Filmkunst auf der WEEKEND OF HELL 2016 in Oberhausen

Im Gespräch mit Independent-Künstler Louis Norense

Jedes Jahr öffnet die Turbinenhalle in Oberhausen die Pforten für Liebhaber des Horrorgenres aus aller Welt. Dabei begeistern die Veranstalter mit einer ordentlichen Portion Stars and Blood, die sich wirklich sehen lassen kann: Neben Sean Patrick Flanery (DER BLUTIGE PFAD GOTTES) oder James Remar (DJANGO UNCHAINED) war im diesen Jahr sogar die Regie-Legende John Carpenter (HALLOWEEN/ THE FOG/ THE THING) an Bord. Das Wochenende nach Halloween (5.+6. November) sollte es diesmal sein, und so nahm ich mir die Zeit, der WEEKEND OF HELL am letzten Tag einen kurzen Besuch abzustatten.

Nicht nur die Star- Area war interessant, sondern auch die unglaublich vielen Stände, die nahezu alles an Filmen zu bieten hatten, die das Cineasten- Herz begehrt. Auch Unmengen an Cosplayern zeigten, was sie draufhaben, und begeisterten die Besucher mit beeindruckenden Kreationen und Imitationen. Gerne mehr davon.

Ziemlich weit hinten in der Filmbörsen-Halle wühlte ich mich durch einen der Stände, auf denen mir eine geniale Zeichnung von einem der wohl coolsten Anime-Charaktere der Geschichte auffiel: Afro Samurai.

Manga-Badass: Afro Samurai, gezeichnet von Louis Norense

„Hi, I’m Louis.“ Gleich wurde ich vom Künstler persönlich begrüßt, der auch gerade an einem anderen Sketch von Undisputed-Kämpfer Yuri Boyka arbeitete. Aus einem einfachen Kauf sollte sich ein cooles Gespräch entwickeln, in dem mir Louis einen höchst interessanten Einblick in seine Arbeit gab.

Louis stammt ursprünglich aus Nigeria und lebt in Holland. Er ist Illustrator, Artist und Character Designer – und zwar alles auf einmal. Dass sich auf seinem Tisch auch Bilder von Charakteren fanden, die selbst mir als Film- und Comicnerd nichts sagten, erklärte sich schnell: Er arbeitet auch an eigenen Comics mit völlig eigenständigen Charakteren.

World of Warcraft meets Herr der Ringe: Louis‘ eigener Ork.

Eigentlich arbeitet er an gleich drei eigenen Comics, die 2017 erscheinen sollen. Zwei der drei Werke zeichnet er, den Dritten schreibt er sogar selbst. AREA 48 (Ja, richtig! Die Area 51 gibt’s nämlich gar nicht!) heißt der Comic, an dem er momentan mit einem Freund schreibt. Die anderen beiden, ASYLUM und BLINDSIDED BY LIFE, erscheinen sogar in wenigen Monaten.

Es ist Louis deutlich anzumerken, dass es ihm gar nicht um große Absatzzahlen oder Fame geht, denn er spricht über seine Arbeit wie jemand, der sich leidenschaftlich mit Gleichgesinnten über andere Werke unterhält. Er ist selbst Fan, der einigen beliebten Charakteren aus Film und Fernsehen seinen eigenen Stempel aufdrückt.

Killer-Pikachu

Mein Lieblings-Comiccharakter ist der unglaubliche Hulk. Ich mag diesen Typen sehr. Superman mag ich eigentlich auch. Spider Man darf ich nicht vergessen.“ Das kennen wir doch alle. Kaum hat man einen genannt, darf man die anderen aus Respekt nicht vergessen. Wer Batman mag, nennt den Joker gleich im selben Atemzug. Gerade als ich ihm die nächste Frage stellen will, schießt er noch hinterher. „Oh verdammt, ich habe Captain America und Ant-Man vergessen. Die sind cool.“

Der unglaubliche Hulk in einer unglaublich guten Zeichnung.

Er sieht sich selbst noch als den Künstler, der sich gerade erst entfaltet. Mit großer Bescheidenheit begrüßt er jeden Besucher an seinem Stand, verkauft seine Bilder zu Preisen, die locker dreimal so hoch sein könnten, und niemand hätte gemeckert. Doch das kommt für ihn nicht in Frage. Denn Träumen sollte schließlich nicht teuer sein.

Und so kommt einmal wieder die Erkenntnis, dass Kunst nicht das Brot, sondern der Wein des Lebens ist.

In Zeiten von Marvel- und DC-Verfilmungen gehören Comichelden zum Alltagsgeschäft. Gerade die eingefleischten Fans erfreuen sich immer mehr Gleichgesinnten, die sich, inspiriert von den Blockbustern, langsam aber sicher dem Kern der Sache zuwenden: Detailliert gezeichnete Figuren und Bilder, die jederzeit als Gemälde durchgehen könnten. Dazu Geschichten, die ein eher erwachsenes Publikum ansprechen. Beides versprechen Louis‘ Werke. Wer Lust auf unabhängige und vor allem reife Comics hat, sollte diesen Künstler definitiv im Auge behalten.

Folgt Louis auf Instagram: www.instagram.com/louisnorense/

von Salih Yayar

Fotos: Salih Yayar
Zeichnungen: Louis Norense

Salih Yayar

Salih Yayar

Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
Salih Yayar

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