STAR WARS VII: DAS ERWACHEN DER MACHT (2015)

Die Filmkritik.

Der Aufschrei war groß, als STAR WARS-Schöpfer George Lucas seine Rechte an seinem Sci-Fi-Franchise abgab und Disney übertrug. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis klar wurde, dass die Filmschmiede mit der Maus die neu gewonnen Mittel auch ausschöpfen würde: Eine neue Trilogie wird entstehen, welche die Saga würdig fortsetzen soll. Ein ambitioniert wie fast unmögliches Unterfangen.

Doch Disney bewies Feingefühl und holte sich Regisseur J.J. Abrams, der bereits STAR TREK ins neue Jahrtausend hievte. Nach Monaten der Spekulationen, der Ungeduld und Ungewissheit läuft nun STAR WARS VII: DAS ERWACHEN DER MACHT endlich in den Kinos. Die Erwartungen an diese Fortsetzung sind zurecht hoch. Doch der Film spielt mit diesen und zeigt sich völlig anders und gleichzeitig sehr vertraut…

INHALT:

Die Galaxie steht vor dem Abgrund. Jahrzehnte des Krieges haben die einst stolze Republik in ein Trümmerfeld verwandelt und die Jedi wurden zu einer Legende. Aus der Asche des Imperiums stieg die „erste Ordnung“ empor: Sie versucht den Machtbereich des Imperators wider zu festigen. Gleichzeitig haben die Rebellen als „Widerstand“ eine neue Republik gegründet und planen, auch dem Rest der Galaxie Frieden zu bringen. Die Schlacht um den Halbmond Endor war somit nicht das Ende, sondern der Anfang eines offen Krieges.

Von all dem bekommt die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) nicht viel mit. Sie lebt auf einem fernen Wüstenplaneten ein einsames und einfaches Leben. Dies ändert sich jedoch, als sie den kleiden Droiden BB-8 kennenlernt: Er gehört zum Widerstand und trägt eine wichtige Karte bei sich, die dringend zu Stützpunkt der Rebellen gebracht werden muss.

Rey zögert zunächst ihm zu helfen, doch die „erste Ordnung“ hat bereits die Verfolung aufgenommen und so bleibt ihr keine Wahl. Unterwegs trifft sie auf Finn (John Boyega). Auch er sieht sich gar nicht als Held und will einfach nur weit weg vom Zentrum des Kampfes. Beide ahnen noch nicht, in was sie hineingeraten sind, welche Geheimnisse sie aufdecken und wen sie auf ihrer Reise begegnen werden.

FAZIT:

Aller Kritik an Disney zum Trotz muss auch ich eingestehen, dass Disney gut tut und das, was gut war, neu belebt. Sowie die Tradition an den eigenen Zeichentrick-Figuren hoch gehalten wird, so rücksichtsvoll geht der Filmkonzern auch mit seinen Einkäufen um. Natürlich werden die Filmreihen und Charaktere kommerziell ausgenutzt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Ohne Disney wären die Muppets eine Randnotiz in der Geschichte, Philanthrop und Multimilliardär Iron Man pleite und STAR WARS „nur noch“ eine Animationsserie.

Erste Eindrücke:
Wir dürfen, nein wir sollten also froh sein, dass auch die neuen Generationen Teil der Entwicklung einer der erfolgreichsten Filmreihen sein dürfen. Und doch mussten wir einige Zeit warten, bis Episode VII in die Kinos kam. Die Zeit war berechtigt, denn das Erbe ist groß. Ein Versagen könnte alle weiteren Pläne von Disney im Keim ersticken und einen Sturm der Entbrüstung unter den Fans hervorrufen. Trotz aller Vorsicht und strickten Geheimhaltung über wesentliche Details der Handlung nahmen die Vorabkritiken und skeptischen Spekulationen kein Ende. Noch mehr Gegenwind bekam derzeit wohl nur noch BATMAN V. SUPERMAN zu spüren.

Der Skeptiker bekam dann auch sein Futter. Denn kaum waren die ersten Trailer draussen, schrie die Fangemeinde: „Wo zum Geier ist Luke?“. Die Antwort erfuhren wir im Kino und sie überraschte eigentlich nicht, denn auch im siebten Teil ist die Suche ein zentrales Motiv des Films. Getreu Yodas Motto „Du suchst jemanden, gefunden hast du jemanden“ steht die Suche nach der eigenen Bestimmung mal wieder im Vordergrund: Denn die neu eingeführten Charaktere Rey und Finn befinden sich auf einen Scheideweg. Sie müssen sich dafür entscheiden, so weiter zu machen, wie bisher (und dabei auf der Stelle zu treten) oder sie entscheiden sich für einen neuen Pfad, der sie weit weg und in große Gefahren führt, aber sie selbst in ihrem Leben bereichert. Ein Motiv, das wir schon von Anakin und Luke Skywalker kennen. Ein erstes Anzeichen, dass sich die Reihe auch unter neuer Führung treu zu bleiben scheint. Ist es auch das Letzte? Keineswegs! Denn wir treffen gleichermaßen auf viel Bekanntes und Vertrautes, wie wir auch auf eine Menge neues treffen. Disney tat gut daran, weite Teile des alten Hauptcast ins Boot zu holen. Durch sie gibt es eine glaubhafte und stimmungsvolle Kontinuität. Der alte Feind ist hingegen besiegt und der neue Kontrahent erhält eine neue, schwache Facette:

So wirken die neuen Gegner manchmal wie eine unerfahrene Rasselbande fieser Wichte, die das Suffix „Böse“ noch nicht ganz verdient haben. Und doch sind sie eine ernste Bedrohung für die ganze Galaxis. Tatsächlich ist diese Darstellung sehr stimmig. Denn das Impierum hat seine Führungsebene vollständig verloren. Die dritte oder gar vierte Garde muss nun die Reste einsammeln und versucht mit Mühe ihre Macht wieder zu festigen. Der emotional aufbrausende Kyle Ren (Adam Driver), ein geübter Kämpfer der Macht, ist einer dieser neuen Befehlshaber. Er ein brutaler, skrupelloser Kämpfer. Seine Ehrgeiz, so mächtig zu werden, wie der große Sith Lord Darth Vader, ist seine Memisis.

Dagegen steht ein kampferfahrener Widerstand, der seine Stellung (auch in Unterzahl) souverän verteidigen kann. Und doch ist auch er noch nicht stark genug, um die alte Ordnung der Republik wieder zu festigen. Ihm fehlt etwas – jemand!

Doch lassen wir mal all das Umherschweifen, Lamentieren, Dokumentieren und Philosophieren bei Seite. Stellen wir uns der wesentlichen Frage: Wie ist er nun, der neue STAR WARS-Film?

Optisch ist STAR WARS VII: DAS ERWACHEN DER MACHT ein Genuss, wenngleich sich die 3D-Version nur als minimaler Mehrwert für den Film herausstellt. Da das aber ein Problem im allgemeinen ist, darf es auch in dieser Kritik nur eine untergeordnete Rolle spielen. Fakt ist: Die erwartete STAR WARS-Bildsprache wurde eingehalten, teilweise sogar als Hommage an die vorherigen Teile gelungen kopiert. Die Welt sieht also immer noch so aus, wie sie aussehen soll und passt sich, trotz schärferen Einstellungen, an die zerstörte Welt aus den Teilen Vier bis Sechs an. Die neuen Charaktere werden behutsam, wie es auch schon in STAR WARS: REBELS geschah, eingeführt und sind sogar recht drollig. Der neue Liebling ist ohne Zweifel der Droide BB-8.

Die Handlung wirkt jedoch oberflächlich in vielen Punkten beinahe einfallslos. Hier ging man auf Nummer sicher: Am Konflikt der Parteien hat sich nur wenig geändert. Manche Kritiker reden sogar von einem wiederhergestellten Status Quo. So ist das Ziel des Angriff am Ende des Film dasselbe und wieder ist es die dunkle Seite, die ihre Strippen zieht und Schergen in dem Kampf ruft. Manchmal neigt man zur Annahme, man unterliege einem Déjà-vu. Das alles als Gesamtpaket mag oberflächlich ernüchtern. Ist der Film gar nur ein versteckter Remake des Vierten?

Der „wahre Fan“ erkennt hierin keine Ideenlosigkeit, sondern ein Vestehen der Macht des Films. STAR WARS VII ist eine wahre Zitateflut in Wort und Bild – aber auf eine gute Weise! Man orientiert sich vor allem an der alten, der „richtigen“ Trilogie. Man verzichtet auf den Makrokosmos aus Episode eins bis drei und beruft sich auf den Mikrokosmos aus Episode vier bis sechs. Dies tut STAR WARS VII sogar ungemein gut. Denn das, was als „schon wieder?“ von manchen Fans hinterfragt wird, gehört zu den Grundmotiven der Filmreihe und sind Bausteine, die die Magie dessen ausmachen und schon immer ausgemacht haben. So hat auch diesmal selbstverständlich jemand „ein mieses Gefühl bei der Sache“, es gibt Lichtschwertkämpfe, eine weite Reise, Raumschlachten zwischen X-Wing und Tie-Fighter und natürlich sind auch diesmal die Sturmtruppen (fast alle) wieder weiß. Kein Zuschauer wird deswegen aufstehen und sich empört abwenden, er wird es lieben. Er will die Hinweise finden, sich an das erinnern, weswegen er diese Filmreihe so sehr in sein Herz geschlossen hat und was das schönste an diesem Film ist: Er wird diese Hinweise finden und doch eine neue Geschichte, eine würdige Fortsetzung erhalten. Und dann plötzlich mitten im Film, obwohl die eigenen Fan-Erwartungen riesig waren, wird man sich selbst dabei erwischen, wie man sagt: „Es stimmt, ich bin wirklich wieder zu Hause!“

Es scheint also nur, dass STAR WARS VII: DAS ERWACHEN DER MACHT an manchen Stellen ein Remake des vierten Teils ist. In Wahrheit ist der Film aber keine plumpe Imitation, sondern eine clevere Adaption des STAR WARS-Stoffens bekannter Motive, die einfach (ALLE) dazu gehören. So ist es J.J. Abrams erneut gelungen, eine beliebte Science Fiction-Filmreihe neu zu interpretieren ohne diesmal an ihren Grundpfeilern zu sägen und sie aus der Umlaufbahn des Fan-Herz zu werfen.

Natürlich könnte ich an dieser Stelle noch viel weiter ausholen, über Han, Chewi, Leia und Luke sprechen und euch Details verraten, die ihr, wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, noch gar nicht erfahren wollt. Aber ich schließe hier bewusst mit offenen Fragen und einem Text voller Hinweise und Andeutungen. Denn selten hat ein Film in den letzten Jahren schon deswegen so viel Spaß gemacht, weil man eben nicht durch eine breite Vorberichterstattung so gut wie alles erfahren hat. Schaut euch den Film einfach selbst an. Er lohnt sich und war für mein Filmfan-Herz das beste Vorab-Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr.

Seit dem 17.12.2015 läuft STAR WARS VII: DAS ERWACHEN DER MACHT in den deutschen Kinos.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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2 Gedanken zu „STAR WARS VII: DAS ERWACHEN DER MACHT (2015)

  1. „Der wahre Fan erkennt hierin […].“

    Der wahre Leser erkennt hier den Fanboy, oder doch nicht? 😉
    Mit der Einteilung der Fans sollte man erst gar nicht anfangen.

    Aber wenn der Zuschauer es lieben wird, ist ja alles in Ordnung.

    • Da hast du sehr gut erkannt, dass der „Fanboy“ in mir an dieser Stelle nicht anders konnte als in Fan-Schubladen zu denken.
      Aber recht haste natürlich: eigentlich sollte man damit nicht anfangen. 😉

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