SCHWARZ AUF WEIß #1: Grau matiert & tonlos zum Anfang des Films

Zwei Männer, einer groß und dick und einer klein und schmächtig, fliehen aus dem Gefängnis. Nach einer kleinen Odyssee und Verfolgungsjagd landen sie auf einer Baustelle. Ein Polizist verfolgt sie. Die beiden befinden sich auf dem Rohbau eines Hochhauses. Durch ein Missgeschick fällt ein Sack hinunter, der Polizist, der sie verfolgt, kann ausweichen und flüchtet sich in einen Aufzugschacht. Die beiden steigen ahnungslos in den Aufzug, fahren hinunter und zerquetschen augenscheinlich den Polizisten. Aber weit gefehlt. Der eigentlich normal gewachsene Mann steigt als Kleinwüchsiger aus dem Schacht heraus.

Das ist kurz zusammengefasst die Handlung aus einer Stan und Ollie Kurzfilm von 1929 namens LIBERTY. Die frühen Komödien setzten auf Slaptstick. Heute sorgt so ein Gag höchstens noch wegen seiner Geschichte für Lacher. Sie mussten noch ohne Ton auskommen und so war diese Form der überschwänglichen Körper- und Situationskomik ein gutes Mittel, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen.

Die Komödie ist eines der frühesten Genres in der Filmwelt. Die ersten Filme überhaupt waren eher dem Dokumentarischen zuzuordnen. Was genau der erste Film war ist schwer zu sagen, je nachdem auf welchen Historiker man hört. Der Grund dafür ist, dass verschiedene Filmtechniken von unterschiedlichen Personen gleichzeitig entwickelt wurden. Der Film ARBEITER VERLASSEN DIE FABRIK von den Gebrüdern Lumiére wird aber an vielen Unis als der „Ur-Film“ angesehen. Zu sehen darin war ein Fabrikeingang aus dem Menschen herausströmten.

Seit 1985 hat sich viel getan in der Filmwelt. Erst kam der Ton dazu, dann die Farbe, dann 3D, dann verschwand 3D, dann kam es wieder. Heute hat man manchmal den Eindruck, viel gibt es nicht mehr zu erreichen. Wenn ich auf meinem täglichen Weg zur Arbeit an einem Kinoriesen vorbei gehe und die Plakate sehe, die mal wieder eine Marvel-Verfilmung zeigen, eine Neuverfilmung der tragischen Anne Frank-Geschichte, ein Remake eines Klassikers oder ein Sequel/ Prequel von was auch immer, frage ich mich manchmal, ob es keine neuen Geschichten mehr zu erzählen gibt. Man bedenke, dass die Geschichte dieses Medium erst etwa 120 Jahre alt ist. Im Gegensatz zur Literatur ist das ein Augenblick.

Versteht mich nicht falsch, ich mag auch das heutige Kino. Gerade das Jahr 2015 hat gezeigt, dass mit BIRDMANBOYHOOD oder DAS GRAND BUDAPEST HOTEL das Kino sehr wohl in der Lage ist, neue Geschichten und Erzählweisen zu liefern. Die traurige Wahrheit bleibt, dass viele gute, künstlerisch hochwertige Filme, an der Kinokasse meistens gegen den neuen Schweighöfer Film verlieren, sei dessen Handlung auch noch so flach.

Das alte Kino, vor dem Aufkommen des (weit verbreiteten) Farbfilms, hat für mich aber etwas sehr Besonderes. Sowohl auf der Seite der Darsteller, wie auch Regisseure fallen Namen im Zusammenhang mit dieser Epoche, die bis heute unvergessen sind. Anfang des 20. Jahrhunderts natürlich Charlie Chaplin und Buster Keaton, die ehemaligen Vaudeville-Stars, die Komik auf die Leinwand brachten. Der große Orson Welles zu dem man nicht viel mehr außer „Rosebud“ sagen muss. Billy Wilder, Alfred Hitchcok und so viele vor und nach ihnen.

Diese Rubrik widmet sich also schwarz-weiß Filmen. Ganz alten, neuen und denen dazwischen. Selbst Filme, die aus ästhetischen Gründen schwarz/weiß sind wie THE ARTIST (2011), finden hier ihren Platz. Dabei möchte ich nicht chronologisch vorgehen, sondern Themen-mäßig, was gerade so anfällt.

Mein erstes Thema wird sich mit dem Kino der 30er und 40er Jahre befassen. Im Moment verhalten sich viele Menschen so, als ob vor nicht allzu langer Zeit viele Deutsche nicht selbst mal auf der Flucht vor Krieg und Tod waren. In Hollywood fanden einige ihren Platz und machten es zu dem, was es heute ist: REFUGEES WELCOME – DAS HOLLYWOOD DER 30ER und 40ER JAHRE.

von Sarah Binder

Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
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