UM KLASSEN BESSER (2012)

Die DVD-Kritik.

INHALT:
Mutter Jamie Fitzpatrick (Maggie Gyllenhaal) hat zwei Jobs und trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Die Bildung ihrer Tochter Malia (Emily Alyn Lind) ist der alleinerziehenden Mutter Jamie daher das wichtigste auf der Welt. Denn so wir ihr soll es Ihrer Tochter später nicht gehen. Da Malia zudem an Leseschwäche leidet bedarf die kleine jedoch mehr Hilfe als der normale Unterricht nach Lehrplan hergibt. So besteht die Gefahr in diesem verkorksten Schulsystem auf der Strecke zu bleiben. Als die Situation an der Schule jedoch immer schlimmer wird und immer mehr Kinder Probleme haben, ergreift Jamie die Initative und nimmt den Kampf mit dem scheinbar übermächtigen Bildungssystem auf. Ihr Plan: Ein neues Gesetz erlaubt es unter sehr schweren Auflagen, dass Eltern zusammen mit Lehrern die Schule übernehmen können und damit selber für eine bessere Bildung sorgen.

Zusammen mit der ambitionierten Lehrerin Nona Alberts (Viola Davis), die ebenfalls mit Ihrem Sohn Cody (Dante Brown) einige Probleme beim lernen hat, kämpft sich Jamie durch den bürokratischen Dschungel des Bildungssystem. Gegen den Unwillen der anderen Eltern und Lehrer an der Schule riskieren die beiden Frauen alles für eine anständige Ausbildung ihre Kinder. Ihnen gegenüber stehen jedoch nicht die Bildungsämter oder der Staat an sich, sondern vielmehr die Lehrergewehrschaft, der das Wohl der Lehrer wichtiger scheint, als die Zukunft der Kinder…

FAZIT:
Leg Dich niemals mit einer bildungshungrigen Mutter an: Das ist die Lehre, die das Bildungssystem aus dem Film UM KLASSEN BESSER ziehen soll. Ein Mann für gefühlvolle Dramen nahm sich der schwerwiegenden Thematik um schlechte Bildung und Ungleichbehandlung an und zeichnete ein Bild über die Kehrseite des westlichen Fortschritts. Als Drehbuchautor und Regisseur setzte Daniel Barnz auf ein seichtes Anecken mit dem amerikanischen Bildungssystem, dass keinem wehtut und doch für ein Gefühl kurzzeitiger Ungerechtigkeit bei dem Zuschauer sorgt.

Das größte Problem in der Thematik von UM KLASSEN BESSER ist, dass das Thema ein altes Bekanntes ist. Umso schlimmer ist es, dass sogar immer noch Filme (DANGEROUS MINDS – WILDE GEDANKEN; 1995/ 187 – EINE TÖDLICHE ZAHL; 1997) darüber gemacht werden müssen, damit sich vielleicht etwas ändern könnte. Jedoch bleibt der große Schockmoment beim Zuschauer genauso aus, wie er sich die Wut über soziale Ungleichheit spart.

Denn leider, leider vergleicht sich der Film UM KLASSEN BESSER gerne und ausgiebig mit Oscar-prämierten Kinoerfolgen, wie THE BLIND SIDE – DIE GROßE CHANCE (2009) und ERIN BROCKOVICH – EINE WAHRE GESCHICHTE (2000). Trotz der vielen wirklich guten Ansätze und der zugegebenermaßen lobenswerten Wahlthematik, kommt UM KLASSEN BESSER jedoch nur im Ansatz an die beiden Meisterwerke heran.

Vor allem die Rolle der Jamie, gespielt von Maggie Gyllenhaal (SECRETARY; 2002/ THE DARK KNIGHT; 2008/ CRAZY HEART; 2009) kratz an der emotionalen Oberfläche. Immer einen guten Spruch auf den Lippen, bleibt der obligatorische, tiefe Fall der engagierten Mutter, bis auf ein zweimaliges, apathisches Gesicht, völlig aus. Zu perfekt ist ausgerechnet die Rolle der Mutter ohne Ausbildung angelegt – der Filmaffe nimmt dem Film diese Rolle einfach nicht ab! Die zwanghaft, obendraufgesetzte Liebesaffäre mit einem Lehrer, gespielt von Oscar Issac wirkt zudem nicht nur klischeehaft, sondern ist auch eine unnötige Nebenhandlung, die den eigentlich Fluß des Films stört.
Keine Frage ist Maggie Gyllenhaals Darstellung in den Grenzen Ihrer Rolle toll und durchaus zu loben, wenngleich manchmal eine zu große Nähe zu Lauren Graham als Lorelai Victoira Gilmore auffällt. Aber die wahren Schwächen sind dem zu plakativen Drehbuch geschuldet und dürfen der Schwester von Jake Gyllenhaal nicht angelastet werden.

Der wahre Held von UM KLASSEN BESSER ist deswegen Viola Davis (OUT OF SIGHT; 1998/ TRAFFIC; 2000/ KNIGHT AND DAY; 2010) als nachdenkliche Lehrerin Nona Alberts, die nicht nur im Kampf mit dem eigenen Berufsstand steht, sondern neben ihrem Sohn mit Lernstörung auch noch mitten in einer Scheidung steht. Als stiller, realistischer Gegenpart zur schrillen Mutter Jamie rettet Viola Davis UM KLASSEN BESSER aus dem Dasein des belanglosen Austauschbaren heraus und hievt den Film zurück in Richtung unterhaltsamer Feelgood-Komödie mit dem Potential für einen pädagogisch-spaßigen, nachmittäglichen Familientag mit relevanter Aussage.

So tut UM KLASSEN BESSER weder weh, noch wirklich gut. Und doch gibt der Film von Daniel Barnz dem Zuschauer das Gefühl etwas Richtiges geschaut zu haben. Ob Kind, Lehrer oder Affe, der Filmaffe hingegen verlangt gleiche Chancen für alle Wesen auf der Erde. Empörung über Ungerechtigkeit katalysiert in eine, wenngleich witzige und spritzige Komödie mit einem wirklich anhörlichen Soundtrack, reicht daher nicht aus, die Welt zu ändern. Wer sich also für dieses eigentlich brisante Thema interessiert, der sollte sich nicht nur auf die beiden Power-Frauen aus UM KLASSEN BESSER verlassen, sondern selber gegen die Regeln handeln und seinen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen. Und wenn der Film UM KLASSEN BESSER genau dieses Gefühl bei Euch ausgelöst hat, dann hat er schon mehr gewonnen als er durch seiner teilweisen Belanglosigkeit verloren hat.

Ab heute (26.07.2013) ist das witzige Drama mit realen Bezug UM KLASSEN BESSER auf DVD und BLU-Ray im Handel erhältlich. Reinschauen ist nicht verkehrt, völlig ignorieren hingegen schon!

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Bildquelle: Pressematerial Polyband

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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