SOLO – A STAR WARS STORY (2018)

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

SOLO – A STAR WARS STORY ist in den Kinos. Doch die Hetzjagd gegen diesen kontroversen Film geht weiter. Aber warum ist das so? Fakt ist: Dieser Science Fiction Film hat eigentlich alles, was ein Film dieses Genres benötigt. Okay, er ist kein richtiger STAR WARS Film, aber habt ihr das etwa wirklich erwartet? Und nur, weil Harrison Ford nicht mitspielt, bedeutet das doch nicht, dass der ganze Film umlaufen werden muss. Gebt ihm eine Chance und vergesst sein Universum. Dann habt ihr eine Menge Freude.

 

INHALT:

Han (Alden Ehrenreich) ist ein kleiner Gauner, der als Mitglied einer Unterschicht keine Chance, jemals als seinem Leben zu entkommen. Und doch hat er die Hoffnung gemeinsam mit seiner Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) irgendwann in einem eigenen Raumschiff die Galaxie zu erkunden und frei zu sein.

Sein letzter Raubzug könnte ihm genau diesen Traum erfüllen. Er soll wertvollen Treibstoff stehlen und zweigt dabei heimlich etwas ab. Doch sein Betrug an seinen Auftraggebern kommt raus. Han und Qi’ra fliehen zum nächsten Raumhafen. Dort wollen sie die Kontrolleure mit ihrem Diebesgut bestechen. Doch der Coup misslingt. Qi’ra wird gefangen und nur Han entkommt, indem er sich als Rekrut für das Imperium verpflichtet.

Jahre später: Han ist mitten im Krieg. Er kämpft für das Imperium, das sich als Retter aufspielt, in Wahrheit aber nur ein Aggressor und Eroberer ist. Han eckte an, flog von der Pilotenakademie und ist nun normaler Stormtrooper. Mitten im Sumpf eines namenlosen Planeten lernt er Beckett (Woody Harrelson) kennen. Der gerissene Betrüger und seine Crew Val (Thandie Newton) und Rio Durant (Jon Favreau) haben sich unter das Imperium gemischt, um Waffen abzuzweigen und zu verkaufen.

Han ist angetan von der Truppe und hat nur eine Gelegenheit gesucht zu desertieren. Doch Beckett sorgt dafür, dass Han gefangen genommen wird. In ein tiefes Loch geworfen, gerät er in einen Kampf mit einen verdreckten und verwahrlosten Wookie namens Chewbacca (Joonas Suotamo). Beide können fliehen und schließen sich doch noch Beckett an.

Der hat schon den nächsten Auftrag angeleiert und könnte tatsächlich noch Unterstützung gebrauchen. Für Han die Gelegenheit endlich genug Geld zu verdienen, um sich ein eigenes Schiff zu kaufen und Qi’ra zu befreien. Doch der Auftrag misslingt, weil der Pirat Enfys Nest (Erin Kellyman) ebenfalls hinter der Beute her ist.

Becketts Auftraggeber ist nicht amüsiert. Entweder sie sorgen für Ersatz oder die gesamte Crew stirbt. Und so wird ein weiterer waghalsiger Plan entwickelt. Dafür braucht man jedoch ein Schiff. Ein gewisser Gauner namens Lando Calrissian (Donald Glover) soll eines haben und ist bereit, für einen Anteil der Beute mitzumachen. Ab hier beginnen die Ereignisse erst richtig kompliziert zu werden.

FAZIT:

Ein kleiner Gauner kämpft mit unehrenhaften Mitteln für eine gute Sache: SOLO – A STAR WARS STORY ist ein zwiespältiger Film. Vor allem Hauptdarsteller Alden Ehrenreich eckt an. „Er soll Han Solo sein?“, wurde immer wieder mal verzweifelt, mal aufgebracht gefragt. Das Internet hatte den Film schon abgeschrieben, da waren noch nicht mal die ersten Bilder erschienen. Dementsprechend schwer ist nun auch sein Stand. Offiziell gilt SOLO als erster Flop des Franchise. Doch warum? Haben wirklich alle diesen Film gesehen? Leute, geht erstmal rein. Denn so schlimm ist er nicht. Er ist zwar kein klassischer STAR WARS Film, aber das möchte er auch gar nicht sein.

Vielmehr hat SOLO – A STAR WARS STORY seinen Job solide gemacht. Locationwechsel, Raumfahrten, Verfolgungsjagden, legendäre Treffen berühmter Figuren, markige Sprüche, kesse Dialoge und überraschende Wendungen machen diesen Film komplexer und vielschichtiger als die letzten regulären STAR WARS Filme. Ja, ich habe es gesagt: Mir gefiel die Story besser als die von STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI. Wohl auch deswegen, weil sie bodenständiger war. Warum auch immer die großen Kriege und Konflikte in den Vordergrund stellen, wenn es doch schon immer in diesem Franchise um die Entwicklung von Figuren ging. SOLO – A STAR WARS STORY geht damit back to the roots. Verbunden mit den kleinen Gaunereien darf man ihn als das ANT-MAN von STAR WARS bezeichnen. Und das bedeutet in diesem Kontext etwas Gutes. Denn es braucht frischen Wind.

SOLO ist ein Science Fiction Film, der Elemente aus dem Westerngenre in eine futuristische Welt adaptiert. Damit steht er in einer gewissen Tradition von Crossover-Produktionen, wie MARSHALL BRAVESTAR oder KRIEG DER EISPIRATEN. Als solcher wirkt er folglich losgelöst von den Zwängen einer Filmreihe, hebt sich darin aber dennoch nicht ab.

SOLO – A STAR WARS STORY ist ein durchdachter Heist Movie, bei dem allerdings die Planungsebene der Raubzüge fehlt. Vielmehr hangelt sich der Film von einem Raub zum Nächsten. Mittendrin treffen sich auf konstruiert-gewollte Art bekannte STAR WARS Figuren zum ersten Mal. Das ist mal witzig, mal stürmisch und geht in jedem Fall immer mit einem zwinkernden Auge einher. Wie in ROGUE ONE wird den Figuren Zeit gegeben, um eine Hintergrundgeschichte zu erhalten. Die ist durchweg nachvollziehbar und erfüllt ihren Zweck.

Schwieriger ist es hier, die Welt einzuordnen, die wir zu sehen bekommen. Das Imperium ist eine allumfassende Randerscheinung (kein Schreibfehler!). Als omnipräsente Größe wird viel darüber geredet und es gibt auch etwas vom Imperium zu sehen. Die Gauner leben als Teil der Galaxie aber eher möglichst entfernt von den Zügeln der neuen Herrscher. Damit, und hier liegt die Schwierigkeit, erklärt sich die Welt und ihre Bewohner nicht wirklich. Warum wird so ein wichtiger Treibstoff nicht noch viel besser bewacht? Wieso hat Beckett so viele Schulden, wenn er doch ein erfolgreicher, kampferfahrener Gauner ist? Wie ist Solo in seinen Unterschichten-Status gelangt? Hineingeboren wurde er scheinbar nicht. Und vor allem: Warum werden Menschen versklavt? Denn wer die Geschichte des Imperiums genauer kennt, der wird wissen, dass gerade die bevorzugt wurden. Beispielsweise schon mal aufgefallen, dass alle Stormtooper menschlicher Abstammung sind? Und so wird alles nur angekratzt und nichts vollends erläutert.

Dieses Nichtauserzählen mag als Momentaufnahme in der Galaxis eine feine Sache sein, nimmt gar französische Filmzüge in SOLO ein. Doch wir schauen diesen Film nicht, um neue Fragen zu erhalten. Nein, wir wollen Antworten. Erst recht schon deswegen, weil diese Spin Offs eher abgeschlossene Projekte als Fortsetzungsfilme seien sollen.

Die Besetzung der Rolle ist, auch was Ehrenreich angeht, durchweg in Ordnung. Donald Glover als Lando ist sogar genial. Er spielt der gerissenen Lebemann mit einer Leidenschaft und Arroganz, die begeistert. Ehrenreich gelingt es, Gestik und Mimik von Harrison Fords Han Solo zu adaptieren. Wer sein Schauspiel genau analysiert, der erkennt in seinem Verhalten, in seinen Blicken den alten Han wieder. Richtig: Ehrenreich ist ein guter, junger Han Solo. Im Deutschen wird diese Illusion sogar noch durch die Synchro unterstützt. Emilia Clarke ist hingegen etwas austauschbar. Als Love Interest reicht sie aus und füllt diese Rolle tapfer aus. Woody Harrelson als Mentor in Spe ist ein Charakter, wie wir ihn schon häufiger von dem Schauspieler gesehen haben. Doch wie bei Beckett und Qui’ra ist es auch mit den andere Figuren so, dass sie nur für diesen Film da zu sein scheinen. Sie dienen rein ihrer Funktion als Kontrahent, Mitstreiter oder Statist.

Und so gelingt die Einbettung in das STAR WARS-Universum nur bedingt. Zu groß sind die Logiklöcher. Zu schwach und austauschbar sind die Nebenfiguren. Zu sehr konstruiert ist das Aufeinandertreffen der bekannten Figuren. Und vor allem am Ende schießt der Film den Vogel mit einem Cameo ab, das überhaupt nicht in den Kontext von STAR WARS – THE CLONE WARS passt. Doch schütteln wir das ab, erhalten wir einen Weltraumgauner-Film, der manchmal mehr FIREFLY denn STAR WARS sein möchte. Die Spin Offs haben eben ihre eigenen Regeln und leben diese mit jedem Film neu aus. Das erfrischt, aber erfreut eben auch nicht jeden.

SOLO – A STAR WARS STORY läuft seit dem 24.05.2018 in den deutschen Kinos.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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