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DIE EISKÖNIGIN 2 (2019)

Frostig-schlappes Wald-Musical in High Definition

Eine Regel im Filmgeschäft besagt, dass auf einen kommerziellen Erfolg immer eine Fortsetzung folgt. Eine andere Regel prophezeit, dass die Fortsetzung nur selten an das Original herankommt. DIE EISKÖNIGIN beweist beide Regel par excellence und enttäuscht damit auf vielen Ebenen.

INHALT

Elsa und Anna könnten als Schwestern ein glückliches Leben in ihrem Königreich haben. Doch eine Geschichte aus der Vergangenheit holt sie ein: Ein Kampf mit einem benachbarten, naturverbundenen Volk sorgte einst für eine tiefe Spaltung. Erzürnt über diesen Konflikt erhoben sich die vier Elementargeister Wasser, Feuer, Luft und Wind und schotteten das Waldreich von dem Königreich ab. Das ist viele Jahre her.

Durch ein Versehen erweckt Elsa die Geister wieder und bedroht dadurch ihr Reich. Eine Stimme, die nur die Eiskönigin hört, weist ihr den Weg, um das drohende Unheil abzuwenden. Gemeinsam mit Anna, Schneemann Olaf, Rentier Sven und Schwager in Spe Christopher reist Elsa zum verborgenen Wald…

FAZIT

DIE EISKÖNIGIN 2 ist wirkt wir ein unfertiges Produkt, bei dem die falschen Schwerpunkte bereits in der Konzeption gesetzt wurden. Klar ist, man wollte krampfhaft an den Erfolg des ersten Teils ansetzen, wieder ein Lied kreieren, dass selbst Väter in blauen Ballkleidern zur Freude hier Töchter zum Tanzen bringt. Eine relevante Geschichte sollte es sein, in der starke Frauen im Fokus stehen, ja selbstbewusst ihren Platz im Leben definieren und das alte Bild der Prinzessinnen brechen.

All diese Ansätze sind richtig und wichtige Zutaten für einen weiteren großen Film. Leider werden wir mit Liedern überschwemmt, wovon nicht einer im Kopf bleibt. Und am Ende steht doch wieder eine große Liebe. Mehr noch zeigt DIE EISKÖNIGIN 2 keine neuen Impulse. Es geht wieder darum, seinen eigenen Weg zu gehen. Es geht wieder darum, seine Freunde nicht zu gefährden. Und natürlich geht es auch wieder darum, zu erkennen, wie wichtig Freunde und Familie sind. Dabei fehlt dem Film ein Kontrahent, eine große Herausforderung. Gezeigt wird stattdessen eine Reise ohne konkretes Ziel oder eine klare Linie. Und statt Antworten zu bieten, bleibt ein gigantischer Fragenkatalog:  

Wann erweckt Elsa die Geister? Warum greifen die Geister das Königreich überhaupt an? Warum kam es damals zum Konflikt der Völker? Wie wird Elsas Vater damals genau gerettet? Warum hört Elsa die Stimme? Was ist in all den Jahren im Wald passiert? Warum streiten sich die Schwestern ständig? Warum meint jeder ständig Alleingänge machen zu müssen? Wer hat sich diese teilweise äußerst belanglose Musik ausgedacht? Warum braucht die Story fünf Lieder, bis die Handlung endlich mal losgeht?

Selten einen Disneyfilm gesehen, der so offensichtlich mehr Musikvideo denn erzählte Handlung sein möchte. Würde man die Lieder streiche, käme die Geschichte auf eine Gesamtlänge, die in eine Folge GUMMIBÄRENBANDE auserzählt worden wäre. Keine Frage, das Bild, die Optik, die Präsentation von DIE EISKÖNIGIN 2 ist großartig. Fotorealistisch wäre in manchen Szenen sogar eine untertriebene Bezeichnung der Bilder. Doch was nützt die schöne Szene, wenn ihr Inhalt so sehr hinkt?

Okay: Olaf ist witzig und auch Sven hat seine Momente. Die Kinder werden ihre Freude haben, auch wenn die Handlung große Lücken aufweist. Der Film weiß sie gut zu kaschieren. Auch die Lieder haben gemeinsam mit den Bildern ihre Wirkung. Aber spätestens, wenn Christoph zu seiner Ballade ansetzt, nimmt sich der Film nicht mehr ernst. Vielleicht möchte uns DIE EISKÖNIGIN 2 auf ihre Metaebene genau das sagen: „Ihr bin eine ironische Fortsetzung, eine Parodie auf mich selbst.“ Wenn das wirklich das Ziel war, Chapeau! Auftrag erfüllt.

DIE EISKÖNIGIN 2 ist seit dem 26.03.2020 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney
© Disney

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