ZOOMANIA (2016)

Ermittlung in Tierstadthausen

Mit ZOOMANIA startete Disney in das Kinojahr 2016 und beruft sich auf seine Stärken, tierischen Lebewesen menschliche Charakterzüge zu verleihen. Statt einer Steppe oder einen Zoo schuf man dabei diesmal gleich eine ganze Stadt voller wuselnder, kriechender und stampfender Bewohner. Darin eingebettet: ein spannender Krimi und eine Häsin mit einem großen Traum.

INHALT:

Häsin Judy Hopps war schon immer etwas anders als ihre eher ängstlichen und vorsichtigen Artgenossen. Bereits als kleiner Mümmel nahm sie es mit den großen Rüpeln auf. Und auch wenn sie aus einem sehr kleinen, ländlichen Ort abstammt, träumt sie davon, der erst Hase zu sein, der im Dienst der Polizei in der Metropole Zoomania für Ordnung und Gerechtigkeit kämpft.

Sie schafft es sogar bis auf die Polizeischule und setzt sich dort nach Anfangsschwierigkeiten durch, wird sogar Klassenbeste. Doch kaum in Zoomania, dem Zentrum der Tierwelt angekommen, wird ihre Mühe und ihre Einsatzwille nicht belohnt: Sie landet als Politesse in der Verkehrsüberwachung. Dabei braucht die Polizei eigentlich jeden Mann, denn es verschwinden in den letzten Wochen immer mehr Fleischfresser auf unerklärliche Weise.

Die Hinweise fehlen zwar, aber Judy ist sich sicher, dass hier ein Zusammenhang besteht. Als sie eine Chance erhält, dem Verschwinden eines Otters nachzugehen, sieht sie ihre große Stunde gekommen. Ihr erster Hinweis führt sie ausgerechnet zu einem listigen Kleinganoven und Fuchs mit dem Namen Nick Wilde. Der ist anfangs gar nicht davon begeistert, ihr helfen zu müssen. Im Laufe ihrer Ermittlungen kommen sie jedoch einem Geheimnis auf die Schliche, das bis in die oberste, politische Führungsebene von Zoomania führt.

FAZIT:

Mit ZOOMANIA ist Disney ein echter Kracher gelungen – nach ALLES STEHT KOPF der zweite in Folge. Es scheint, als sei die Flaute, die sich kurz nach Jahrtausendwende bei Maus-Konzern im Animationsbereich auftat, wieder gelegt zu haben. Im Gegenteil: Im Fahrtwind frischer Idee und dem besinnen auf Disneys Kernkompetenzen brilliert ZOOMANIA durch seine kleinen Details und tollen Ideen – und dass, obwohl die Story selbst eigentlich nicht sonderlich innovativ ist:

Schwache Häsin mit einem Traum trifft gerissenen Kleinganoven, um zu Helden einer ganzen Stadt zu werden. Okay, zugegeben: So beschrieben klingt die Handlung wirklich neu. Dahinter verbirgt sich aber schlicht ein ungleiches Ermittler-Päarchen, das sich zunächst spinne-feind ist, dann aber schnell feststellt, wie gut man miteinander harmonieren kann. Auch wenn man von der Natur aus eigentlich am gegenseitigen Ende der Nahrungskette steht. Ein schönes, pädagogisches Statement für einen Film und im Grunde eine klassische Buddy-Cop-Komödie im Disney-Stil.

In ZOOMANIA wird mit Tier-Klischees gespielt. Aber der Animationsfilm geht einen Schritt weiter und ruht sich nicht nur auf eine platte Stigmatisierung rüpelhafter und gefährlicher Fleischfresser auf, sondern entlarvt ebenso die Unzulänglichkeiten und Vorurteile der niedlichen Pflanzenfresser. So sehen sich Fuchs, Löwe, Hyäne und Co. als Minderheiten in Zoomania permanent mit Vorurteilen und Vorwürfen konfrontiert. Dabei haben vor allem diese sich entgegen ihrer Natur zu friedlichen Mitbewohnern entwickelt, vor denen man sich als Pflanzenfresser eigentlich nicht mehr fürchten braucht. Die Stadt, in der alle Tiere friedlich vereint zusammen leben, ist also keineswegs das Paradies als das es nach außen hin gesehen werden möchte. So gesehen ist Disneys ZOOMANIA sogar hochaktuell, greift es doch reale Probleme der Menschheit auf.

ZOOMANIA lebt und zeigt sich so facettenreich, wie kein Disney-Animationsfilm, in dem Tiere die Hauptrolle einnehmen, zuvor. Vor allem ist alles sehr durchdacht. Die Stadt, mit ihren verschiedenen Klimazonen, mit ihren starken Beschützern, ihren gerissenen Schurken und ihren Faultieren als Beamte und Schalterangestellte sowie ihrem innewohnende Konflikt zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern bietet eine Menge Antworten für Probleme, die sich automatisch auftun, wenn so viele verschiedene Tiere in ein Ballungsgebiet ansammeln.

Trotz dieser doch recht ernsten Konflikte wird der Film ganz kindgerecht von einem herrlichen Humor getragen. Vor allem die Szene mit den Faultieren ist ein absolutes Highlight des Films. Selten wurde so konsequent in einem eigentlich sehr ereignisreichen und hektischen Film eine Entschleunigung vorgenommen und auch über Minuten durchgezogen. An dieser Stelle erinnert der Humor an FAMILY GUY – so viel Mut, eine Pointe beinahe tot zu spielen, kennt man sonst nicht von Disney. Hut ab!

ZOOMANIA ist ein durchweg gelungener Film für die ganze Familie und wohl einer der stärksten Disneyfilme der letzten fünf Jahre: Sein Konzept und seine Figuren sind durchdacht. Und auch wenn die Story einen nicht vom Hocker haut, so hat der Film, ganz im Sinne des Maus-Konzerns, eine Menge Herz und noch mehr Humor. Viel mehr noch trifft dieser Humor auch das Zwerchfell Erwachsener.

Leider beschränken sich die Extras auf der DVD auf ein paar weniger Trailer. Hier war in anderen Heimversionen von Filmen schon einmal deutlich mehr drin gewesen – ein Classic Cartoon zum Beispiel. Der Film an sich ist aber eine Anschaffung wert. ZOOMANIA ist ab dem 14.07.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

Von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney 2017

© Disney

Produkte von Amazon.de

 

Der Filmaffe

Der Filmaffe

Hier bloggt die Redaktion.
Der Filmaffe

Letzte Artikel von Der Filmaffe (Alle anzeigen)

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: