THE LIVING AND THE DEAD (2016)

Unsere kleine Farm auf eine Horror-Metaebene

THE LIVING AND THE DEAD war ein Zufallsfund auf Amazon Video. Die Miniserie, die gerade einmal sechs Folgen lang ist, erzählt von einer tragischen Familiengeschichte und von gruseligen Geistererscheinungen auf einer Farm in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Hierzulande ist diese BBC-Serie noch nahezu unbekannt, was wirklich sehr schade ist, denn THE LIVING AND THE DEAD versteht es, Drama und Horror auf innovative Weise miteinander zu verbinden.

INHALT:

1894: Nathan Appleby (Colin Morgan), ein junger, angesehener Psychologe, kehrt nach Jahren mit seiner Frau Charlotte (Charlotte Spencer) auf die Farm seiner Eltern zurück. Nach dem Tod seiner Mutter muss er sich entscheiden, ob er die Farm verkaufen oder weiterführen möchte. Auf Wunsch seiner Frau behält das unerfahrene Ehepaar die Farm.

Zwar sind die Arbeiter froh darüber, dass die Farm in der Familie bleibt, doch mit den neuen Leitern kehrt auch der Fortschritt ein. Moderne Maschinen werden angeschafft und alte Traditionen umgekrempelt. Das gefällt nicht allen Arbeitern, zumal die gesamte Region gedanklich noch im Mittelalter versunken ist und Aberglaube dessen Leben bestimmt.

Als sich mit der Ankunft der Applebys auch noch mysteriöse Phänomene und Geistererscheinungen häufen, ja gar Menschen unglücklich sterben, steht für die Anwohner bald fest: Der junge Abbleby bringt nichts Gutes mit sich. Ein Fluch herrscht über dem Land.

Was hat es mit den Geistern auf sich? Und wer ist diese geheimnisvolle Frau mit dem leuchtenden Buch?

FAZIT:

THE LIVING AND THE DEAD ist ein wirklicher Glücksgriff und echter Geheimtipp: In der Horror-Dramenserie werden Aberglaube und Wissenschaft einander gegenübergestellt. Es geht um die Verknüpfung von Lebenden und Geistern, genauso wie es um das einfache Leben auf eine Farm am Ende des 19. Jahrhunderts geht. Das alles mag zunächst nicht neu klingen. Doch der Stil von THE LIVING AND THE DEAD ist besonders:

Am Anfang zeigt sich die Geschichte in ockerfarbenen Landschaften und wirkt wie ein Drama, in dem sich ein junges Großstadtpaar wider Willen zu Gutsherren werden und sich gegenüber ihren skeptischen Mitarbeitern behaupten müssen. Doch sehr schnell kehren die Geister in die Geschichte ein. Ganz in Gothic Horror-Manier werden diese mit Jump Scars und im schemenhaften Halbdunkeln präsentiert. Blut fließt dabei selten. In den richtigen Momenten wird die Kamera weg-geschwenkt. Vielmehr setzt die Serie auf den Schockmoment und der berührt in THE LIVING AND THE DEAD tiefer als jeder Blutlache jemals könnte.

Unheimlich schweigsam und stets unerwartet sowie rätselhaft erscheinen die Geister und bringen scheinbar stets Unglück über die Farm. Für die Bewohner, die sehr am Aberglaube alter Zeit festhängen, sind solche Erscheinungen nicht überraschend und doch immer erschreckend. Abbleby hingegen, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, ist Skeptiker und versucht logische Erklärungen zu finden. Dies gelingt zunächst. Doch schon bald steht er am Ende seiner Antworten und ist also Psychologe bald gar selbst dem Wahnsinn nahe.

Dabei ahnt man zunächst noch nicht, worauf die Geschichte zuläuft. Fast glaubt man, dass es sich um die Geister der einzelnen Folgen um Weekley Monster handelt. Doch sie alle stehen in einer engeren Verbindung zueinander. Diese wird in der letzten Folge aufgelöst.

Es sind also mehrere Geschichten, die erzählt werden. Diese reichen von besessen Mädchen, über fünf kleine, verschmutzt und zerlumpte Jungen bis hin zu einer Hexe, die von den Farmern verfolgt wurde. Doch in THE LIVING AND THE DEAD sind nicht nur die Geister böse. Vielmehr offenbart die Serie, von wem wirklich der Hass und Zorn ausgeht, der das Land verflucht hat.

Denn die Farm ist von Geheimnissen und Sünden getränkt: Wir erfahren, dass Nathan Appleby einen kleinen Jungen hatte, der im Fluss unglücklich ertrunken ist. Wir erfahren auch, dass Appleby mit seiner neuen Frau bisher erfolglos versucht, ein Kind zu bekommen. Aber wir erhalten auch viele Informationen über die Arbeiter. Auf gruselige Weise holt die Vergangenheit jene Bewohner der Region plötzlich nach und nach wieder ein, zieht sie gar in den Tod.

Besonders einfallsreich ist die Idee von der Frau mit dem leuchtenden Buch. Hier treffen sich nicht nur Jenseits und Diesseits, sondern auch Zukunft und Vergangenheit. Ein Rätsel, auf das ich nicht weiter eingehen möchte, da es den überraschenden Twist der Serie darstellt. Nur soviel: Diese Metaebene bringt einen frischen Wind ins Horrorgenre und macht zu einem großen Teil auch den Reiz an der Geschichte aus.

THE LIVING AND THE DEAD ist eine komplexe und kompakte Serie mit einem schönen Stil aus romantischem, aber hartem Farmleben und schaurigen Geisternächten. Die Figuren werden detailliert und schlüssig auserzählt und Besetzung, wie Ausstattung sind stimmig. Da die Miniserie nur sechs Folgen lang ist, ist auch die Geschichte entsprechend dicht erzählt. Jede Folge ist etwa eine Stunde lang. Es passiert überraschend viel in den sechs Stunden, aber keine Szene ist zu wenig oder zu viel.

Wer Gruselhorror, im Stil von DIE FRAU IN SCHWARZ (2012) oder DIE VERFLUCHTEN (1960), mag, der sollte auch in diesen Geheimtipp mal einen Blick werfen. THE LIVING AND THE DEAD steht derzeit bei Amazon Video für Prime Mitglieder kostenlos zum Abruf bereit und ist seit dem 30. Juni 2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Polyband 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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