SCHWARZ AUF WEIß #8: CASABLANCA (1942)

Schau mir in die Augen, Kleines?

„Schau mir in die Augen, Kleines?“ – Wusstet ihr, dass dieses sehr berühmte Zitat in diesem Wortlaut eigentlich gar nicht gesagt wurde? Eigentlich hieß der Satz „Ich seh’ dir in die Augen, Kleines!“ („Here’s looking at you, kid.“).

Für die, die es noch nicht gleich gemerkt haben, diesen Monat stelle ich den Filmklassiker CASABLANCA aus dem Jahr 1942 vor. Regie führte Michael Curtiz, in den Hauptrollen waren Humphrey Bogart, Ingrid Bergman und Paul Henreid zu sehen. Der Film vereinte Melodrama, Kriminalfilm und nicht zu vergessen, war ein Propagandafilm Hollywoods gegen den Nationalsozialismus.

Der Film spielt in Casablanca während des 2.Weltkriegs. In Ricks Café Americain treffen sich die Flüchtlinge Europas, die vor dem Nationalsozialismus fliehen wollen. Viele von ihnen wollen in die USA. Den Besitzer Rick Blaine (Humphey Bogart) bringt so schnell nichts aus der Ruhe, auch keine Schmiergelder. Das soll sich an dem Tag ändern, als eine alte Liebe wieder in sein Leben tritt. Ilsa Lund (Ingrid Bergman) kommt mit ihrem Mann, dem berühmten Widerstandskämpfer Victor Laszlo (Paul Henreid). Das verkompliziert Ricks Leben sehr. Die beiden kommen nämlich nicht alleine. Major Strasser (Conrad Veidt) ist ebenfalls nach Casablanca gekommen: Er will verhindern, dass Laszlo nach Amerika abreist. Nun steht Rick vor der Wahl: Hilft er den beiden bei der Flucht und verliert Ilsa erneut oder sorgt er dafür, dass sie in Casablanca stranden?

Was heute als eine große Liebesgeschichte zwischen den Charakteren von Bogart und Bergmann in Erinnerung ist, war als solche gar nicht geplant. Ursprünglich sollte die Beziehung von Ilsa Lund und Victor Laszlo im Vordergrund stehen. Wenn man allerdings Bogart besetzt, ist irgendwie ja klar, dass er den restlichen männlichen Cast gegen die Wand spielt. Für seine Rolle als Rick Blaine erhielt er dann auch seine erste Oscar-Nominierung. CASABLANCA wurde als bester Film, für die beste Regie und das beste adaptierte Drehbuch mit einem Oscar ausgezeichnet.

Nach Deutschland schaffte er es erst 1952. Das deutsche Kino konnte mit der klaren Propaganda zunächst nicht umgehen. Was dann letztlich zu sehen war, war eine gekürzte Fassung aus der jegliche Nazi-Referenzen gestrichen waren. Erst 1975 konnte man dann die Originalform sehen.

Casablanca ist bekannt für viele Dinge. Aber was heraussticht, waren die Dialoge, die bis heute zitiert werden. Da ist zum Beispiel das bereits erwähnte, aber meist falsch zitierte „Ich seh dir in die Augen, Kleines“. Etwas weniger bekannt, aber auch oft genutzt ist Bergmanns „Küss mich, küss mich als wäre es das letzte Mal“ oder „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen“ des Polizeichefs.

2002 wählte das American Film Institute CASABLANCA auf Platz eins einer Bestenliste der größten Liebesfilme. Aber wie bereits erläutert, war er viel mehr. Auch wenn die Propagandawirkung fraglich ist, unterscheidet er sich in einem Punkt ganz bedeutend von den Liebesfilmen Hollywoods, nämlich die realen Umstände am Set. Regisseur Curtiz war, wie einige andere Crew-Mitglieder Jude. Die Schauspieler Paul Henreid und Conrad Veidt verließen Deutschland aufgrund ihrer Haltung gegen den Nationalsozialismus. Außerdem waren viele der Schauspieler Juden, die geflüchtet waren. So mussten viele nicht weit gehen um die Emotionen spielen zu können, vertrieben und verfolgt zu sein. Um noch mehr für seine Kollegen zu tun, spendeten Curtiz und auch einige Schauspieler ein Teil ihrer Gage einer Organisation, die Flüchtlingen aus Branche in Hollywood unterstütze.

Ich mochte CASABLANCA schon seit dem Studium. Aber seit ich, durch meine Recherche auch die emotionale Hintergrundgeschichte erfahren habe, mag ich ihn noch ein bisschen mehr.

von Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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