WIENER DOG (2016)

Ruhige Episoden-Komödie mit Längen

INHALT:

In vier Episoden erzählt WIENER DOG vier Geschichten von verschiedenen Menschen, die fast alle depressive Züge haben und deren Verbindungsstück ein Dackel ist. In der ersten Episode holt der Familienvater Danny den Hund für seinen Sohn Remi aus dem Tierheim zu sich nach Hause. Das folgt zu einigen (dreckigen und im wahrsten Sinne des Wortes „beschissenen“) Situationen und zu vielen Fragen des überaus neugierigen Remis an seine Mutter, die damit nicht ganz souverän umgeht.

Von der Familie landet der Dackel bei der schüchternen Dawn, gespielt vom FRANCIS HA-Star Greta Gerwig, die ihrer drogenabhängigen Jugendliebe ganz plötzlich auf eine Reise ohne Ziel folgt. Die dritte Episode handelt von einem erfolglosen Drehbuchautoren und Dozenten, dargestellt von Danny DeVito, der verzweifelt auf seinen großen Erfolg hofft. Im letzten Teil besucht Enkelin Zoe ihre Großmutter, weil sie Geld für ihren untreuen Künstlerfreund mit Namen Fantasy braucht.

FAZIT:

„Als würd’s nur ums Lachen gehen“ sagt ein Filmstudent in der dritten Episode von WIENER DOG, als er über gute Drehbücher spricht. Und so kann man auch WIENER DOG betrachten: Es ist kein Film für einen leichten Männer- oder Frauenabend mit derben Witzen oder simplem Humor, der einfach nur auf ein paar Lacher zielt. Richtige „Gags“ kommen eigentlich kaum vor. Vielmehr ist WIENER DOG eine ruhige und subtile Komödie, die ihren Witz aus Handlung, Figuren und Stimmung gewinnen will. Das gelingt aber nur bedingt.

Die einzelnen Episoden haben nichts miteinander gemein, als dass sie verschiedene Lebensentwürfe von verschiedenen Menschen zeigen. Um den Dackel geht es nur in der ersten Episode direkt. Danach befindet er sich zwar immer bei den einzelnen Protagonisten, doch seine Anwesenheit erscheint eher als eine Ausrede oder Rechtfertigung, um die Teile miteinander zu verbinden.

WIENER DOG startet vielversprechend. Die erste Episode bekommt ihren Reiz durch den neugierigen, unentwegt nachfragenden Sohn und die zum Teil derben, grausamen oder unqualifizierten Antworten der Mutter, die weder die Situation besser machen noch die Sorgen des Jungen ernst nehmen oder lindern. Doch leider endet diese Episode zu bald, noch bevor man die Charaktere richtig kennenlernen konnte. Schon ist man im nächsten Teil, der ohne Ziel vor sich hinplätschert, ähnlich wie die Protagonisten in ihm eine ziellose Reise bestreiten. Ohne Spannung zu erzeugen, ohne eine Art von Erzählbogen zu haben und ohne die Figuren interessant werden zu lassen (und das obwohl die großartige Greta Gerwig hier die Hauptrolle spielt) zieht sich diese Episode lange hin, wobei man sich immer wieder fragt, wann endlich der nächste Teil beginnt.

Was in dieser zweiten Episode nicht gelang, schafft Danny DeVito in der darauffolgenden Sequenz in wenigen Sekunden: Er haucht seinem Charakter Leben ein. Seine Figur des erfolglosen Drehbuchautors Dave Schmerz berührt, unterhält und interessiert zugleich vom ersten Moment an. Die ganze Episode enthält viel Witz und führt zu besonders komischen Szenen. So ist Schmerz’ große Lehraussage, dass man nur mit der Frage „Was wenn?“ gute Drehbücher und gute Geschichten schreiben kann. Die Aussage „Was wenn?“ wird daraufhin zum Running Gag. In einer tollen Szene lästern mehrere Filmstudenten über diese einseitige Sicht aufs Drehbuchschreiben und bestreiten den Sinn der „Was wenn?“-Frage, während sie dabei gleichzeitig mithilfe der „Was wenn?“-Frage unabsichtlich und von sich selber unbemerkt eine Vielzahl von Geschichten erfinden. Man hätte gerne noch mehr über den Drehbuchautor Dave Schmerz erfahren. Man hätte es eigentlich am liebsten, dass der ganze Film von ihm erzählt. Doch leider endet seine Geschichte abrupt und zu früh.

Der letzte Teil erhält zwar durch die schräge Figur des Fantasy einige unterhaltende Elemente, führt aber insgesamt zu nichts. So ist WIENER DOG leider nur ein leidlich unterhaltsamer Film, der zwar ein paar witzige und amüsante Sequenzen enthält, insgesamt aber eher langweilig wirkt.

WIENER DOG ist ab dem 29.11.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Prokino Home Entertainment 2016

Produkte von Amazon.de

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

Letzte Artikel von Benjamin Wirtz (Alle anzeigen)

Comments

comments

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: