THE BALLAD OF LEFTY BROWN (2017)

Gewöhnliche Genre-Kost

Ein Mord, ein Mann, der Rache will, und eine Spur, die es zu verfolgen gilt, und zwar vor einer wunderschönen Landschaftskulisse – das braucht es für einen Western. Für einen guten Western allerdings braucht es mehr, das zeigt THE BALLAD OF LEFTY BROWN. Er hat zwar u.a. mit Bill Pullman, Jim Caviezel und Peter Fonda einen für einen Indie-Western beeindruckenden Cast zu bieten, doch dadurch enttäuscht es umso mehr, dass er sich an allzu Bekanntes hält.

THE BALLAD OF LEFTY BROWN bietet nichts Neues: nichts, was man nicht auch in den diversen Genre-Beiträgen der letzten Jahre gesehen hätte: in (dem misslungenen) DIE LEGENDE DES BEN HALL, in IN A VALLEY OF VIOLENCE, DAS DUELL, THE KEEPING ROOM, BRIMSTONE oder in der Netflix-Serie GODLESS. Das Beste, das THE BALLAD OF LEFTY BROWN zu bieten hat, ist die ungewöhnliche Heldenfigur: Lefty Brown.

 

INHALT:

Seit über vierzig Jahren arbeitet der 63-jährige Lefty Brown (Bill Pullman) für den legendären Cowboy und zukünftigen Senator Edward Johnson (Peter Fonda), mit dem ihn auch eine enge Freundschaft verbindet. Lefty ist etwas dümmlich und ungeschickt, aber treu und loyal. Auf einem alltäglichen Ausritt über die Ranch wird Johnson von einem Viehdieb (Joe Anderson) erschossen, Lefty Brown wird leicht verletzt.

Nachdem Lefty den Leichnam zu Johnsons Frau und Freunden gebracht hat, schwört er auf Rache. Er macht sich auf, den Mörder zu fangen und zu töten. Tom (Tommy Flanagan), ein alter Freund von Lefty und Johnson, reitet ihm hinterher, um ihn aufzuhalten – schließt sich ihm nach kurzer Überredungskunst Leftys aber an, ebenso wie der junge Revolverheld Noah (Stephen Alan Seder).

Zuhause ändert sich derweil die Stimmung: Das Gerücht geht um, Lefty Brown sei der Mörder von Johnson…

FAZIT:

Die erste Einstellung ist visuell vielversprechend: In strömendem Regen, der den Boden in Schlamm aufgeweicht hat, fährt die Kamera bei Nacht auf einen Saloon zu. Es ertönt ein Schuss, ein Mann stolpert aus dem Gebäude und bricht vor der Kamera im Matsch zusammen. Diese Einstellung ist bildgewaltig und stimmungsvoll. Leider soll es die einzige Einstellung von solcher Qualität bleiben.

Denn die darauffolgenden 111 Minuten sind wenig innovativ. Nach der etwas zu langen Exposition, die die vorhersehbare Ausgangssituation des Western schafft, verläuft er sich in Genre-Klischees und oft Gesehenem, das er aber nicht mal ansehnlich und interessant darzustellen weiß. THE BALLAD OF LEFTY BROWN schafft es nicht, richtig Spannung aufzubauen. Viele Szenen sind voller belanglosem Gerede, das weder der Story noch der Figurenentwicklung oder -charakterisierung hilft noch eine sonstige Tiefe erreicht.

Das interessanteste an dem Western ist die Figur des Lefty Brown, toll dargestellt von Bill Pullman. Der etwas dümmliche, ungeschickte Alte wäre in klassischen Western ein typischer Funny Sidekick gewesen – eine Nebenfigur, die die Zuschauer immer wieder mal zum Lachen bringen soll. Es ist ein schöner Einfall, einmal eine solche Figur zur Hauptperson eines Western zu machen. Dabei ist es besonders interessant, sie nicht in einer albernen Parodie als Protagonist einzusetzen, sondern in einem Western, der sich ernst nimmt.

Leider bleibt das einer der wenigen guten Einfälle des Films. Daher ist THE BALLAD OF LEFTY BROWN insgesamt ein eher unbedeutender Genre-Beitrag, der schnell vergessen sein wird. Der Western der letzten Jahre hat besseres hervorgebracht.

THE BALLAD OF LEFTY BROWN ist seit dem 24.5.2018 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial EuroVideo

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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