SUCKER PUNCH (2011)

Eine Rockpop-Oper im Actionfrack

SUCKER PUNCH von Zack Synder gehört definitiv nicht zu den Glanzstücken in der Karriere des Regisseurs. Der bildgewaltige Steampunk-Film übersättigt das Nerdherz mit großen Robotern, Zombis, Orks und leichtbekleideten Frauen. Doch zu viel des Guten ist manchmal wirklich zu viel des Guten…

INHALT:

Babydoll (Emily Browning) hatte keine gute Kindheit. Als ihre Mutter starb, will sich ihr Stiefvater an ihrer kleinen Schwester vergehen. Sie kann es zwar gerade noch verhindern, doch durch einen Querschläger der Kugel, die ihrem Vormund galt, wird ihre Schwester getötet. Sie landet daraufhin in einer Anstalt für psychisch labile junge Mädchen.

Doch dieser Ort ist alles andere als ein Platz der Erholung, denn die Wärter haben ihr eigenes Verständnis von Heilung. Babydoll wird daher schnell klar, dass sie da raus muss. Um nicht durchzudrehen flüchtet sie in eine zweite Realität, in der die Anstalt ein Bordell geführt von anzugtragenden Mafiosis ist.

Sie schließt sich mit Rocket (Jena Malone), Sweet Bea (Abbie Cornish), Blondie (Vanessa Hudgens) und Amber (Jamie Chung) zusammen und plant die Flucht. Und obwohl die Mädchen Gefangene sind, wirken sie selten wie Opfer: Als leichtbekleidete Girls schießen sich durch zombiedeutsche Picklehauben mit Gasmaskenfressen, gehen auf Drachenjagd in einer orkverseuchten Festung und überfallen ein Zug, der von androidenförmige Cyberdronen bewacht wird. Im Tanz vesinkt dabei Babydoll in eine dritte Realtiät, die nach ihren Regeln geformt ist. Dort führt sie den Fluchtplan zum Erfolg…

FAZIT:

Regisseur Zack Synder ist bekannt für bildgewaltige CGI-Produktionen, doch tat er, mit 300 und WATCHMEN, bisher immer gut daran, sich an eine Vorlage zu halten. Mit SUCKER PUNCH hingegen wagte er sich an die Umsetzung von einem konzeptlosen Kauderwelsch. So ist der Film wahrlich bemüht das breite Spektrum der Filmeffekt im Ganzen abzudecken und lässt kaum Wünsche offen. Der Stil aus einer Symbiose von Film Noir und Steampunk passt dabei durchaus in unsere Zeit und sorgt für eine innovative Abwechselung zur Einheitsfilmjeans.

SUCKER PUNCH ist ein Actiondrama, das kein zweites GIRLS INTERRUPTED (1999) oder EINER FLOG ÜBER DAS KUCKKUCKSNEST (1975) sein wollte und deswegen eine zweite und dritte Realität erfinden musste, die obendrein anscheinend keinerlei Erklärung bedürften. Vielmehr werden tiefe psychische Abgründe dargestellt. Gewollt-philosophische Dialoge kratzen am Rande der Mittelmäßigkeit und geben dem Film einen aufgesetzten Anspruch, der zum Gesamtkonstrukt des Films nicht passt.

SUCKER PUNCH ist vielmehr eine Rockpop-Oper im Actionfrack. Doch ein Actionfilm, dessen Effekte im Laufe der Handlung abnehmen, hat sein Genre verfehlt. Denn der Film gewinnt anfangs an unglaublichen und auch angebrachten Tempo, verliert dieses aber sehr abrupt und zieht sich gegen Ende immer mehr in die Länge.

Der Soundtrack jedoch ist genial. Geprägt durch Björk und einer Mischung aus Elektropop und charmantschiefen Gesang sorgt dieser, gerade während der Poseraction zu Beginn des Films, für ein schmunzeln auf den Lippen des Zuschauers. Je weiter die Zeit voranstreitet, desto häufiger sollte man das Bild jedoch abschalten und einzig die Musik genießen.

Die Kritik zum nachhören:

Warum der Film nicht funktioniert? Weil er zu zu viel auf einmal sein wollte: Fantasy, Sience Fiction, Kriegsfilm, Western, Psychodrama, Thriller und Philosophischer Diskurs. So schön ein Riesensamurai mit Gatlingguns und Slowmo-Messerattacken auch aussehen mögen, so wenig kann ein Film erfolgreich sein, der mit sich selbst im Unklaren steht. Deswegen: Vergesst den Film und kauft den Soundtrack.

von Jörg Gottschling

Quelle: Pressematerial Warner Bros.

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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