RINGS (2017)

Samara ist zurück

Die 2000er waren das Jahrzehnt der japanischen Horror-Remakes. Neben THE GRUDGE oder DARK WATER war besonders ein Film erfolgreich: RING (2002). Prominent besetzt mit Naomi Watts, begeisterte die Gruselgeschichte rund um Samara und das tödliche Horrorvideo die Massen und erfreut sich bis heute einer großen Fangemeinde. Sogar die japanische Vorlage ist mittlerweile in Deutschland Kult. Der neuste, RINGS, orientiert sich an den US-Versionen und stellt somit offiziell Teil 3 der Hollywood-Versionen.

INHALT:

13 Jahre nach Teil 1: Die junge Julia (Matilda Anna Ingrid Lutz) macht sich Sorgen um ihren Freund Holt (Alex Roe), mit dem sie eine Fernbeziehung führt und den sie seit Tagen nicht erreichen kann. Julia entschließt sich, nach ihm zu suchen, und findet heraus, dass sich ihr Freund offenbar in einen außerplanmäßigen Kurs des Biologie-Professor Gabriel (John Galecki) eingeschrieben und im Zuge dessen an einem geheimnisvollen Projekt teilgenommen hatte. Gabriel erstand kurze Zeit zuvor auf einem Flohmarkt einen defekten Videorekorder, der eine mysteriöse Videokassette mit der Aufschrift „Play Me“ enthielt. Auf dem Band ist ein Mädchen namens Samara zu sehen – und jeder, der sich das Video anschaut, soll innerhalb von sieben Tagen sterben. Julia muss befürchten, dass auch Holt das Video gesehen hat, das bereits viele Menschen in einen tragischen Tod stürzte.

FAZIT:

Nein, einfach Nein. Leider ist der Wiederbelebungsversuch deutlich in die Hose gegangen. Stellten die beiden Vorgänger RING und RING 2 noch einen ernstzunehmendes Horrordrama mit Tiefgang und Subtilität dar, wirkt RINGS nur noch wie ein unglaubwürdiger Abklatsch.

Den größten Fehler macht RINGS schon direkt am Anfang mit einem extrem unglaubwürdigen und fast schon an SCARY MOVIE erinnernden Dialog im Flugzeug:

„Nervös?“

-„Ja.“

„Es hilft, sich zu unterhalten.“

-„Ok cool, hast du schonmal von dem Horrorvideo gehört, dass dich nach sieben Tagen umbringt?“

Bitte verzeiht mir, wenn ich den Dialog nicht 1-zu-1 wiedergebe, aber so hat es stattgefunden. Dieser inszenatorische Fehler raubt gleich die Basis für das mysteriöse, unheilvolle Storytelling aus den Vorgängern. Alles wirkt schnell dahingeklatscht und löchrig. Ein weiteres Beispiel folgt nur wenige Minuten später, als einer der Protagonisten wie durch Zufall einen alten Videorekorder auf dem Flohmarkt entdeckt und dann natürlich das berühmte Band abspielt.

Es ist teilweise schon slapstickartig, wie dilettantisch mit dem Plot umgegangen wird. Dabei hat die Geschichte viel Potenzial, vor allem wenn man bedenkt, wie einfach neue technische Errungenschaften (Social Media und Smartphones) für ein Horrorvideo hätten genutzt werden können. Hier wird noch ganz klassisch per Mail verschickt, obwohl WhatsApp und Facebook die mittlerweile meistgenutzten Medien für Videos sind. So hätte das Ausmaß des Horrors noch ausgeweitet werden können – stattdessen beschränkt sich die Story auf einen kleinen Kreis (eigentlich nicht schlimm), der mit USB-Sticks hantiert.

Nichts gegen einen kleinen Kreis (Ring, Wortspiel und so), aber ein wenig Sympathie sollte schon vorhanden sein. Die Darsteller bleiben sehr farblos. Eine große Enttäuschung, denn besonders zwei Nebendarsteller erfreuen sich eigentlich großer Beliebtheit:

John Galecki (BIG BANG THEORY) und Vincent D’Onofrio (FULL METAL JACKET/ JURASSIC WORLD) geben ihre Gesichter für absolut uninteressante Figuren her, die zwar für die Geschichte nicht unerheblich, aber eben nicht tragend sind.

Ein weiteres Manko ist auch die offensichtliche Dummheit der Charaktere. Wer so stümperhaft mit Hinweisen oder Gefahren umgeht, braucht sich nicht wundern, in einem Horrorfilm das Zeitliche zu segnen. Auszeichnend dafür sind zwei Szenen:

Julia, die ganz deutlich über das Video und die damit verbundene Geschichte informiert ist, kann nicht anders, als sich den kurzen Film anzusehen, wohl wissend, dass es einen Lösungsweg für ihren Freund Holt gibt. Warum?

Ebenfalls wird Julias Unterarm mit einem unverkennbaren Mal gebrandmarkt, welches jeder von uns direkt als eine bestimmte Schriftart identifizieren kann. Erst 30 Minuten später kommt Uni- Professor Gabriel darauf, dass es sich um Blindenschrift handelt. Sorry, aber das hätte doch jeder Blinde sofort erkannt (Räusper).

Technisch geht der Film in Ordnung, es gibt einige nette optische Spielereien und auch der Sound gibt sich keine Blöße. Sogar die Story rund um Samara wird ein wenig beleuchtet, weshalb sich der Film für hartgesottene Fans eventuell lohnen kann. Trotzdem bleibt nichts weiter zurück als ein sehr stümperhaft erzählter Film, den man nach kurzer Zeit ganz schnell wieder vergisst.

RINGS ist seit dem 15.06.2017 auf DVD und BluRay erhältlich.

von Salih Yayar

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2017

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Salih Yayar

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Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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