Schwarz auf weiß #16: I LOVE LUCY

Die Mutter aller Sitcoms

In einer Zeit, als Menschen sich noch in der Nachbarschaft zusammen gefunden haben, um gemeinsam TV-Serien zu schauen, gab es eine Serie, die erfolgreicher als alle anderen war. So erfolgreich, dass bis heute im amerikanischen Fernsehen Wiederholungen laufen. Ich rede natürlich von I LOVE LUCY. Die Serie war Vorreiter in so vielen Bereichen, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll. Zunächst aber erst einmal zur Handlung:

Lucy Ricardo (Lucille Ball) und ihr Mann Ricky (Desi Arnaz) leben zusammen in einem Apartment-Gebäude in New York. Ihre besten Freunde Fred Mertz (William Frawley) und Ethel Mertz (Vivian Vance) sind gleichzeitig ihre Vermieter. Ricky spielt in einer Band und auch das Ehepaar Mertz hat Erfahrung im Showbusiness. Lucy hegt den Traum, berühmt zu werden und aus ihrer Welt der Ehefrau und Mutter ein Stück weit auszubrechen. Dabei eröffnet sich aber immer wieder das Problem, dass sie eher wenig Talent aufweisen kann. Die Versuche stellen Ricky mehr als einmal bloß. Ihre tollpatschige Art sorgt jedoch beim Publikum für Lacher und am Ende kehrt Lucy immer wieder zurück zu ihrer Rolle (Sie wird Mutter in Staffel 2).

Wenn man I LOVE LUCY nur oberflächlich betrachtet, ist die Serie aus dem Jahr 1951 ziemlich sexistisch. Ständig muss Ricky das Chaos, welches von seiner Frau verursacht wurde, wieder in Ordnung bringen und sie zu Recht weisen. Sie kann nicht mit Geld umgehen und ist durch und durch chaotisch. Außerdem landet sie am Ende doch immer wieder zu Hause und am Herd, egal wie sehr sie sich anstrengt, es im Showbusiness zu schaffen. Aber schon alleine die Handlung ist vielschichtiger, als zunächst angenommen. Es geht um ein Ehepaar, bestehend aus einer Amerikanerin und einem Kubaner, die sich aus einer kleinen Wohnung in der Stadt zu einem Haus in den Vororten hocharbeiten. Außerdem dreht sich eine Folge darum, wie die Männer mit den Frauen Rollen tauschen und merken, wie hart es sein kann Hausfrau zu sein. Das war für die 50er Jahre eine Neuheit.

Was I LOVE LUCY außerdem so besonders machte, war Lucille Ball selbst. Sie besaß zusammen mit ihrem ersten Ehemann Desi Arnaz (der auch Ricky spielte) die Produktionsfirma Desilu, von der die Serie produziert wurde. Noch dazu setzen sie durch, dass sie viele Autoren aus ihrer Radiosendung MY FAVORITE HUSBAND mitbringen konnte, auf Basis derer I LOVE LUCY überhaupt erst möglich gemacht wurde. Weiterhin war I LOVE LUCY einer der ersten Serien, die auf 35mm Film und von mehreren Kameras vor einem Studiopublikum gedreht wurde. Dazu kam es, weil Ball und Arnaz nicht in New York drehen wollten.
Damals wurden allerdings fast alle TV-Sendungen dort produziert, wegen der technischen Gegebenheiten der TV-Ausstrahlungen. Aus diesem Grund musste man sich technisch etwas einfallen lassen. Kameramann Karls Freund kam zusammen mit Desi Arnat schließlich auf die Lösung, drei Kameras zu nutzen und auf Film aufzunehmen. CBS willigte in dieses kostspielige Unterfangen nur ein, als Arnaz und Ball erheblichen Gagenkürzungen zustimmten. Zudem hatte der Sender lange Probleme einen Sponsor zu finden. Schließlich erklärte sich der Tabak-Riese Philip Morris bereit, das Ganze zu finanzieren. Daher sieht man den Cast außerdem häufig rauchen. Insgesamt gab es sechs Staffeln, die zwischen 1951 und 1957 produziert wurden und immer zu den meistgesehenen Serien gehörten.

Auch der Cast war für die damalige Zeit skandalös. Desi Arnaz war Einwanderer aus Kuba; dem Sender CBS wäre ein Amerikaner lieber gewesen. CBS glaubte nicht, dass solch ein Paar authentisch sein könnte, obwohl Lucille Ball und Desi Arnaz auch Off-Screen verheiratet waren. Ein weiteres Problem war, dass Lucille während des Drehs schwanger wurde, was von den CBS Chefs nicht gern gesehen war. Die erste Schwangerschaft wurde nicht in die Serie eingearbeitet, als Ball jedoch bald darauf erneut schwanger war, entschied man sich, Lucy ebenfalls schwanger sein zu lassen. Aber das Wort schwanger galt als vulgär und durfte nicht genutzt werden. Die erste Schwangerschaft führte zu einer weiteren Neuheit, die heute aus dem Fernsehen nicht mehr weg zu denken ist: der Wiederholung. Während Balls Mutterschaftspause, wiederholte der Sender Episoden, um die Zuschauer bei Laune zu halten, bis die nächste Staffel gedreht werden konnte.

I LOVE LUCY ebnete den Weg für viele technische, personelle und kreative Aspekte der TV-Welt. Noch dazu produzierte Lucille Ball noch weitere Lucy-spezifische Serien. Leider scheiterte die Ehe zwischen Lucille Bal und Desi Arnaz, sie blieben aber zeitlebens Freunde und im TV werden sie wohl für immer das perfekte Ehepaar bleiben.

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Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
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