THE WAILING – DIE BESESSENEN (2016)

Kunstvoller, koreanischer Horrorfilm mit Längen

Na Hong-jin, Regisseur des spannungsgeladenen Thrillers THE CHASER (2008), der auch in Deutschland bei Publikum und Kritik recht erfolgreich war, liefert mit THE WAILING – DIE BESESSENEN seinen dritten Langfilm ab – lang in der Tat: für seine 156 Minuten muss man Zeit mitbringen. Dafür wird man auch belohnt – aber nicht nur…

INHALT:

Der ängstliche und etwas trottelige Jeon Jong-gu (Kwak Do-won) ist Polizist in einem kleinen, ländlichen Ort. Bei mehreren Einsätzen treffen er und seine Kollegen auf seltsame Personen, die verrückt geworden zu sein scheinen. Sie sind sehr aggressiv, schreien lauthals, haben weiße Augäpfel und einen merkwürdigen Hautausschlag. Untersuchungen ergeben, dass angeblich giftige Pilze die Ursache sind, doch die Polizisten wollen da nicht recht dran glauben.

Diese Vorfälle sollen irgendetwas mit einem in der Nähe hausenden Japaner zu tun haben, sagen zumindest die Leute. Viele glauben, dass er ein Geist ist, ein böser Geist. Jeon Jong-gu ignoriert das Gerede, bis er eine Vision hat. Und kurz darauf zeigt eine nahe Angehörige dieselben Symptome wie die Verrückten.

FAZIT:

Der Trailer verspricht einen rasanten, lauten Knaller. THE WAILING ist aber ganz anders. Er ist nicht in erster Linie an Schock und Grusel interessiert. Zwar gibt es immer wieder heftige und intensive Szenen, in denen sich die Atmosphäre verdichtet, doch die Spannung nimmt danach meist wieder ab, wenn langsame, ruhige Momente folgen. Ein Hauch von TWIN PEAKS weht ab und zu durch den Film, wenn darüber gesprochen wird, wie der böse Geist von den Menschen Besitz ergreift und sie sich ihm nach anfänglichem Wehren ergeben. In diesen Momenten ist THE WAILING stark. Doch es lässt sich nicht leugnen, dass er zwischen diesen Momenten immer wieder Längen aufweist. Die ein oder andere Szene hätte man wohl weglassen oder kürzen können – oder auch ein paar mehr.

Der Film ist nichts für jemanden, der einen schnellen, einfachen Kracher sucht. Das ist THE WAILING sicher nicht. Für ihn muss man Zeit und Geduld mitbringen, wird dabei immer wieder belohnt, denn ein paar Wendungen im Plot haben es in sich. Vor allem die letzte halbe Stunde ist rätselhaft interessant. Doch man wird nicht nur zufriedengestellt. Abgesehen von den eher langweiligeren Passagen wiederholen sich in der zweiten Hälfte des Films auch häufig die Motive. Man scheint sich im Kreis zu drehen und hat nicht das Gefühl, Neues gezeigt zu bekommen. Auch hätte man sich gewünscht, dass die ruhige Inszenierung, die sich viel Zeit lässt, eine stärkere, intensivere Atmosphäre aufbauen würde.

Vor allem ärgert man sich über die oft dümmlichen Handlungen mancher Figur. So finden die Polizisten in einer Hütte belastbares Material, doch als der Besitzer der Hütte plötzlich eintritt, laufen sie schnell weg – nur um Tage später wiederzukommen, um das Material zu holen und den Mann zu verhaften. Der hat die Sachen bis dahin natürlich verbrannt. Solche nicht nachvollziehbaren Taten findet man häufiger: Wieso reißt man auf freier Straße das Steuer rum, wenn man plötzlich keine Sicht mehr hat, anstatt einfach normal zu bremsen?

THE WAILING ist kein schlechter Film. Man braucht für ihn Zeit und Geduld. Und selbst dann kriegt man nicht nur Positives zurück. Der koreanische Horrorfilm ist ab dem 23.02.2018 auf DVD, Blu-ray und als limitiertes Mediabook erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Pierrot Le Fou

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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