Rumpelkiste #2: Revolverheld im Weltall

Western und Science Fiction haben schon immer eine wundervolle Symbiose ergeben. Denn trotz ihres unterschiedlichen Settings in der Zukunft und Vergangenheit, steckt in beiden der Pioniergeist. Zur Zeit des legendären Wilden Westen in den USA suchten Pilger und Pioniere nach einer neuen Heimat auf einem unbekannten Terrain. Im Science Fiction besuchen die Weltraumfahrer neue Planeten, die sie als Heimat auswählen.

Das Leben in beiden Welten ist geprägt von Entbehrungen, Armut und die Reduzierung auf das Nötigste. Gleichzeitig stehen Fremde Kulturen gegen das Vorhaben der Pilger, die an jenen fremden Orten eine neue Heimat aufbauen wollen. Der Filmaffe blickt für euch zurück auf die Revolverheld im Weltraum, die in den späten 1980er Jahren reihenweise in Zeichentrickserien auf dem Markt kamen.

Erste Crossover-Gehversuche

Dabei ist dieser Ansatz zu diesem Zeitpunkt keiner neuer gewesen. Schon Filme der 1970er Jahre griffen die Fusion aus Sci-Fi und Western auf. Nur logisch, war doch gerade das Westerngenre und der Science Fiction Film damals sehr beliebte Stilrichtungen beim Publikum.

So ist in STAR WARS IV – EINE NEUE HOFFNUNG (1977) die Cantina-Szene nicht nur wegen der seit Jahren angefachten Diskussion „wer schoß zuerst?“ legendär, sondern sie zeigt in ihrer Konstruktion auch eine offensichtliche Motivik des klassischen Western. Der schießwütige Han Solo erinnert in seiner Weste und mit seiner Pistole im Halfter eher einem Westernhelden der Marke John Wayne, denn einem futuristischen Raumfahrer. Obendrein unterstreicht das zwielichtige Setting einer Wüstenbar voll mit abgehalfterten, brutalen Schurken die Nähe zu einem Saloon. Und schon der gesamte Wüstenplanet Tatooine erinnert durch seine abgeschiedene Lage am Rande der Galaxie und seinen raubeinigen Bewohner an die Zeit des Wilden Westens in den USA.

Doch schon 1969 wurde mit BANDITEN AUF DEM MOND ein erster Crossover-Versuch unternommen – ein echter Pionier und den Pionieren, wenn man so möchte. Am innovativsten setzte jedoch der Film WESTWORLD dieses Konzept von Revolverhelden im Weltraum um. Regisseur und Autor Michale Crichton („Jurassic Park“; 1990) kreierte 1973 mit diesem Film, dessen Grundlage sein gleichnamiger Roman war, einen dystopischen Freizeitpark („Delos“), in dem Menschen in die Vergangenheit eintauchen können. Gigantische Kulissen und Roboter machen diese Illusion möglich. Leider wenden sich die Roboter der Themenwelt „Westworld“, einer Westernstadt, auf Grund eines Systemfehlers gegen die Menschen. Yul Brynner (DIE GLORREICHEN SIEBEN; 1960) persifliert in diesem Film seine Paraderolle als Revolverheld, indem er als Roboter zum Monster wird.

Revolverhelden im Weltall

SABER RIDER UND DIE STARSCHERIFFS (1984-1985) ist bis heute eine 52 Folgen lange Kultserie des japanischen Produktionsstudios K.K.Pierrot. Die Menschen in der Serie leben über die ganze Galaxis verstreut in kleinen Kolonien, die mal mehr, mal weniger an Siedlungen aus der Zeit des Wilden Westens erinnern. Es ist ein einfach, bodenständiges Leben. Doch die Idylle der Siedler wird durch die Outsider, eine marodierende Bande von Phantomwesen aus einer anderen Welt, bedroht. Die Starscherriff, allen voran Saber Rider, sein Team und der Kampfroboter Nimrod, helfen den Menschen und sorgen für Ordnung.

Die ursprünglich japanische Serie, die dort unter dem Titel BISMARK lief, wurde durch die amerikanische Filmgesellschaft World Events Production für den westlichen Markt komplett umgestaltet. So wurden nicht nur sechs komplett neue Folgen in den USA produziert und in die Serie integriert, sondern auch fundamentale Veränderungen an der Serie vorgenommen: So wurde die eigentlich Gewalt kindgerecht verharmlost, in dem erzählt wird, dass die Outsider nicht sterben, sondern nur in ihre Dimension zurückkehren. Das hingegen war jedoch noch der kleinste Eingriff. Denn das komplette Heldenteam erhielt eine Neuordnung. So war noch im japanischen Original der japanische Charakter Fireball der Anführer. Für den westlichen Markt undenkbar. Und so wurde kurzerhand Saber Rider, der im Original Richard Lancelot heißt, zum Haupthelden und Anführer gemacht. Nun darf sich auch keiner beim erneuten Anschauen der Serie wundern, warum sehr häufig immer Fireball das erste Wort hat, den im Original gibt er in diesem Moment einen Befehl an sein Team. Bei der Nachbearbeitung wurde aus dem Befehl eine Frage an seinen Anführer – ein Kuriosum, dass nur durch eine komplette Textänderung ganzer Dialogpassagen bewerkstelligt werden konnte.

In MARSHALL BRAVESTARR (1987-1988) hat der Pionier ebenfalls eine bedeutende Rolle. Die Serie spielt auf dem Planeten New Texas, auf dem eine kleine Kolonie („Ford Kerium“) gegründet wird. Der Held Marshall Bravestarr wird auf den Wüstenplaneten entsandt, um Recht und Ordnung wiederherzustellen, weil dort Tex Hex und seine Bande immer wieder für jede Menge Unruhe sorgt. Bravestarr besitzt übermenschliche, tierische Fähigkeiten. So ist er so stark wie ein Bär, so schnell wie ein Wolf und kann so weit schauen wie ein Adler. Sein Partner ist Thrity-Thirty, ein biomechanisches, intelligentes Pferd, das ordentlich austeilen kann.

65 Folgen und ein Kinofilm umfasst diese Zeichentrickserie von Lou Schreimer (HE-MAN/ GHOSTBUSTERS). Am Ende jeder Folge, ähnlich wie bei HE-MAN, CAPTAIN PLANET oder anderen Zeichentrickserien der Zeit, stand immer ein moralische Lehre, die nochmal zusammenfasst, was das Kind gerade in der Episode zu sehen bekommen hat.

Die Welt der GALAXY RANGERS (1986 – 1989) ist da schon deutlich geordneter. Zwar gibt es rivalisierende, interplanetare Fraktionen und es gibt auch Planten, auf denen das Gesetz des Stärkeren regiert, aber insgesamt haben sich die Planeten zu einem großen Bündnis zusammengeschlossen. Die Wächer der Ordnung sind die Galaxy Rangers. Auch diese Serie umfasst 65 Folgen, schuf darin ein komplexen, facettenreiches Western-Universum.

Ähnlich wie die GALAXY RANGER besaßen auch die SILVERHAWKS (1986) besondere Fähigkeiten. Ihre Welt ist jedoch wieder deutlich abgefahrener und auch der Vergleich zum Wilden Westen ist in dieser Zeichentrickserie nicht so ausgeprägt wie bei den anderen Vertretern. Die Serie entstand als eine Art Ableger der THUNDERCATS (1985-1989), spielt aber nicht im selben Universum, wie die Katzenkämpfer.

Auch recht neue Serie COWBOY BEBOP stammt aus Japan und wurde zwischen den Jahren 1998 und 2000 produziert. Die Hauptprotagonisten bilden eine Gruppe von Kopfgeldjäger, die von allen nur „Cowboys“ genannt wird und durch das Weltall mit ihrem Raumschiff „Bebop“ reisen. Insgesamt wurden 26 Folgen produziert. Der Anime, der im Jahre 2071 spielt, ist entgegen der anderen Vertreter in dieser Auflistung ganz klar für ein erwachsenes Publikum bestimmt.

Das Besondere an der Serie war vor allem die zahlreichen Referenzen an die Musikgeschichte. So leitet sich der Name des Raumschiffs Bebop von der gleichnamigen Jazz-Musikrichtung ab.

Ein Subgenre gibt auf?!

Nach den Zeichentrickserien gab es nur noch drei nennenswerte Produktionen, die sich an eine Fusion von Science Fiction und Western wagten. WILD WILD WEST aus dem Jahre 1999 mit Will Smith und Kevin Kline führte aber das gesamte Subgenre mehr ad absurdum, als das es ein wahrer Vertreter gewesen wäre. Das erste offensichtliche Anzeichen dafür war der historische Rahmen des Films. Denn WILD WILD WEST spielt nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit. Er basierte aber auf der 104-teiligen Westernserie VERRÜCKTER WILDER WESTEN (1965-1969). Auch der Film COWBOYS & ALIENS (2011) spielt in der Vergangenheit und plakatierte in all seiner übertrieben, aufgesetzten Art ein absurdes Szenario, das selbst für dieses Zwittergenre zu abgedreht war und leider auch zu uninnovativ umgesetzt wurde. Obendrein fehlte dem Film von Jon Favreau (THE JUNGLE BOOK; 2016), trotz Harrison Ford, Daniel Craig und Sam Rockwell, ein charismatisches Duo, das wiederum in WILD WILD WEST durchaus zu finden war.

Einige Jahre vorher erschien jedoch ein leider viel zu kurz dauernde Serie, die dieses wundervolle Einheit von Pioniergeist und Zukunftsvisionen, die ich an den Zeichentrickserien so mochte, traf. FIREFLY (2002) erfasst das, was COWBOYS & ALIENS noch nicht mal im Ansatz zu treffen gelang: Die Serie und der daran anschließende Film SERENITY (2005) kristallisierte die Essenz des Cowboytums heraus. Firefly handelt von einem harten, aber freien Leben. Von einer beständigen Reise ohne Heimat und mit einer ungewissen Zukunft. Ein Dasein am Rande der Illegalität, ein raues Leben mit zwielichtigen Gefährten und der ständigen Sorge im Rücken, ob das Wenige, was einem am Leibe hängt, einmal ausreicht, um mehr als eine Woche unbeschwert zu überleben. Von einem Auftrag zum nächsten hangelt, kann jeder Schmugglerauftrag, jeder Viehtrieb der letzte der Crew der Firefly sein. Und so heißt es bei jedem kurzen Zwischenhalt, bloß nicht auffallen und mit dem Gesetz in Konflikt kommen.

Die 14-teilige Serie überzeugte das Publikum, wurde jedoch wegen ihrer hohen Kosten schnell eingestellt. Da sich aber die DVD-Verkäufe nach der Absetzung rentierten, entschloss man sich, noch mal einen Kinofilm nachzulegen. Mehr zu der Serie erfahrt ihr in meinem FIREFLY – SPECIAL auf dem Filmaffen.

Frage an die Community:

Wie steht ihr zu diesem Subgenre? Mögt ihr solche Genre-Crossover? Und war vielleicht auch einer eurer Kindheitshelden mit dabei? Diskutiert in den Kommentaren mit oder schwelgt einfach nur in eurer Vergangenheit. 🙂

 

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