SPLIT (2017)

Ehere mäßig spannender Psychothriller von M. Night Shyamalan

Mit THE SIXTH SENSE (1999), UNBREAKABLE – UNZERBRECHLICH (2000) und SIGNS – ZEICHEN (2002) wurde M. Night Shyamalan zum Meister wendungsreicher Spoiler-Plots und atmosphärischer Spannung. 2015 gelang ihm wieder ein großer Erfolg mit dem Horrorfilm THE VISIT. Ob ihm das auch mit seinem neuen Film SPLIT gelingt?

INHALT:

Die drei jungen Mädchen Casey (Anya Taylor-Joy), Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) werden von einem Mann entführt und in einem fensterlosen Raum festgehalten. Schon bald wird klar: Der Entführer (James McAvoy) ist psychisch gestört und vereint viele unterschiedliche Persönlichkeiten in seinem Körper.

Claire und Marcia sind dafür, ihren Peiniger zu dritt mit vereinten Kräften anzugreifen, um zu entkommen, doch Casey hat einen anderen Plan: Sie will die verschiedenen Personen des Entführers kennenlernen, um ihn mit seinen eigenen Mitteln zu überlisten. Was sie nicht ahnt: Der Psychotiker bereitet sich auf etwas Monströses vor, mit dem selbst seine gut vertraute, sich sorgende Psychologin (Betty Buckley) nie zu rechnen gewagt hätte.

FAZIT:

M. Night Shyamalan fackelt nicht lange, bis er in SPLIT die eigentliche Handlung beginnen lässt: Nur eine kurze Szene dient als Einleitung, dann sind die drei Mädels auch schon verschleppt. Die Entführung ist allerdings merkwürdig naiv inszeniert. Glauben wir ernsthaft, dass die drei Mädchen im Auto minutenlang nicht merken, dass sich nicht Caseys Vater gerade auf den Fahrersitz gesetzt hat, sondern irgendein Fremder?

Es sind Szenen wie diese, die SPLIT das Potential rauben, das die Geschichte durchaus besitzt. Im Drehbuch werden diese Momente gut zu lesen sein und gruselig wirken, und das ist auch verständlich: Von der Idee her sind sie im Prinzip nicht schlecht. Aber auf der Leinwand funktionieren sie nicht recht. Entweder sie sind unglaubwürdig, oder absolut vorhersehbar. Es gibt eine Vielzahl von solchen Szenen in SPLIT – etwa wenn die Mädchen durch einen Spalt in der Tür eine Frau beobachten (was trotz der Vorhersehbarkeit der Szene aus Spoiler-technischen Gründen nicht weiter ausgeführt werden soll). Möglicherweise wirken sie nur, wenn man rein gar nichts über den Film weiß, aber auch das mag man bezweifeln.

Dazu kommen altbackene Szenen, die man zur Genüge kennt. Beispiel? Anstatt weiterzulaufen versteckt sich ein Mädchen mitten auf der Flucht vor dem Entführer in einem Spind, wartet dort mit vor den Mund gepressten Händen und – welch Wunder – der Entführer findet sie. Und warum fangen die Mädchen erst nach einiger Zeit an (man weiß nicht genau, wie viel Zeit vergangen ist, aber es muss einige Zeit vergangen sein) den Raum nach hilfreichen Utensilien zu durchsuchen. Wie man sieht: Es gibt immer wieder die ein oder andere Ungereimtheit.

Das ist schade, denn wie gesagt: das Potential ist da. Die verschiedenen Persönlichkeiten des Entführers sind interessant. Und um sie dreht sich auch die eigentlich spannende Frage des Films: Welche der Personen kontrolliert den Körper? Wer zieht die Fäden? Wer verstellt sich und gibt sich für eine andere Persönlichkeit aus, um die Menschen auszutricksen? James McAvoy (DRECKSAU; 2013) kommt da eine besondere Rolle zu, denn er muss gleich mehrere Personen auf einmal verkörpern – und sie manchmal von einer Sekunde auf die andere wechseln. Mit ihm steht und fällt das Ganze. Irritiert einen sein Spiel, ist man raus. Lässt man sich auf sein Spiel ein und steigt mit ihm in die Tiefen des Charakters, fasziniert es.

So ist SPLIT ziemlich konventionelle Genre-Kost, von der man aber schon Schlimmere gesehen hat. Und so vorhersehbar der Film oft auch sein mag – eine unerwartete und überaus amüsante Überraschung bringt er doch: mit der allerletzten Einstellung des Films.

SPLIT startet am 26.01.2017 in den deutschen Kinos.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2017

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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