SCHWARZ AUF WEIß #4: Buster Keaton

The Great Stone Face

Buster Keaton war einfach einzigartig. Und anstelle hier Charlie Chaplin zu würdigen, hebe ich lieber „The Great Stone Face“ heraus. Es ist nämlich leider so, dass sich so viele nicht mehr an den Mann mit der steinigen Mimik erinnern.

Die Komödie war eine der ersten Genres im Filmbereich. Sie war einfach und billig zu produzieren und kaum kontrovers. Buster Keaton kam aus der Welt des Vaudeville-Theaters. Seine Eltern traten erst alleine auf, aber schon 1896, wurde er mit neun Monaten mit auf die Bühne genommen, wobei die Sketche schnell daraus bestanden, Buster durch das Bühnenbild zu werfen. Das und die Tatsache, dass der kleine Buster dabei keine Miene verzog, brachte das Publikum zum Lachen. Dieser ernste Gesichtsausdruck zog sich durch seine ganze Karriere und verschaffte ihm seinen berühmten Beinamen.

1917 traf Buster den Filmkomiker Roscoe „Fatty“ Airbuckle und fing an in seinen Filmen aufzutreten. Keaton war in zahlreichen Kurzfilmen zu sehen und etablierte sich schnell. Er war ein Meister des Slapsticks. Er machte alle seine Stunts selber, auch wenn das bedeute, dass eine komplette Hausfront auf ihn kippte und es auf wenige Millimeter ankam, ob er erschlagen wurde oder der Gag klappte.

(das ist keine Special Effect!)

Buster konnte eine Vielzahl von verschiedenen Charakteren darstellen, während Chaplin sich auf den Charakter des „Tramps“ fokussierte. Keaton hatte durch seinen Gesichtsausdruck immer etwas Tragisches an sich, häufig auch noch mit der passenden, übergroßen Kleidung unterstrichen.

In STEAMBOAT BILL, JR traf er mit großem Anzug und einer kleinen Ukulele auf seinen Vater, der ein starker Seemann ist. Die Tatsache, dass Keaton so gar nicht dem Ideal eines richtigen Mannes entspricht, so unbeholfen und schwach, macht schon viel der Komik aus. Diese Methode wurde auch Jahrzehnte später noch genutzt. Woody Allens Charaktere fallen auch sehr häufig in dieses Schema. STEAMBOAT BILL, JR war auch der Film, in dem das Haus auf ihn fiel.

Sein größter Flop, der heute als eine der besten Filmkomödien aller Zeiten angesehen wird, ist THE GENERAL von 1926. Der Film spielt im amerikanischen Bürgerkrieg. Keaton ist ein Lokführer, der sich eigentlich der Armee anschließen möchte, um seiner Freundin zu gefallen. Er soll allerdings lieber weiterhin Züge fahren und verliert seine Freundin. Als seine Lieblingslokomotive, der „General“ gestohlen wird, begibt er sich auf eine Verfolgungsjagd auf Schienen.

Der Film war die teuerste Komödie der Stummfilmzeit. Das liegt vor allem daran, dass Keaton einen sehr hohen Anspruch hatte. Und so ließ er einen kompletten Zug tatsächlich von einer Brücke stürzen, ohne Modelle oder Effekte. Der Film war leider ein totales Desaster finanziell gesehen, er war seiner Zeit einfach zu weit voraus. Hier ist der Link zum kompletten Film, der Zug stürzt ein bei circa 1:05:15:

Die Filmindustrie war zwar Buster Keatons zu Hause aber sie ruinierte ihn auch. Er hatte zeitweise sogar seine eigene Produktionsfirma, wechselte später aber zu MGM. Dort hatte er aber kaum mehr künstlerische Freiheiten und musste sich zum Beispiel genau an die Drehbücher halten. Das zerstörte den sensiblen Buster. Er kämpfte lange mit seiner Alkoholsucht. Erst gegen Ende der 1930er Jahre fand er seinen Weg zurück und erhielt wieder Arbeit – sowohl im Film- als auch im Bühnenbereich. Und auch das Fernsehen interessierte sich für ihn. 1960 bekam er sogar noch einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. 1966 verstarb der große Buster Keaton an Lungenkrebs. Für mich bleibt er einer der größten Talente der schwarz/weiß Ära.

von Sarah Binder

Sarah Binder

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

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