Schwarz auf weiß 23: Edgar Wallace

„Hallo, hier spricht Edgar Wallace“. Wenn mir diese Stimme auf Kabel Eins entgegen schlug, wusste ich, dass es gut werden würde. Denn darauf folgte ein Abenteuer aus überzogenem Schauspiel, einem irren Klaus Kinski und Joachim Fuchsberger als attraktiver Kommissar.

Die Edgar Wallace Filme waren die ersten Krimis, die ich im Fernsehen gesehen habe. Sie sind nämlich eigentlich sogar recht kinderfreundlich. Das oder meine Eltern haben pädagogisch einige Fehlentscheidungen getroffen.

 

Edgar Wallace wurde 1875 in England geboren und wuchs in ziemlich ärmlichen Verhältnissen auf. Vielleicht ist die Armut in der Jugend auch der Grund dafür, dass er später in seinem Leben absolut nicht mit Geld umgehen konnte und weitaus mehr ausgab, als er einnahm. Wallace arbeitete zeitweise als Journalist, das brachte aber nicht genug Geld ein. Er wurde zum Krimi-Autor, weil er ahnte, dass er viel Geld damit verdienen konnte.

Er verfasste in seiner Laufbahn 175 Romane, 24 Theaterstücke und zahlreiche Kurzgeschichten, Essays, Artikel und auch Drehbücher. Als er als Autor bereits etabliert war, schrieb er meist nicht mehr selbst, sondern diktierte. Auf diese Weise konnte er an einem einzigen Wochenende einen ganzen Roman fertig stellen. Ein Vorteil dabei war, dass seine Krimis immer nach demselben Prinzip funktionierten. Die Geschichte begann mit der Tat, durch einen häufig maskierten Verbrecher. Im klassische „Whodunit“ Erzählmuster begab sich ein Kommissar oder Detektiv auf die Suche nach dem Täter. Auch stand hinter jeder Tat ein recht überschaubares Motiv wie Habgier oder Rache. Ein weiblicher Charakter durfte in dem Ganzen natürlich nicht fehlen. Es handelt sich dabei meist um eine junges naives Opfer, das vor dem Bösen beschützt werden musste und am Ende auch mal mit dem guten Kommissar zusammen kam. Der Zuschauer und auch die Protagonisten erfuhren erst am Ende, wer der Täter war. Gespickt mit ein paar keinen Überraschungen und etwas Humor durch kauzige Nebencharakter, war der perfekte Wallace Roman schnell fertig.

Was ich auf Kabel Eins sehen konnte, waren die in Deutschland produzierten Filme aus den Jahren 1959 bis 1972. Die erste Verfilmung im Auftrag von Constantin Film war 1959 DER FROSCH MIT DER MASKE, original von 1925. Der Film wurde ein großer Erfolg und man sicherte sich schnell die Rechte zu allen Wallace Romanen.

Insgesamt wurden 32 Wallace Filme mit den bereits erwähnten Darstellern produziert. Natürlich spielten nicht alle immer in allen Filmen mit. Eddi Arent zum Beispiel war mit insgesamt 23 Filmen am häufigsten in den Filmen zu sehen. Er verkörperte mal den Butler, einen schusseligen Polizei-Fotografen, Kriminalassistent und auch mal den Bösewicht. Ab DER BUCKLIGE VON SOHO aus dem Jahr 1966 wurden die Filme in Farbe gedreht und ließen in Qualität nach. Dazu kam, dass man sich nicht mehr an die Vorlagen hielt.

Ein Star der Filme war Klaus Kinski. Er spielte in insgesamt 17 Filmen mit, wobei DER RÄCHER sein erster Film in der Reihe war. Seine Rollen variierten. Er spielte mal Mörder, mal Opfer aber immer auch den Wahnsinnigen. Durch die Variation verwirrte Kinski die Zuschauer immer wieder. Kinski soll ein großer Choleriker gewesen sein und die Arbeit mit ihm sehr schwer. Aber er verlieh den Filmen immer eine besondere Note.

Mein Favorit ist DER HEXER. Er stammt aus dem Jahr 1964, Regie führte Alfred Vohrer. Darin findet die Sekretärin des Rechtsanwalts Maurice Messer heraus, dass dieser sein Geld mit Mädchenhandel verdient. Für diese Erkenntnis muss sie ihr Leben lassen. Doch die Tote war nicht irgendein Mädchen, sondern die Schwester des „Hexers“, ein gesuchter Krimineller, der sich nach Australien abgesetzt hatte. Scotland Yard muss sich nun ins Zeug legen, um dessen Selbstjustiz zu verhindern und noch dazu, ihn endlich zu fassen. Aber die junge Frau bleibt nicht das einzige Opfer und es wächst die Gefahr, dass der Hexer wieder davon kommt. Ein Grund, warum ich DER HEXER so mag, ist, dass Joachim Fuchsberg und Heinz Drache, beides Kommissare für Scotland Yard, hier zum einzigen Mal gemeinsam vor der Kamera ermitteln durften. Und Ja, es handelt sich hierbei um den Film, der später unter dem Titel DER WIXXER von Oliver Kalkofe parodiert wurde.

 

Wer mal wieder einen klassischen Krimi sehen möchte, der ohne übertriebene Grausamkeiten auskommt, ist mit egal welchem Edgar Wallace Film auf jeden Fall sehr gut aufgehoben.

Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
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