LIFE (2015)

Die Fotos des Lebens

LIFE ist kein Film über eine Legende, sondern ein Film über eine Freundschaft zwischen einer Legende und einem Mann, der maßgeblich daran beteiligt war, ein Schauspieler für die Ewigkeit zu konservieren: Mit LIFE schreitet Anton Corbijn erneut auf bekannten Pfaden und widmet sich nach Sänger Ian Curtis in CONTROL (2007) nun dem Leben von James Dean. Herausgekommen ist ein stilles Biopic über einen temperamentvoll-melancholischen Künstler…

INHALT:

Fotograf Dennis Stock (Robert Pattinson) versucht mit Gelegenheitsaufträgen für große Magazine über die Runden zu kommen. Zwar hat er sich als Starfotograf in Hollywood bereits bewährt und doch ist er noch weit davon entfernt, sich einen Namen zu machen.

Als Dennis auf einer Party den stillen Einzelgänger und aufstrebenden Jungschauspieler James Dean (Dane DeHaan) kennen lernt, wittert er seine große Chance. Stock erkennt das Potential, das in dem noch kaum bekanntem Darsteller schlummert und sieht in ihm eine Idol. Trotz aller Gegenwinde erhält er den Auftrag für das LIFE Magazin eine Fotoessay über Dean zu erstellen.

Doch die Chance, die seine Karriere verändern kann, wird zu einer großen Herausforderung und aus dem Auftrag entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Männern, die einander ähnlicher sind, als sie denken…

FAZIT:

In LIFE erleben wir einen James Dean, der in sich kehrt ist, der sich nicht verbiegen will und es doch zulassen muss, wenn er in Hollywood erfolgreich werden will. Aber wir erleben in LIFE auch einen James Dean, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Einen bodenständigen jungen Mann, der schnelle Auto liebt, gerne mal einen Drink zu viel hatte und sich Zeit nimmt, um an der heimatlichen High School auf dem Abschlussball für gute Stimmung zu sorgen. Dane DeHaan spielt diese Legende durchaus sympathisch, wenngleich in vielen Momenten auch etwas lethargisch. Leider kommt DeHaan auch optisch nicht ganz an die Filmlegende heran. Obendrein fehlt seiner Darstellung das gewisse Etwas, dass Dean zu einem Idol seiner Zeit gemacht hat. Zweifelsohne stellt diese Aura zu adaptieren ein große Herausforderung für jeden Schauspieler dar – und doch ernüchtert das Ergebnis.

Wie gut, dass es zwei Hauptpersonen gibt. Robert Pattionson, der seine Marmorvampirhaut abwirft, kann sich in LIFE als Charakterdarsteller behaupten. Ausgestattet mit einem Traum und einem Leben in Scherben versucht er als Dennis Stock seinen Weg zu gehen und wird gleichzeitig zum Vertrauten von James Dean. Und dass zu einer Zeit, in der noch keiner an Dean geglaubt hat. Seine Fotos dienten nicht nur ihrem Selbstzweck. Sondern wurden zu symbolischen Abbildern einer Legende, wie sie symbolisch für eine Freundschaft zwischen zwei Männern stehen sollen. Beide verbindet der Traum vom Erfolg. Erfolg heißt jedoch für beide nicht Ruhm, Ehre oder Geld, sondern eher Selbstverwirklichung.

Die Entstehung der Fotos sind daher besondere Momente in LIFE. Mit liebe zum Detail wurden die Fotos, die damals beiläufig aber wohl überlegt entstanden sind, von der Kleidung bis zum gesamten Szenenbild adaptiert. Leider fehlt dem Rest von LIFE der Elan. Die Dialoge wirken künstlich, viel zu lyrisch und die Handlung tröpfelt gerade im ersten Drittel nur zähflüssig dahin. In vielen Szenen ist man sich zudem nicht sicher, wem im Film eigentlich die Aufmerksamkeit gebührt. Es wird versucht, zwei gleichwertige Hauptdarsteller zu etablieren. Allerdings wirken die Erzählstränge um Dean eher hölzern und holprig, während die emotionaleren und tieferen Erzählebenen eher dann erreicht werden, wenn es um das Leben von Stock oder die gemeinsamen Momente mit beiden Figuren geht.

Auch die Nebenrollen haben ein ähnliches Problem. Dabei sind die Nebendarsteller durchaus gut gewählt, doch sie erhalten keine Freiheiten, um sich aus ihren Klischees befreien zu können. So taucht Joel Egerton (BLACK MASS; 2015) als Fotojournalisten John G. Morris auf. Morris hat sich Jahre vorher einen Namen damit gemacht, dass er als Kriegsfotograf Bilder vom D-Day im zweiten Weltkrieg für das LIFE Magazin schoss. In Corbijns LIFE steht er als Mentor und Auftraggeber an Stocks Seite. Egerton mimt ihn aber als einen resignierenden Chefredakteur ohne Visionen. Auch Schauspilerlegende Ben Kingsley ergeht es in seiner Rolle nicht besser. Er zeigt sich als raffgieriger Filmproduzent, der sich damit begnügen muss, sich über das unorthodoxe Verhalten von Dean zu empören. Wie gut, dass es in LIFE nicht um die Entwicklung der Nebencharaktere geht, kann man da nur sagen.

Der Film endet mit dem Beginn von Dean Karriere. Ein Besseres hätte man nicht finden können – eine bessere Zeitebene für den Film, um die Person James Dean einer neuen Generation von Heranwachsenden nahe zubringen, übrigens auch nicht. Die Freundschaft zwischen beiden Figuren ist glaubhaft und Corbijns James Dean sehr authentisch, aber vielleicht auch etwas zu langweilig, zu melancholisch. Ist dieser Hang zum Realismus für LIFE gut? Für ein Biopic in jedem Fall. Und wenn es im Film nur um Dennis Stock gegangen wäre, wäre die Grundstimmung des Films perfekt gewesen. Doch es geht nicht nur um diesen Fotografen. Und so wäre ausgerechnet in diesem Fall wohl ein wenig mehr Verklärung wünschenswert gewesen, um dem Film etwas Würze zu verleihen. In diesem Zwiespalt gefangen, gelingt es mir leider nicht zu sagen, ob LIFE ein wirklich gutes Werk geworden ist oder doch nur mittelmäßige Melancholie versprüht, die auf verdammt gute Fotos aufgebaut ist…

Anton Corbijns LIFE ist seit dem 26.02.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Universum Film 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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