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DAS PERFEKTE GEHEIMNIS (2019)

„Führt die Wahrheit zu was Gutem?“

Erst vor kurzem hat die deutsche Komödie DER VORNAME (2018) die Zuschauer und die Filmkritik begeistert. Die kammerspielartige Screw-Ball-Comedy mit thematisch interessanten Diskussionen, Tiefsinn, exaktem Timing und hervorragenden Schauspielern kam der Perfektion so nahe wie kaum ein anderer deutscher Film in den letzten Jahren.

DAS PERFEKTE GEHEIMNIS fährt nun in demselben Fahrwasser und ähnelt DER VORNAME in vielerlei Hinsicht. Auch er legt den Fokus auf ein dialoglastiges Kammerspiel mit grandiosen Schauspielern – und kann damit überzeugen! So ein Film steht und fällt mit den Schauspielern. Der Cast ist erstaunlich: Karoline Herfurth, Elyas M‘Barek, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring. Diese Truppe schafft es, Authentizität zu schaffen und kleine Schwächen im Drehbuch aufzufangen.

INHALT

Sieben Freunde treffen sich zum gemeinsamen Abendessen. Die vier Männer sind seit der Schulzeit die besten Freunde, die drei Frauen (der Anhang der Männer) gehören mittlerweile zur Clique dazu. Kurz vor dem Essen kommt eine Spielidee auf: Jeder legt sein Smartphone offen auf den Tisch. Alle Nachrichten werden laut vorgelesen, alle eingehenden Bilder gezeigt und alle Anrufe auf Lautsprecher gestellt.

Widerwillig stimmt einer nach dem anderen zu. Natürlich haben alle Beteiligten Geheimnisse, die besser nicht rauskommen sollten – mal größerer, mal kleinerer Natur. Doch jetzt kommt alles – irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Tisch. Nach und nach kommen die geheimen Hintergründe heraus. Jetzt ist die Frage, wie gut die Beziehungen der Freunde zueinander und zu ihren Frauen sind. Halten sie die unangenehme Wahrheit aus?

FAZIT

Die Ausgangsidee (übrigens zuerst im italienischen Film PERFETTI SCONOCIUTI umgesetzt, DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist nur das deutsche Remake) ist recht simpel. Umso schöner ist es, dass sie klug umgesetzt wurde. Es werden einige Themen und Probleme angesprochen (die aus Spoilergründen hier nicht näher beleuchtet werden sollen). Manchmal wirkt der Film fast schon überladen. So manch gelüftetes Geheimnis hätte schon allein genug Konfrontation für einen ganzen Spielfilm geboten, hier werden Dutzende solcher Probleme abgehandelt. Doch stört diese Vielzahl an angesprochenen oder nur kurz angeschnittenen Themen nicht. Zum einen wegen der grandiosen Schauspieler, die ausnahmslos überzeugen. Sie wirken dagegen, wo das Drehbuch etwas zu schnell ist oder zu viel will. Zum anderen aber auch, weil die Lüftung der Geheimnisse klug vorbereitet werden und Missverständnisse und Täuschungen nochmal weitere Spannungselemente hinzufügen.

Jeder kennt es, wenn in einer Gruppe etwas gesagt wird, das eine Linie überschreitet, und die Stimmung plötzlich kippt. Diese unangenehme Atmosphäre stellt DAS PERFEKTE GEHEIMNIS mehrfach absolut authentisch dar, vor allem dank der Leistung der Schauspieler. Dieses Unwohlsein überträgt sich schnell auf den Zuschauer, sodass er nicht ruhig in seinem Sessel sitzt, sondern fast durchgehend eine Angespanntheit spürt – was aber nicht daran hindert, bei den zahlreichen gelungenen Gags laut und vielleicht auch etwas erlöst zu lachen.

In mehreren Kritiken zum Kinostart wurde der Komödie Schwulenfeindlichkeit unterstellt, was wirklich absurd ist. Diese Kritiken konnten offensichtlich nicht unterscheiden zwischen Aussagen, die die Figuren tätigen, und Aussagen, die der Film macht. Das ist aber ein gewaltiger Unterschied. DAS PERFEKTE GEHEIMNIS positioniert sich ganz klar. Auf beeindruckende Weise stellt er die Macho-Männer bloß, die sich selbst als tolerant und aufgeklärt sehen, durch ihr Schwuchtel- und Tucke-Gerede aber zeigen, dass sie genau das nicht sind. In jedem schwelen eine latente Homophobie und klischeehafte Vorurteile, übrigens auch in einer der Frauen. Sehr schön zeigt die Komödie, wie die Figuren selbst ihre Homophobie abstreiten und wahrscheinlich wirklich nicht wahrnehmen, wie sie aber auf denjenigen wirkt, der betroffen ist. Damit spricht sich der Film klar dafür aus, dass jeder auch sein eigenes Gerede, seine eigenen Gedanken prüfen sollte. Wer dem Film Homophobie unterstellt, hat ihn offensichtlich nicht verstanden.

So hervorragend DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist – so witzig, gesellschaftskritisch, klug, pointenreich, echt – so bedauerlich ist es, dass er nicht weiß, wann er enden sollte. Am klügsten wäre es gewesen, den Abspann zu bringen, sobald die Figuren nach dem Spiel die Wohnung verlassen haben. Doch die Komödie führt ihre Handlung unnötigerweise noch zehn Minuten weiter fort und torpediert sich dabei selbst. In diesen letzten Filmminuten macht der Film alles zunichte, was er vorher so gelungen aufgebaut und errichtet hatte. Die getroffenen Aussagen werden ad absurdum geführt, indem zugunsten eines unglaubwürdigen Happy Ends die Macho-Kultur, die zuvor zurecht bloßgestellt wurde, plötzlich als Lösung der Probleme dargestellt wird. Außerdem ist die Annahme, dass die Männer, die solch tiefgreifende Vertrauensbrüche ihrer Kumpels erfahren haben, danach wieder Best Friends werden, ziemlich naiv. Selten hat man sich so über einen katastrophal misslungenen Schluss geärgert.

DAS PERFEKTE GEHEIMNIS ist als Blu-ray und DVD erhältlich. Die Extras fallen von der Quantität sehr erfreulich aus: Outtakes, behind the Scenes, Extended Scenes, Interviews, ein Audiokommentar und Trailer. Die einzelnen Clips könnten allerdings länger und informativer sein.

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Constantin Film

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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