Schwarz auf weiß #12: 12 UHR MITTAGS (1952)

Die Geschichte eines Mannes, der zu stolz war, um davon zu laufen

Was haben Filme wie HIGH NOON, UP und 127 HOURS miteinander gemeinsam? Man denkt vermutlich erst einmal Nichts. Das habe zumindest ich gedacht. Doch als ich 2011 in Los Angeles in einem Filmworkshop saß, wurde ich eines Besseren belehrt. Die Erzähltechniken in Hollywood haben sich nämlich seit dem Western aus dem Jahr 1952 und dem Animationsfilm von 2009 kaum verändert.

Man kann bis auf die Minute genau sagen, wann sich Wendepunkte in der Geschichte ergeben. Die Charaktere werden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeführt und nahe dem Ende kommt es zum entscheidenden Wendepunkt. Nur weil der Film jedoch einem bestimmten Schema folgt, ist er noch lange nicht schlecht. Ganz im Gegenteil. Er ist sogar einer der besten Westernfilme.

An diesem Tag im Sommer 2011 habe ich zum ersten Mal HIGH NOON oder 12 UHR MITTAGS gesehen. Und damit auch das erste Mal die berühmte Grace Kelly auf der Leinwand bewundern können, im Zusammenspiel mit der Hollywood-Legende Gary Cooper. Obwohl der Film eher wenig Budget zur Verfügung hatte, war er ein solider Erfolg an den Kinokassen und erhielt vier Oscars.

HIGH NOON spielt in Echtzeit, beginnend um 10:30 Uhr und endet mit dem Showdown um 12 Uhr. Der Marshall Will Kane heiratet die junge Amy. Da seine neue Gattin Quäkerin ist, will er sein Amt und damit auch seine Waffe niederlegen und der Stadt den Rücken kehren. Sein Nachfolger soll am nächsten Tag in Hadleyville ankommen und das Amt antreten.

Sein neu gewonnenes Glück nimmt jedoch ein jähes Ende als er erfährt, dass der Kriminelle Frank Miller mit seiner Bande auf dem Weg in die Stadt ist um sich am ihm zu rächen; Kane hat ihn ein paar Jahre zuvor ins Gefängnis gebracht. Alle Anwesenden drängen ihn die Stadt zu verlassen, was er zunächst auch tut, jedoch kehrt er schnell zurück. Er will seine Stadt schützen, bevor sie wieder von Banditen übernommen wird. Seine neue Frau unterstützt ihn nicht in seinem Vorhaben und droht, die Stadt zu verlassen.

Nicht nur Amy möchte, dass er die Stadt verlässt, auch sonst findet er keine Verbündeten im Kampf gegen die Gruppe. Lediglich ein Junge und ein Greis wollen ihm helfen, aber deren Hilfe lehnt er ab. Trotz ihrer Ablehnung zur Gewalt, entscheidet sich Amy noch um und kehrt zurück, um ihrem Mann zur Seite zu stehen. Gemeinsam schaffen sie es die Mitglieder der Bande zu erschießen.Als alles vorbei ist und die Stadtbewohner aus ihrem Löchern kommen, um ihn zu feiern, wirft Kane ihnen den Sheriff-Stern vor die Füße und verlässt endgültig die Stadt.

In HIGH NOON sucht man nach vielen typischen Western-Elementen vergebens. Der Protagonist ist nicht der furchtlose Held, der am Ende über alles triumphiert. Coopers Stern am Hollywoodhimmel war zum Zeitpunkt des Films bereits am Sinken. Er nahm für eine Gewinnbeteiligung sogar ein signifikant geringeres Gehalt an, um die Rolle zu spielen und nahm an Proben teil, zu denen er nicht einmal verpflichtet war. Noch dazu quälten ihn mehrere Leiden und eine Trennung. Aus diesen Gründen wirkte sein Charakter angeschlagen und müde. Das kam den Machern aber sehr gelegen, denn genau so wollten sie Kane porträtieren. Heraus kam ein Mann, der so viel für eine Stadt gegeben hat und am Ende alleine und verlassen da steht.

Ein weiteres typisches Merkmal für einen Western ist der übertriebene Einsatz von Gewalt. Hier scheint sie eher etwas zu sein, was Kane widerwillig und gezwungener Maßen einsetzt. Er hat seine Waffe eigentlich bereits abgelegt und muss sie nur für seinen letzten Kampf noch einmal aufnehmen.

HIGH NOON / 12 UHR MITTAGS ist ein Klassiker der Filmgeschichte. Noch dazu ist der die erste bedeutende Filmrolle für eine junge, manchmal etwas steif wirkende Grace Kelly. Es wurden in der Handlung auch immer wieder Parallelen zur damaligen politischen Situation unter McCarthy gefunden. Man munkelt, dass er aus diesem Grund auch den Oscar für Besten Film nicht gewonnen hat. DIE GRÖßTE SCHAU DER WELT von Cecil B. DeMille gewann an dessen Stelle. DeMille war ein Unterstützer von McCarthy.

Und zum Abschluss noch ein kleiner Fun-Fact, weil ich ein großer Fan der Serie bin: Der Charakter Sam, gespielt von Harry Morgan, hat den Namen Mildred. Später verkörperte Morgan Sherman Potter in der Serie M*A*S*H und hatte eine Frau, ebenfalls genannt Mildred.

von Sarah Binder

Sarah Binder

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: