THE GIRL WITH ALL THE GIFTS (2017)

Ein sonderbares Mädchen sucht ihren Platz in der Welt

Der Zombiefilm THE GIRL WITH ALL THE GIFTS beschreitet bekannte Pfade des Horrorgenres und erzählt doch aus einer neuen Perspektive heraus. Dabei führt der Film den Ansatz, den Richard Matthews in seinem Roman „I am Legend“ erschuf und der durch George A. Romeros ZOMBIE-Reihe zu einem eigenen Filmgenre wurde, zu einem konsequenten und harten Ende.

INHALT:

Melanie (Sennia Nanua) ist ein junges Mädchen und doch eine Gefangene des Militärs. Eingesperrt mit gut zwei Dutzend anderen Kindern besteht ihr Alltag aus dem Leben in einer grauen Gefängniszelle und der tägliche Schule. Stets fixiert und angekettet bleibt ihr ein sorgenfreies Kinderleben verwehrt. Und das hat einen Grund: Denn auch wenn Melanie unschuldig aussieht, ist sie ein Hungry – ein Menschenfresser.

Als Forschungsobjekt in einer militärischen Einrichtung missbraucht, könnte ausgerechnet sie der Schlüssel zu einem Gegenmittel für eine Pilzinfektion sein, die fast die gesamte Menschheit zum blutrünstigen Jägern gemacht hat.

Als jedoch die Einrichtung von Hungrys überlaufen wird, muss sie gemeinsam mit Sergeant Eddie Parks (Paddy Considine), Forschungsleiterin Dr. Caroline Caldwell (Glenn Close), Soldat Kieran Gallagher (Fisayo Akinade) und ihrer Lehrerin Helen Justineau (Gemma Arterton) fliehen. Können die vier sich zur nächsten sicheren Basis retten? Und besteht überhaupt noch Hoffnung auf eine Heilung? Melanie muss eine wichtige Entscheidung treffen, die das Schicksal der ganzen Welt bestimmt.

FAZIT:

THE GIRL WITH ALL THE GIFTS von Regisseur Colm McCarthy ist ein Zombiefilm mit einem neuen Ansatz: Es ist ein Blick in die Psyche des Menschenfressers aus der Perspektive eines Mädchens, das eigentlich alles richtige machen möchte. Leider ist sie jedoch ein infizierter Mensch und kann sich mit einem hungrigen Magen nur schwer kontrollieren.

Dieser Zwiespalt, essen zu müssen, aber nicht ihre „Mitmenschen“ schaden zu wollen, ist ein Leitmotiv des Films, in dem auch die Frage verborgen liegt: Kann Melanie überhaupt Mitgefühl, ja gar Emotionen empfinden? Das Mädchen ist die zweite Generation der Zombies, die hier „Hungrys“ (also „Hungrige“) genannt werden. Wie es zu dieser zweiten Generation kommt, möchte ich noch nicht verraten. Nur soviel: Es ist sehr grausam! Das Forschungsteam um Dr. Caldwell, sehr burschikos und skrupellos gespielt von Glenn Close, beschäftigt sich damit, einem Impfstoff herzustellen und zu ergründen, was diese Kinder wirklich sind. Sie nimmt einen bösen Part im Film ein, wenngleich auch sie in gewisser Hinsicht in guter Absicht handelt.

Die Erforschung der Empfindungen eines Zombies ist ein Thema, dass schon früh im Genre, in Romeros zweiten Zombiefilm DAY OF THE LIVING DEAD (oder ZOMBIE) aufgegriffen wurde. In THE GIRL WITH ALL THE GIFTS wird die Empathie des Zuschauers hier auf eine besondere Probe gestellt, indem Experimente an Kindern durchgeführt werden.

Die erste Hälfte des Films ist daher die große Stärke des Films. Alles ist noch relativ geheimnisvoll und schattenhaft. Gezeigt wird eine kalte Basis mit grauen Wänden und spärlicher Möblierung. Man möchte wissen, was in der Welt passiert ist. Warum sperren sich die Menschen dort ein? Man spürt die Ängste und die Sehnsüchte der Kinder. Man vernimmt aber auch die Hoffnungslosigkeit und Furcht der Soldaten und Forscher. Auch sie stehen in einem inneren Zwiespalt: Ist es richtig, was wir diesen Kindern antun? Die Lehrerin Mrs. Justineau stellt alles in Frage und wird so zu einer Art Ersatzmutter für Melanie. Eine verquere Beziehung, denn wenn Melanie hungrig ist, würde sie nicht lange zögern, um ihre Mutter aufzuessen.

In der zweiten Hälfte des Films dominieren eher warme Töne die Szenerie. Man ist aus der Einrichtung geflüchtet und befindet sich mitten in London, das von Pflanzen überwuchert und von Hungrys überlaufen ist. Ein malerisches Bild wird erzeugt, in dem die Natur ihren Planeten wieder zurückerobert hat, wenn nur nicht diese riesige Bedrohung in ihr lauern würde. Nun befinden wir uns aber auch in einer klassischen Situation eines Zombiefilms: Eine kleine Gruppe versucht in der Postapokalypse zu überleben. Man mag fast sagen, dass THE GIRL WITH ALL THE GIFTS plötzlich normale, fast langweilige Züge annimmt. Doch auch in dieser Hälfte weiß der Film die Stärken seiner Geschichte auszuspielen:

Melanie, die erstmals frei ist, erkundet die Menschenwelt. Der kindliche Blick auf die neuen Eindrücke ist höchst emotional. Man vergisst in diesen Momenten fast, dass sie ein Zombie ist. Wie gut, dass ihr blutverschmiertes T-Shirt uns daran erinnert, zu welchen Taten sie eigentlich fähig ist, ja vor wenigen Augenblicken sogar noch war. Dieser Gegensatz von Monster und Kinder, von Schuld und Unschuld wird bis zum Ende weitergetragen.

Die kleine Truppe aus vier Menschen und einem Hungry erfährt darin mehr über die Entwicklung der Pilzinfektion und entdeckt eine noch größere Bedrohung, die das endgültige Ende der Menschheit bedeuten kann. Ohne auch hier mehr zu verraten, endet dieser Zombiefilm vielleicht inhaltlich nicht unbedingt anders als andere, aber emotional doch mit einer ganz anderen Grundstimmung als gewohnt. Und gerade das setzt ihn wohl von allen anderen Filmen des Genres ab.

Zusätzlich zum Film sind ein Making Of, Interviews und die Trailer auf der DVD enthalten. THE GIRL WITH ALL THE GIFTS ist ab dem 23.06.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universum Film 2017

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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