SANTA CLARITA DIET – Staffel 1 (2017)

Mama mampf Menschen

SANTA CLARITA DIET heißt die neue Netflix-Serie, in der Mutti, gepielt von Drew Barrymore, plötzlich zum Zombie wird und die Familie auf unkonventionelle Futtersuche gehen muss. Chaos ist in der Kleinstadt ist dabei vorprogrammiert. Das Klingt nach viel Blut und schwarzer Humor. Und tatsächlich wurde meine Erwartungshaltung vollends erfüllt. Mehr in meiner Kritik zur ersten Staffel.

INHALT:

Das Leben der beiden Immobilienmakler Sheila (Drew Barrymore) und Joel (Timothy Olyphant) könnte eigentlich gar nicht harmonischer Laufen. Seit der Highschool, in der die beiden eines der beliebtesten und coolsten Pärchen waren, sind sie zusammen. Eine gemeinsam Tochter Abby (Liv Hewson), die gerade in ihrer rebellischen Phase ist, runden ihr Glück ab. Doch die Fassade bröckelt, denn alles wirkt etwas eingefahren und eintönig.

Dies ändert sich, als Sheila sich eines morgens während einer Hausbesichtigung vor den Interessenten die Seele aus dem Leib kotzt. Kaum einen Tag später entwickelt sie einen Heißhunger auf rohes Fleisch. Noch denkt niemand an etwas böses, doch als dann jedoch der neue Immobilienmakler und Konkurrent Gary West (Nathan Fillion) aus einem Affekt heraus zur Speise von HHH wird, ist allen Familienmitglieder klar: Etwas stimmt mit Mama nicht.

Joel sucht nach einem Heilmittel und weiht den Nachbarsjungen und passionierten Nerd Eric (Skyler Gisondo) mit ein. Eine Lösung scheint jedoch kompliziert bis unmöglich. Doch der Hunger treibt an und die Lust auf Menschenfleisch ist kaum noch zu bremsen. Neue Jagdgründe müssen erschlossen werden. Am besten sollen nur schlechte Menschen dran glauben. Die zu finden ist gar nicht so leicht. Erst recht schon dann nicht, wenn links und rechts vom Wohnhaus Polizisten leben…

FAZIT:

Nun, was lässt sich über eine Serie sagen, die geradezu nach Aufmerksamkeit schreit? Immerhin springt SANTA CLARITA DIET mit einem fetten Bauchplatscher auf den Trendzug auf und bedient sich unverblümt an offensichtliche Versatzstücken aus dem momentane Zombie-Hype und beendeten Serie wie DEXTER und TARAS WELTEN. Das ganze wird mit einer vermeintlich normalen Familie wortwörtlich garniert, die natürlich nicht nur neben einem, sondern gleich zwischen zwei Polizeibeamten wohnt.

Diese wiederum sind sich zum Glück spinne Feind. So ist doch der coole Afroamerikaner Rick (Richard T. Jones) beim Police Department, während der hitzköpfige Mexikaner Dan Palmer (Ricardo Chavira) bloß Sheriff ist. Dreimal darf man raten, wer von den beiden spitzohrig den seltsamen Geschehnisse in seiner Nachbarschaft auf den Grund geht: Richtig, ausgerechnet der Sheriff. Diese Idee der rivalisierenden Cops ist eine urkomische Sidestory mit einem selten besprochenen Thema. So ist der einzige andere Film, in dem die Rivalität zum Ausdruck kommt, der Thriller COPLAND – jedenfalls meines Wissens.

Aber wieder zurück zu SANTA CLARITA DIET. Denn auch eine andere Grundkonstellation gefällt: Die Tatsache, dass beide Elternteile wohl mal zu den ganz Coolen der Highschool gehörten und nun ein sehr langweiliges, wenn auch mehr oder minder erfolgreiches Leben führen. Diese Vergangenheit ist wichtig für den weiteren Handlungsverlauf, denn in den Eltern liegt eine kriminielle Ader verborgen, die mit einer eiskalten Sachlichkeit einhergeht. Trotz der angespannten Lage, dass Mama nun ein Zombie ist, versuchen beide stets die Kontrolle zu bewahren und Lösungen zu finden. Und einige von diesen schockieren.

Denn schwarzer Humor ist in SANTA CLARITA DIET nicht nur ein Stilmittel, sondern ein bitterböses Leitmotiv, dass jede Sekunde in den bisherigen zehn Folgen bestimmt. Zynisch spielen die Eltern auf ihre Beutezügen die Rowdy-Karte aus, die mutmaßlich einst gegen Highschool-Außenseiter eingesetzt haben, und pflügen (allzu oft etwas holprig und stümperhaft) mit ihrem neuen erzwungenen „Hobby“ die gesamte Kleinstadt „Santa Clarita“ um.

Der Verhaltenswandel, der sich bei der Zombiemama einstellt, ist dabei so impulsiv, extrovertiert und direkt, dass die Lebensgeister im Eheleben neu erweckt werden und auch dem Freundeskreis ganz neue Impulse verleiht. Hier erinnern wir uns an „Friedhof der Kuscheltiere“, wo das süße Kätzchen auch nicht gerade lebensfroh und freundlich dem Grab entstieg. Und doch gibt genau diese Impulsivität, die Barrymore herrlich selbstironisch und uneitelhaft mimt, einen konfliktbeladenen Reiz, der SANTA CLARITA DIET eine Würze verleiht, die schmeckt.

Schmecken ist im Übrigen das richtige Wort. Denn es geht um eine menschenfressende Mutter. Eine reine Sitcom ist die Serie daher nicht. Vielmehr ein komisches Drama mit ausreizenden, geschmackvollen Horrorelementen. Wem Zombiefilme zu viel sind und wer einen schwierigen Magen hat, sollte bei SANTA CLARITA DIET vielleicht verzichtet. Allgemein empfiehlt es sich, seine Nahrungsaufnahme für 30 Minuten kurz zu unterbrechen. Wie derbe und grenzwertig der Humor über Menschenfresser ist, durfte man schon an den Werbeplakaten zur Serie erfahren. Darauf war unter anderen ein Finger als Currywurst verarbeitet. Das gefiel nicht jedem und so hagelte es Anzeigen. Netflix hat daraufhin freiwillig seine Plakate erst vor kurzem wieder entfernt. Getreu dem Motto: Auch schlechte PR ist gute PR nahm es der Streamingdienst und Filmproduzent mit Humor – die Folge: Sympathie des Internets und der Filmaffe waren auf ihrer Seite.

SANTA CLARITA DIET ist kein Meilenstein in der Filmgeschichte, aber ein lustige, kurzweilige Serie. Man muss jedoch auf eklige Szenen stehen und sich auf den fies-schwarzen Humor einlassen können. Aber wer das schafft, dem werden ein paar wirklich unterhaltsame Stunden auf den Bildschirm serviert, in denen vor allem Drew Barrymore einen hervorragenden Job gemacht hat. Wohl bekomm’s.

Die erste Staffel von SANTA CLARITA DIET steht seit Anfang Februar 2017 exklusive auf Netflix zum Abruf bereit.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Netflix 2017

 

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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