VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA (1972)

Western-Klamauk mit Terence Hill

Der Name Enzo Barboni dürfte den meisten kaum bekannt sein. Eingefleischte Bud Spencer und Terence Hill-Fans kennen den Regisseur allerdings sehr gut: unter dem Namen E. B. Clucher. Er hat viele Filme mit dem italienischen Kult-Duo gedreht, etwa ZWEI AUSSER RAND UND BAND (1976), ZWEI BÄRENSTARKE TYPEN(1983) und VIER FÄUSTE GEGEN RIO (1984). Wer diese Filme kennt, kann sich vorstellen, wie es in der Westernkomödie VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA zugeht.

Clucher drehte sie kurz nach seinen Erfolgen mit den beiden Spencer/Hill -Filmen DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1970) und VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA (1971). Terence Hill hat er wieder in der Hauptrolle besetzt. Für Bud Spencer gab es keinen passenden Part. Und so ist VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA ein Spencer/Hill-Film – nur eben ohne Bud Spencer.

INHALT:

Der junge, adelige Brite Joe (Terence Hill) ist ein echtes Greenhorn im Westen. Er sucht die ehemalige Bande seines Vaters. Dessen alte Gaunerfreunde Bull (Gregory Walcott), Monkey (Dominic Barto) und der Prediger (Harry Carey Jr.) sollen aus Joe nämlich einen echten Kerl machen. Er trifft sie auch recht bald, erkennt sie aber nicht, weil sie maskiert sind – und die Postkutsche ausrauben, in der Joe sitzt.

Als sie sich kurz darauf offiziell kennenlernen, stößt Joes Kultur bei den drei Westernern auf Unverständnis – tägliches Waschen, Fahrradfahren und Ameisenkunde, damit können die Haudegen nichts anfangen. Umgekehrt versteht auch Joe deren Lebensweise nicht ganz, etwa als sie ihm schießen, reiten und prügeln beibringen wollen. Dabei kann Joe das gut gebrauchen, denn die Frau, in die er sich verguckt hat, hat einen gewalttätigen Verehrer.

 

FAZIT:

„Das ist ein Mädchen, wenn die ihr Holzbein abnimmt, dann rappelt‘s im Karton.“ – Es sind solche Sätze, mit denen VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA regelmäßig Lacher garantiert. Der Film besteht hauptsächlich aus Witz und Komik. Er nimmt sich nicht ernst, er ist albern und voller Klamauk und hat vor nichts und niemandem Respekt. Das passt hervorragend, wenn er die gängigen Konventionen des Westerngenres durchbricht oder einfach nur mit ihnen spielt: Ein Saloon von außen. Man hört schon, dass es darin zu Streit kommt und man weiß regelrecht, dass jeden Moment jemand aus dem Fenster fliegen wird. Genau das passiert auch. Aber wer fliegt aus dem Fenster? Eine zarte Frau in einem weiten roten Kleid. Es sind Szenen wie diese, die die Erwartungen des Zuschauers unterlaufen und die typischen Westernszenen sympathisch variieren.

Wenn die drei Revolverhelden mit ihren Pferden durch die Prärie reiten und vor ihnen Greenhorn Joe auf seinem roten Fahrrad mit Körbchen und Hupe vorausfährt, wird der Western schlicht und einfach durch den Kakao gezogen – auf ziemlich alberne Weise, zugegeben. Aber diese Albernheiten kennt man ja von den Spencer/Hill-Filmen genügend, vor allem in den Hau-Drauf-Actionszenen. Damit spart auch VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA nicht. Running Gags gibt es ebenfalls dutzende, die sich durch den kompletten Film ziehen: die herrlich komischen Diskussionen über die Wochentage oder das Vermöbeln zweier böser und hart erscheinender Kopfgeldjäger.

Doch leider hat VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA auch diese Längen, die es in einigen Spencer/Hill-Filmen gibt. Dass der Film sich immer viel Zeit lässt, ist in einigen Szenen zwar von Vorteil, doch oft genug eben auch nicht. Da ziehen sich die Minuten eher zäh dahin.

Erstaunlich (und auch erfreulich) ist der merkwürdig melancholische Schluss, der nicht mehr dem albernen restlichen Kontext des Films folgt, sondern auffällig ernst und ohne jede Ironie das Ende des Westens (und des Westerns) zeigt. Diese Schlussszene ist fast schon traurig und rührend. Für einen klamaukigen Film dieser Art ein gewagtes Ende.

Für Freunde der Spencer/Hill-Filme dürfte VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA genau das richtige sein. Und sie werden viele bekannte Gesichter aus den anderen Filmen entdecken (etwa Riccardo Pizzuti oder Yanti Somer). Denn wie schon gesagt: Eigentlich hat man mit VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA einen klassischen Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Film. Wer also so einen Film schon mal gesehen hat, weiß, was einen hier erwartet.

Der Film erscheint am 10.08.2017 auf Blu-Ray und ist unter anderem mit zwei Featurettes im Bonusmaterial sehr gut ausgestattet.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Koch Media 2017

Produkte von Amazon.de

Merken

Merken

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

Letzte Artikel von Benjamin Wirtz (Alle anzeigen)

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: