ist er aber auch ein Whistleblower-Drama, ähnlich SNOWDEN (2016). Und drittens, vor allem zum Ende des Films, wird er zum Gerichtsdrama. Diese drei Genres verwebt er gekonnt miteinander. Daraus entsteht ein breites Bild der Situation.

OFFICIAL SECRETS ist hochinteressant und behandelt ein wichtiges Thema. Das allein reicht aber nicht für einen gelungenen Thriller. Um gänzlich zu überzeugen, sollte er auch unterhalten und spannend sein. Und Spannung hat OFFICIAL SECRETS mehr als genug zu bieten. Die 115 Minuten Laufzeit fliegen nur so dahin, dank des Tempos und der effektvollen Inszenierung. Ein Film, der sich aus vielerlei Gründen anzuschauen lohnt! Und absolut zu empfehlen ist!

Bewertung:

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Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2020

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DIE SCHWARZE WINDMÜHLE (1974) https://filmaffe.de/die-schwarz-windmuehle-1974/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-schwarz-windmuehle-1974 https://filmaffe.de/die-schwarz-windmuehle-1974/#respond Wed, 08 Apr 2020 16:22:00 +0000 https://filmaffe.de/?p=32969 DIRTY HARRY-Regisseur Don Siegel inszenierte 1974 den Spionagethriller DIE SCHWARZE WINDMÜHLE, in dem ein MI6-Agent seinen entführten Sohn befreien will. In den Hauptrollen mit Michael Caine (KINGSMAN) und Donald Pleasance (HALLOWEEN) prominent besetzt, begeistert der Film leider nicht so sehr, wie man nach diesen ersten Infos hoffen würde… INHALT Der Sohn des britischen Geheimagenten John Tarrant (Michael Caine) wird von Waffenhändlern entführt. Die Verbrecher verlangen eine halbe Million in Form von Diamanten, die dem MI6 gehören. Tarrants Chef (Doland Pleasance) verhandelt mit den Entführern. Allerdings hat das MI6 nicht im Geringsten vor, das Lösegeld zu bezahlen. Außerdem verdächtigen sie Tarrant selbst, seinen Sohn entführt und das Geld verlangt zu haben. Als Tarrant das mitkriegt, nimmt er sich vor, alles auf eigene Faust zu erledigen. Er plant, dem MI6 die Diamanten zu stehlen und sein Kind zu befreien. FAZIT DIE SCHWARZE WINDMÜHLE ist nun leider nicht gerade ein mit Spannung durchzogener Film. Um genau zu sein, entsteht Spannung erst nach etwas mehr als einer Stunde, wenn Michael Caine seine (recht unspektakuläre) One-Man-Show startet. Es ist eine merkwürdige Mischung, einerseits ein Spionagethriller, andererseits ein klassischer Entführungsthriller. Es gibt Szenen, die an 007 und Q erinnern, wenn die neuen Gadgets des MI6 ausprobiert und vorgestellt werden, die später im Film eine Rolle spielen. Und es gibt Szenen, bei dem die Polizei die Anrufe der Entführer mitschneidet und zu orten versucht. Es gibt Verfolgungsjagden. Und es gibt viele belanglose Dialoge. Diese Mischung funktioniert nicht richtig. Unter anderem, weil der Plot nicht glaubwürdig ist. Das beginnt bei der Entführung zu Anfang des Films. Der Sohn dringt auf ein Gelände zum Spielen ein. Uniformierte nehmen ihn fest, da dies ein Testgelände der Regierung sei. Dann legen sie ihre Uniform ab, entlarven sich als Gangster und entführen den Jungen. Das ergibt aber von vorn bis hinten keinen Sinn. Sollten die Verbrecher die Entführung geplant haben, mussten sie wissen, dass der Sohn sich auf das Gelände schleicht. Das vorherzusehen und sich die Mühe zu machen, Uniformen zu ergattern, scheint ziemlich abwegig. Da gäbe es einfachere und logischere Wege, eine Entführung durchzuziehen. Solche Szenen, die erschreckend und überraschend wirken sollen, aber bei näherer Betrachtung absurd sind, gibt es einige in DIE SCHWARZE WINDMÜHLE. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Film ansonsten etwas zu bieten hätte. Da er allerdings spannungsarm und unnötig dialoglastig ist, fällt dies umso mehr auf. Zudem bleiben die Figuren ziemlich flach und charakterlos. Donald Pleasance gibt seiner Figur zwar einige Ticks – er hat einen krankhaften Ordnungssinn und knibbelt ständig an seinem kleinen Schnauzer rum (was auf Dauer nervt) –, doch diese Kleinigkeiten erzeugen nun nicht gerade Tiefe eines Charakters. So lässt einen dieser Spionagethriller trotz Starbesetzung auf dem Regiestuhl und in den Hauptrollen leider recht enttäuscht zurück. DIE SCHWARZE WINDMÜHLE erscheint am 11. Juni 2020 bei Koch Film als Mediabook. Bewertung: Quelle: Pressematerial Koch Media

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DIRTY HARRY-Regisseur Don Siegel inszenierte 1974 den Spionagethriller DIE SCHWARZE WINDMÜHLE, in dem ein MI6-Agent seinen entführten Sohn befreien will. In den Hauptrollen mit Michael Caine (KINGSMAN) und Donald Pleasance (HALLOWEEN) prominent besetzt, begeistert der Film leider nicht so sehr, wie man nach diesen ersten Infos hoffen würde…

Die schwarze Windmühle_Mediabook-Cover

INHALT

Der Sohn des britischen Geheimagenten John Tarrant (Michael Caine) wird von Waffenhändlern entführt. Die Verbrecher verlangen eine halbe Million in Form von Diamanten, die dem MI6 gehören. Tarrants Chef (Doland Pleasance) verhandelt mit den Entführern.

Allerdings hat das MI6 nicht im Geringsten vor, das Lösegeld zu bezahlen. Außerdem verdächtigen sie Tarrant selbst, seinen Sohn entführt und das Geld verlangt zu haben. Als Tarrant das mitkriegt, nimmt er sich vor, alles auf eigene Faust zu erledigen. Er plant, dem MI6 die Diamanten zu stehlen und sein Kind zu befreien.

FAZIT

DIE SCHWARZE WINDMÜHLE ist nun leider nicht gerade ein mit Spannung durchzogener Film. Um genau zu sein, entsteht Spannung erst nach etwas mehr als einer Stunde, wenn Michael Caine seine (recht unspektakuläre) One-Man-Show startet.

Es ist eine merkwürdige Mischung, einerseits ein Spionagethriller, andererseits ein klassischer Entführungsthriller. Es gibt Szenen, die an 007 und Q erinnern, wenn die neuen Gadgets des MI6 ausprobiert und vorgestellt werden, die später im Film eine Rolle spielen. Und es gibt Szenen, bei dem die Polizei die Anrufe der Entführer mitschneidet und zu orten versucht. Es gibt Verfolgungsjagden. Und es gibt viele belanglose Dialoge.

Diese Mischung funktioniert nicht richtig. Unter anderem, weil der Plot nicht glaubwürdig ist. Das beginnt bei der Entführung zu Anfang des Films. Der Sohn dringt auf ein Gelände zum Spielen ein. Uniformierte nehmen ihn fest, da dies ein Testgelände der Regierung sei. Dann legen sie ihre Uniform ab, entlarven sich als Gangster und entführen den Jungen. Das ergibt aber von vorn bis hinten keinen Sinn. Sollten die Verbrecher die Entführung geplant haben, mussten sie wissen, dass der Sohn sich auf das Gelände schleicht. Das vorherzusehen und sich die Mühe zu machen, Uniformen zu ergattern, scheint ziemlich abwegig. Da gäbe es einfachere und logischere Wege, eine Entführung durchzuziehen.

Solche Szenen, die erschreckend und überraschend wirken sollen, aber bei näherer Betrachtung absurd sind, gibt es einige in DIE SCHWARZE WINDMÜHLE. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Film ansonsten etwas zu bieten hätte. Da er allerdings spannungsarm und unnötig dialoglastig ist, fällt dies umso mehr auf.

Zudem bleiben die Figuren ziemlich flach und charakterlos. Donald Pleasance gibt seiner Figur zwar einige Ticks – er hat einen krankhaften Ordnungssinn und knibbelt ständig an seinem kleinen Schnauzer rum (was auf Dauer nervt) –, doch diese Kleinigkeiten erzeugen nun nicht gerade Tiefe eines Charakters.

So lässt einen dieser Spionagethriller trotz Starbesetzung auf dem Regiestuhl und in den Hauptrollen leider recht enttäuscht zurück. DIE SCHWARZE WINDMÜHLE erscheint am 11. Juni 2020 bei Koch Film als Mediabook.

Bewertung:

banane_ranking_2.5

Quelle: Pressematerial Koch Media

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DAS PERFEKTE GEHEIMNIS (2019) https://filmaffe.de/das-perfekte-geheimnis-2019-2/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=das-perfekte-geheimnis-2019-2 https://filmaffe.de/das-perfekte-geheimnis-2019-2/#respond Mon, 06 Apr 2020 16:07:00 +0000 https://filmaffe.de/?p=32962 Erst vor kurzem hat die deutsche Komödie DER VORNAME (2018) die Zuschauer und die Filmkritik begeistert. Die kammerspielartige Screw-Ball-Comedy mit thematisch interessanten Diskussionen, Tiefsinn, exaktem Timing und hervorragenden Schauspielern kam der Perfektion so nahe wie kaum ein anderer deutscher Film in den letzten Jahren. DAS PERFEKTE GEHEIMNIS fährt nun in demselben Fahrwasser und ähnelt DER VORNAME in vielerlei Hinsicht. Auch er legt den Fokus auf ein dialoglastiges Kammerspiel mit grandiosen Schauspielern – und kann damit überzeugen! So ein Film steht und fällt mit den Schauspielern. Der Cast ist erstaunlich: Karoline Herfurth, Elyas M‘Barek, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring. Diese Truppe schafft es, Authentizität zu schaffen und kleine Schwächen im Drehbuch aufzufangen. INHALT Sieben Freunde treffen sich zum gemeinsamen Abendessen. Die vier Männer sind seit der Schulzeit die besten Freunde, die drei Frauen (der Anhang der Männer) gehören mittlerweile zur Clique dazu. Kurz vor dem Essen kommt eine Spielidee auf: Jeder legt sein Smartphone offen auf den Tisch. Alle Nachrichten werden laut vorgelesen, alle eingehenden Bilder gezeigt und alle Anrufe auf Lautsprecher gestellt. Widerwillig stimmt einer nach dem anderen zu. Natürlich haben alle Beteiligten Geheimnisse, die besser nicht rauskommen sollten – mal größerer, mal kleinerer Natur. Doch jetzt kommt alles – irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Tisch. Nach und nach kommen die geheimen Hintergründe heraus. Jetzt ist die Frage, wie gut die Beziehungen der Freunde zueinander und zu ihren Frauen sind. Halten sie die unangenehme Wahrheit aus? FAZIT Die Ausgangsidee (übrigens zuerst im italienischen Film PERFETTI SCONOCIUTI umgesetzt, DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist nur das deutsche Remake) ist recht simpel. Umso schöner ist es, dass sie klug umgesetzt wurde. Es werden einige Themen und Probleme angesprochen (die aus Spoilergründen hier nicht näher beleuchtet werden sollen). Manchmal wirkt der Film fast schon überladen. So manch gelüftetes Geheimnis hätte schon allein genug Konfrontation für einen ganzen Spielfilm geboten, hier werden Dutzende solcher Probleme abgehandelt. Doch stört diese Vielzahl an angesprochenen oder nur kurz angeschnittenen Themen nicht. Zum einen wegen der grandiosen Schauspieler, die ausnahmslos überzeugen. Sie wirken dagegen, wo das Drehbuch etwas zu schnell ist oder zu viel will. Zum anderen aber auch, weil die Lüftung der Geheimnisse klug vorbereitet werden und Missverständnisse und Täuschungen nochmal weitere Spannungselemente hinzufügen. Jeder kennt es, wenn in einer Gruppe etwas gesagt wird, das eine Linie überschreitet, und die Stimmung plötzlich kippt. Diese unangenehme Atmosphäre stellt DAS PERFEKTE GEHEIMNIS mehrfach absolut authentisch dar, vor allem dank der Leistung der Schauspieler. Dieses Unwohlsein überträgt sich schnell auf den Zuschauer, sodass er nicht ruhig in seinem Sessel sitzt, sondern fast durchgehend eine Angespanntheit spürt – was aber nicht daran hindert, bei den zahlreichen gelungenen Gags laut und vielleicht auch etwas erlöst zu lachen. In mehreren Kritiken zum Kinostart wurde der Komödie Schwulenfeindlichkeit unterstellt, was wirklich absurd ist. Diese Kritiken konnten offensichtlich nicht unterscheiden zwischen Aussagen, die die Figuren tätigen, und Aussagen, die der Film macht. Das ist aber ein gewaltiger Unterschied. DAS PERFEKTE GEHEIMNIS positioniert sich ganz klar. Auf beeindruckende Weise stellt er die Macho-Männer bloß, die sich selbst als tolerant und aufgeklärt sehen, durch ihr Schwuchtel- und Tucke-Gerede aber zeigen, dass sie genau das nicht sind. In jedem schwelen eine latente Homophobie und klischeehafte Vorurteile, übrigens auch in einer der Frauen. Sehr schön zeigt die Komödie, wie die Figuren selbst ihre Homophobie abstreiten und wahrscheinlich wirklich nicht wahrnehmen, wie sie aber auf denjenigen wirkt, der betroffen ist. Damit spricht sich der Film klar dafür aus, dass jeder auch sein eigenes Gerede, seine eigenen Gedanken prüfen sollte. Wer dem Film Homophobie unterstellt, hat ihn offensichtlich nicht verstanden. So hervorragend DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist – so witzig, gesellschaftskritisch, klug, pointenreich, echt – so bedauerlich ist es, dass er nicht weiß, wann er enden sollte. Am klügsten wäre es gewesen, den Abspann zu bringen, sobald die Figuren nach dem Spiel die Wohnung verlassen haben. Doch die Komödie führt ihre Handlung unnötigerweise noch zehn Minuten weiter fort und torpediert sich dabei selbst. In diesen letzten Filmminuten macht der Film alles zunichte, was er vorher so gelungen aufgebaut und errichtet hatte. Die getroffenen Aussagen werden ad absurdum geführt, indem zugunsten eines unglaubwürdigen Happy Ends die Macho-Kultur, die zuvor zurecht bloßgestellt wurde, plötzlich als Lösung der Probleme dargestellt wird. Außerdem ist die Annahme, dass die Männer, die solch tiefgreifende Vertrauensbrüche ihrer Kumpels erfahren haben, danach wieder Best Friends werden, ziemlich naiv. Selten hat man sich so über einen katastrophal misslungenen Schluss geärgert. DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist als Blu-ray und DVD erhältlich. Die Extras fallen von der Quantität sehr erfreulich aus: Outtakes, behind the Scenes, Extended Scenes, Interviews, ein Audiokommentar und Trailer. Die einzelnen Clips könnten allerdings länger und informativer sein. Bewertung: Quelle: Pressematerial Constantin Film

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Erst vor kurzem hat die deutsche Komödie DER VORNAME (2018) die Zuschauer und die Filmkritik begeistert. Die kammerspielartige Screw-Ball-Comedy mit thematisch interessanten Diskussionen, Tiefsinn, exaktem Timing und hervorragenden Schauspielern kam der Perfektion so nahe wie kaum ein anderer deutscher Film in den letzten Jahren.

DAS PERFEKTE GEHEIMNIS fährt nun in demselben Fahrwasser und ähnelt DER VORNAME in vielerlei Hinsicht. Auch er legt den Fokus auf ein dialoglastiges Kammerspiel mit grandiosen Schauspielern – und kann damit überzeugen! So ein Film steht und fällt mit den Schauspielern. Der Cast ist erstaunlich: Karoline Herfurth, Elyas M‘Barek, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring. Diese Truppe schafft es, Authentizität zu schaffen und kleine Schwächen im Drehbuch aufzufangen.

Das perfekte Geheimnis_Blu-Ray-Cover

INHALT

Sieben Freunde treffen sich zum gemeinsamen Abendessen. Die vier Männer sind seit der Schulzeit die besten Freunde, die drei Frauen (der Anhang der Männer) gehören mittlerweile zur Clique dazu. Kurz vor dem Essen kommt eine Spielidee auf: Jeder legt sein Smartphone offen auf den Tisch. Alle Nachrichten werden laut vorgelesen, alle eingehenden Bilder gezeigt und alle Anrufe auf Lautsprecher gestellt.

Widerwillig stimmt einer nach dem anderen zu. Natürlich haben alle Beteiligten Geheimnisse, die besser nicht rauskommen sollten – mal größerer, mal kleinerer Natur. Doch jetzt kommt alles – irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Tisch. Nach und nach kommen die geheimen Hintergründe heraus. Jetzt ist die Frage, wie gut die Beziehungen der Freunde zueinander und zu ihren Frauen sind. Halten sie die unangenehme Wahrheit aus?

FAZIT

Die Ausgangsidee (übrigens zuerst im italienischen Film PERFETTI SCONOCIUTI umgesetzt, DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist nur das deutsche Remake) ist recht simpel. Umso schöner ist es, dass sie klug umgesetzt wurde. Es werden einige Themen und Probleme angesprochen (die aus Spoilergründen hier nicht näher beleuchtet werden sollen). Manchmal wirkt der Film fast schon überladen. So manch gelüftetes Geheimnis hätte schon allein genug Konfrontation für einen ganzen Spielfilm geboten, hier werden Dutzende solcher Probleme abgehandelt. Doch stört diese Vielzahl an angesprochenen oder nur kurz angeschnittenen Themen nicht. Zum einen wegen der grandiosen Schauspieler, die ausnahmslos überzeugen. Sie wirken dagegen, wo das Drehbuch etwas zu schnell ist oder zu viel will. Zum anderen aber auch, weil die Lüftung der Geheimnisse klug vorbereitet werden und Missverständnisse und Täuschungen nochmal weitere Spannungselemente hinzufügen.

Jeder kennt es, wenn in einer Gruppe etwas gesagt wird, das eine Linie überschreitet, und die Stimmung plötzlich kippt. Diese unangenehme Atmosphäre stellt DAS PERFEKTE GEHEIMNIS mehrfach absolut authentisch dar, vor allem dank der Leistung der Schauspieler. Dieses Unwohlsein überträgt sich schnell auf den Zuschauer, sodass er nicht ruhig in seinem Sessel sitzt, sondern fast durchgehend eine Angespanntheit spürt – was aber nicht daran hindert, bei den zahlreichen gelungenen Gags laut und vielleicht auch etwas erlöst zu lachen.

In mehreren Kritiken zum Kinostart wurde der Komödie Schwulenfeindlichkeit unterstellt, was wirklich absurd ist. Diese Kritiken konnten offensichtlich nicht unterscheiden zwischen Aussagen, die die Figuren tätigen, und Aussagen, die der Film macht. Das ist aber ein gewaltiger Unterschied. DAS PERFEKTE GEHEIMNIS positioniert sich ganz klar. Auf beeindruckende Weise stellt er die Macho-Männer bloß, die sich selbst als tolerant und aufgeklärt sehen, durch ihr Schwuchtel- und Tucke-Gerede aber zeigen, dass sie genau das nicht sind. In jedem schwelen eine latente Homophobie und klischeehafte Vorurteile, übrigens auch in einer der Frauen. Sehr schön zeigt die Komödie, wie die Figuren selbst ihre Homophobie abstreiten und wahrscheinlich wirklich nicht wahrnehmen, wie sie aber auf denjenigen wirkt, der betroffen ist. Damit spricht sich der Film klar dafür aus, dass jeder auch sein eigenes Gerede, seine eigenen Gedanken prüfen sollte. Wer dem Film Homophobie unterstellt, hat ihn offensichtlich nicht verstanden.

So hervorragend DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist – so witzig, gesellschaftskritisch, klug, pointenreich, echt – so bedauerlich ist es, dass er nicht weiß, wann er enden sollte. Am klügsten wäre es gewesen, den Abspann zu bringen, sobald die Figuren nach dem Spiel die Wohnung verlassen haben. Doch die Komödie führt ihre Handlung unnötigerweise noch zehn Minuten weiter fort und torpediert sich dabei selbst. In diesen letzten Filmminuten macht der Film alles zunichte, was er vorher so gelungen aufgebaut und errichtet hatte. Die getroffenen Aussagen werden ad absurdum geführt, indem zugunsten eines unglaubwürdigen Happy Ends die Macho-Kultur, die zuvor zurecht bloßgestellt wurde, plötzlich als Lösung der Probleme dargestellt wird. Außerdem ist die Annahme, dass die Männer, die solch tiefgreifende Vertrauensbrüche ihrer Kumpels erfahren haben, danach wieder Best Friends werden, ziemlich naiv. Selten hat man sich so über einen katastrophal misslungenen Schluss geärgert.

DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist als Blu-ray und DVD erhältlich. Die Extras fallen von der Quantität sehr erfreulich aus: Outtakes, behind the Scenes, Extended Scenes, Interviews, ein Audiokommentar und Trailer. Die einzelnen Clips könnten allerdings länger und informativer sein.

Bewertung:

banane_ranking_4

Quelle: Pressematerial Constantin Film

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DIE EISKÖNIGIN 2 (2019) https://filmaffe.de/die-eiskoenigin-2-2019/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-eiskoenigin-2-2019 https://filmaffe.de/die-eiskoenigin-2-2019/#respond Sun, 29 Mar 2020 10:54:45 +0000 https://filmaffe.de/?p=32957 Eine Regel im Filmgeschäft besagt, dass auf einen kommerziellen Erfolg immer eine Fortsetzung folgt. Eine andere Regel prophezeit, dass die Fortsetzung nur selten an das Original herankommt. DIE EISKÖNIGIN beweist beide Regel par excellence und enttäuscht damit auf vielen Ebenen. INHALT Elsa und Anna könnten als Schwestern ein glückliches Leben in ihrem Königreich haben. Doch eine Geschichte aus der Vergangenheit holt sie ein: Ein Kampf mit einem benachbarten, naturverbundenen Volk sorgte einst für eine tiefe Spaltung. Erzürnt über diesen Konflikt erhoben sich die vier Elementargeister Wasser, Feuer, Luft und Wind und schotteten das Waldreich von dem Königreich ab. Das ist viele Jahre her. Durch ein Versehen erweckt Elsa die Geister wieder und bedroht dadurch ihr Reich. Eine Stimme, die nur die Eiskönigin hört, weist ihr den Weg, um das drohende Unheil abzuwenden. Gemeinsam mit Anna, Schneemann Olaf, Rentier Sven und Schwager in Spe Christopher reist Elsa zum verborgenen Wald… FAZIT DIE EISKÖNIGIN 2 ist wirkt wir ein unfertiges Produkt, bei dem die falschen Schwerpunkte bereits in der Konzeption gesetzt wurden. Klar ist, man wollte krampfhaft an den Erfolg des ersten Teils ansetzen, wieder ein Lied kreieren, dass selbst Väter in blauen Ballkleidern zur Freude hier Töchter zum Tanzen bringt. Eine relevante Geschichte sollte es sein, in der starke Frauen im Fokus stehen, ja selbstbewusst ihren Platz im Leben definieren und das alte Bild der Prinzessinnen brechen. All diese Ansätze sind richtig und wichtige Zutaten für einen weiteren großen Film. Leider werden wir mit Liedern überschwemmt, wovon nicht einer im Kopf bleibt. Und am Ende steht doch wieder eine große Liebe. Mehr noch zeigt DIE EISKÖNIGIN 2 keine neuen Impulse. Es geht wieder darum, seinen eigenen Weg zu gehen. Es geht wieder darum, seine Freunde nicht zu gefährden. Und natürlich geht es auch wieder darum, zu erkennen, wie wichtig Freunde und Familie sind. Dabei fehlt dem Film ein Kontrahent, eine große Herausforderung. Gezeigt wird stattdessen eine Reise ohne konkretes Ziel oder eine klare Linie. Und statt Antworten zu bieten, bleibt ein gigantischer Fragenkatalog:   Wann erweckt Elsa die Geister? Warum greifen die Geister das Königreich überhaupt an? Warum kam es damals zum Konflikt der Völker? Wie wird Elsas Vater damals genau gerettet? Warum hört Elsa die Stimme? Was ist in all den Jahren im Wald passiert? Warum streiten sich die Schwestern ständig? Warum meint jeder ständig Alleingänge machen zu müssen? Wer hat sich diese teilweise äußerst belanglose Musik ausgedacht? Warum braucht die Story fünf Lieder, bis die Handlung endlich mal losgeht? Selten einen Disneyfilm gesehen, der so offensichtlich mehr Musikvideo denn erzählte Handlung sein möchte. Würde man die Lieder streiche, käme die Geschichte auf eine Gesamtlänge, die in eine Folge GUMMIBÄRENBANDE auserzählt worden wäre. Keine Frage, das Bild, die Optik, die Präsentation von DIE EISKÖNIGIN 2 ist großartig. Fotorealistisch wäre in manchen Szenen sogar eine untertriebene Bezeichnung der Bilder. Doch was nützt die schöne Szene, wenn ihr Inhalt so sehr hinkt? Okay: Olaf ist witzig und auch Sven hat seine Momente. Die Kinder werden ihre Freude haben, auch wenn die Handlung große Lücken aufweist. Der Film weiß sie gut zu kaschieren. Auch die Lieder haben gemeinsam mit den Bildern ihre Wirkung. Aber spätestens, wenn Christoph zu seiner Ballade ansetzt, nimmt sich der Film nicht mehr ernst. Vielleicht möchte uns DIE EISKÖNIGIN 2 auf ihre Metaebene genau das sagen: „Ihr bin eine ironische Fortsetzung, eine Parodie auf mich selbst.“ Wenn das wirklich das Ziel war, Chapeau! Auftrag erfüllt. DIE EISKÖNIGIN 2 ist seit dem 26.03.2020 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich. Bewertung: Quelle: Pressematerial Disney© Disney

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Eine Regel im Filmgeschäft besagt, dass auf einen kommerziellen Erfolg immer eine Fortsetzung folgt. Eine andere Regel prophezeit, dass die Fortsetzung nur selten an das Original herankommt. DIE EISKÖNIGIN beweist beide Regel par excellence und enttäuscht damit auf vielen Ebenen.

Die Eiskönigin 2 - Blu-Ray-Cover

INHALT

Elsa und Anna könnten als Schwestern ein glückliches Leben in ihrem Königreich haben. Doch eine Geschichte aus der Vergangenheit holt sie ein: Ein Kampf mit einem benachbarten, naturverbundenen Volk sorgte einst für eine tiefe Spaltung. Erzürnt über diesen Konflikt erhoben sich die vier Elementargeister Wasser, Feuer, Luft und Wind und schotteten das Waldreich von dem Königreich ab. Das ist viele Jahre her.

Durch ein Versehen erweckt Elsa die Geister wieder und bedroht dadurch ihr Reich. Eine Stimme, die nur die Eiskönigin hört, weist ihr den Weg, um das drohende Unheil abzuwenden. Gemeinsam mit Anna, Schneemann Olaf, Rentier Sven und Schwager in Spe Christopher reist Elsa zum verborgenen Wald…

FAZIT

DIE EISKÖNIGIN 2 ist wirkt wir ein unfertiges Produkt, bei dem die falschen Schwerpunkte bereits in der Konzeption gesetzt wurden. Klar ist, man wollte krampfhaft an den Erfolg des ersten Teils ansetzen, wieder ein Lied kreieren, dass selbst Väter in blauen Ballkleidern zur Freude hier Töchter zum Tanzen bringt. Eine relevante Geschichte sollte es sein, in der starke Frauen im Fokus stehen, ja selbstbewusst ihren Platz im Leben definieren und das alte Bild der Prinzessinnen brechen.

All diese Ansätze sind richtig und wichtige Zutaten für einen weiteren großen Film. Leider werden wir mit Liedern überschwemmt, wovon nicht einer im Kopf bleibt. Und am Ende steht doch wieder eine große Liebe. Mehr noch zeigt DIE EISKÖNIGIN 2 keine neuen Impulse. Es geht wieder darum, seinen eigenen Weg zu gehen. Es geht wieder darum, seine Freunde nicht zu gefährden. Und natürlich geht es auch wieder darum, zu erkennen, wie wichtig Freunde und Familie sind. Dabei fehlt dem Film ein Kontrahent, eine große Herausforderung. Gezeigt wird stattdessen eine Reise ohne konkretes Ziel oder eine klare Linie. Und statt Antworten zu bieten, bleibt ein gigantischer Fragenkatalog:  

Wann erweckt Elsa die Geister? Warum greifen die Geister das Königreich überhaupt an? Warum kam es damals zum Konflikt der Völker? Wie wird Elsas Vater damals genau gerettet? Warum hört Elsa die Stimme? Was ist in all den Jahren im Wald passiert? Warum streiten sich die Schwestern ständig? Warum meint jeder ständig Alleingänge machen zu müssen? Wer hat sich diese teilweise äußerst belanglose Musik ausgedacht? Warum braucht die Story fünf Lieder, bis die Handlung endlich mal losgeht?

Selten einen Disneyfilm gesehen, der so offensichtlich mehr Musikvideo denn erzählte Handlung sein möchte. Würde man die Lieder streiche, käme die Geschichte auf eine Gesamtlänge, die in eine Folge GUMMIBÄRENBANDE auserzählt worden wäre. Keine Frage, das Bild, die Optik, die Präsentation von DIE EISKÖNIGIN 2 ist großartig. Fotorealistisch wäre in manchen Szenen sogar eine untertriebene Bezeichnung der Bilder. Doch was nützt die schöne Szene, wenn ihr Inhalt so sehr hinkt?

Okay: Olaf ist witzig und auch Sven hat seine Momente. Die Kinder werden ihre Freude haben, auch wenn die Handlung große Lücken aufweist. Der Film weiß sie gut zu kaschieren. Auch die Lieder haben gemeinsam mit den Bildern ihre Wirkung. Aber spätestens, wenn Christoph zu seiner Ballade ansetzt, nimmt sich der Film nicht mehr ernst. Vielleicht möchte uns DIE EISKÖNIGIN 2 auf ihre Metaebene genau das sagen: „Ihr bin eine ironische Fortsetzung, eine Parodie auf mich selbst.“ Wenn das wirklich das Ziel war, Chapeau! Auftrag erfüllt.

DIE EISKÖNIGIN 2 ist seit dem 26.03.2020 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

Bewertung:

banane_ranking_2.5

Quelle: Pressematerial Disney
© Disney

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