THE SHANNARA CHRONICLES – Staffel 1 (2016)

Spitzohrig-postapokalyptische Fantasy-Saga aus dem Hause Amazon

Die von Amazon produzierte Serie THE SHANNARA CHRONICLE stellt die Genrewelt auf dem Kopf und verbindet klassische Fantasy-Elemente mit einer postapokalyptischen Erde, in der Elfen, Gnome und Trolle regieren. Warum an der Serie zwar nicht alles stimmt, sie als Ganzes jedoch stimmig ist, erfahrt ihr in meiner Filmkritik.

INHALT:

Die Welt, wie wir sie kennen, ist für die Wesen der neuen Erde ein Mythos aus einer längst vergessenen Vergangenheit. Die großen Metropolen der Menschen sind überwuchert von Pflanzen und vergiften von den Strahlen der Bomben. Neue Städte wurden von den neuen Herrschern der Erde errichtet. Die Mächtigsten von ihnen sind die Elfen von Pykon mit ihrem König Eventine Elessedil (John Rhys-Davies). In den Wäldern herrschen die letzten Menschen, die oft als Banditen umherziehen. In anderen Gebieten, die verseucht durch radioaktive Strahlung sind, leben die großgewachsenen und gewalttätigen Trolle oder die von den Elfen unterdrückten und sich nach Freiheit und Anerkennung sehnenden Gnome.

Will (Austin Butler), ein Halbelf, bricht nach dem Tode seiner Mutter aus seinem Heimatdorf auf, um Heiler zu werden. Doch er ahnt noch nicht, von welchem Blute er abstammt: Denn sein Vater war ein mächtiger Kämpfer mit magischen Fähigkeiten – Fähigkeiten, die auch in ihm stecken. Nur der wieder zum Leben erweckte Druide Allanon (Manu Bennett) erkennt sein Potential und die Gefahr, die herannaht.

Wil trifft auf seinem Weg die Elfenprinzessin Amberle (Poppy Drayton) und die Banditin Eretria (Ivana Baquero). Ein wackliges Bündnis vereint sie, denn ihre Welt ist in großer Gefahr: Der Ellcrys, der große alte Baum im Zentrum des Elfenreichs, verliert seine Blätter und droht zu sterben. Und mit jedem fallenden Blatt entkommen mehr Dämonen aus der Verbannung und fallen über die Erde her.

Die einzige Rettung: die drei müssen den Samen des Ellcrys zum Blutfeuer nach Sichermal bringen, um den Zyklus zu erneuern und Baum wieder zum Leben zu erwecken. Keine leichte Aufgabe, denn der Dagda Mor (Jed Brophy), der Herr der Dämonen spinnt bereits seine Intrigen und setzt seine besten Kämpfer darauf an, die Gruppe zu verfolgen.

FAZIT:

Ich muss zugeben, dass ich zunächst wirklich sehr skeptisch an die Serie heranging und eigentlich kein großer Fan von Fantasyserie bin, die sich mit unserer realen Welt verbinden. Vor allem der Hype von Gruselmärchenserien wie GRIMM, ONCE UPON A TIME oder SLEEPY HOLLOW konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Dennoch war ich neugierig schaute mir die ersten Folgen von THE SHANNARA CHRONICLES, einem Amazon Original, an. Und was soll ich sagen: So schlecht war dann doch nicht alles – absolut rund war es jedoch auch nicht.

Sie weist alles auf, was so eine Serie braucht und auch gut machen kann: Intrigen, Heldenreise, eine Welt in Gefahr, böse Mächte, alte Geheimnisse, ein schönes und düsteres Setting und Charaktere, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann. In der Tradition von HERKULES, XENA oder neueren Serien, wie LEGEND OF THE SEEKER, wird eine überzeichnet-fantastische Welt aufgebaut, in die man sich verlieren kann, wenn man sich auf diesen ungewöhnlichen Stil einlässt.

Und vor allem dieser Stil und das Setting sei zunächst gelobt. Denn der Mut, klassische Fantasy-Elemente mit einer realen Postapokalypse zu verbinden ist zwar nicht absolut neu, aber der Serie ist es gelungen, ihren eigenen Stil und eine glaubwürdige Welt zu kreieren. Und das ist für so eine Serie schon mal die halbe Miete.

Und auch die Bewohner dieser futuristisch-fantastischen Welt sind trotz der geringen Mittel interessant: Wie haben rebellische, clevere (und sehr hässliche) Gnome, hochentwickelte (wenngleich geistig rückwärtsgewandte) schöne Elfen, klobige Steampunk Trolle und Horden von Menschen, die irgendwo in dieser neuen Welt versuchen, sich selbst eine neue Heimat zu schaffen – und dabei ihren eigenen Ursprung ergründen. Diese Konstellationen in THE SHANNARA CHRONICLES bieten viel Erzählfläche und bringen eine Menge Tiefe, die leider bisher nur angekratzt wurde. Aber zum Glück befinden wir uns ja hier noch am Anfang einer Serie.

Und damit kommen wir auch zu den kleinen Stolpersteinen in THE SHANNARA CHRONICLES: Denn das, was am meisten nervt, ist nicht etwa die doch sehr gradlinige und vorhersehbare Handlung, um einen jungen Mann, der in die Welt hinauszieht und in einen Rassenumgreifenden Konflikt gerät, sondern seine on/off-Beziehungen zu zwei Frauen. So eine obligatorische Liebesstory darf zwar irgendwie nicht fehlen. In dieser Serie äußert sie sich aber als hochgradig komplizierte Dreiecksbeziehung, die der eigentlichen Handlung keinen wirklichen Mehrwert gibt. Und wenn es darum geht, dass man das Band der drei Helden aus jeweils anderen Welten verbindet, darstellen wollte, so hätte das auch auf rein freundschaftlicher Eben erzählt werden können. Es wäre sogar noch erwachsener und glaubwürdiger gewesen.

Auch die Welt, die davon lebt, gezeigt und bereist zu werden, hinkt in ihrer mikrokosmischen Darstellung. Allzu oft wirken die Burgen und Ruinen wie dreckig-designte Kulissen. Im Vergleich zu GAME OF THRONES oder VIKINGS fehlt hier die ein oder andere Kamerafahrt nach oben in den Himmel und eine Weite zu erzeugen, die der Welt in THE SHANNARA CHRONICLES gerecht werden würde. Aber vielleicht fließt in die zweite Staffel ein Wenig mehr Budget hinein, um auch den Makrokosmos aufleben zu lassen statt sich durch plumpe CGI-Fahrten über (hübsch-)gerenderte Elfenschlößer zu begnügen.

Der Reise durch undurchdringliche Wälder und Stadtruinen, die einen großteil der Handlung von Staffel eins einnehmen, merkt man ihre Hürden und Hindernisse an. Mehrere Tage (und Folgen) braucht die Gruppe, um an ihr Ziel zu kommen. Umso erstaunlicher ist es, dass zum finalen Showdown ausgerechnet der Rückweg ein Katzensprung zu sein scheint, obwohl man doch durch das selbe Gebiet wie auf den Hinweg reisen muss – und das ist nur einen von mehreren Logiklöchern, in denen sich die Serie verfranzt.

Und das krönende Staffelfinale kommt ebenso plötzlich, wie die Helden zurückkehren. Ein paar mehr Folgen hätten an dieser Stelle wohl doch gutgetan. Positiv ist hingegen ein sehr nette Cliffhanger am Ende der Staffel, der meine Aufmerksamkeit hat. Mit anderen Worten: Trotz dieser kleinen Schwächen, ist der Einstand von THE SHANNARA CHRONICLES gelungen.

Wer auf Fantasyserien steht, die weder besondere Tiefe erzeugen noch viel Anspruch abverlangen, für den ist die kurzweilige Serie THE SHANNARA CHRONICLES das richtige. Die elf Folgen der ersten Staffel stehen auf Amazon Prime zum Abruf bereit und laufen seit dem 10.05.2016 jeden Dienstag um 22.15 Uhr auf RTL 2.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Amazon Prime 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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