HARDCORE (2016)

Hartes Actionfeuerwerk aus der Ich-Perspektive

Filme, in denen ganze Szenen oder Sequenzen in der subjektiven Kamera vorkommen, gibt es Dutzende – von DIE SCHWARZE NATTER (Dark Passage, 1947, Regie: Delmer Daves) bis zu Computerspielverfilmungen wie DOOM (2005, Regie: Andrzej Bartkowiak). Filme, die diese Ich-Perspektive die ganze Laufzeit durchziehen können, gibt es schon viel weniger. Der erste war wohl Robert Montgomerys Film noir DIE DAME IM SEE (Lady in the Lake, 1947), in dem der Zuschauer mit dem Detektiv auf Mördersuche geht. In den letzten Jahren hielten Filme wie ENTER THE VOID (2009, Regie: Gaspar Noé), ALEXANDRE AJAS MANIAC (2012, Regie: Franck Khalfoun) oder der deutsche Horrorfilm FIRST PERSON SHOOTER (2015, Regie: Andreas Tom) diese Erzählweise Größtenteils durch. Jetzt versucht sich ein weiterer Film an der Ego-Perspektive – als erster Actionfilm: HARDCORE.

INHALT:

In einer futuristischen Welt wacht Henry, halb Roboter und halb Mensch, in einem Labor auf und hat keinerlei Erinnerungen. Estelle – die Frau, die ihn aufgeweckt hat, – erzählt ihm, dass sie seine Ehefrau ist. Als Soldaten das Labor stürmen und sie angreifen, flieht das Paar. Kurz darauf wird Estelle aber von den Handlangern des Bosses Akan entführt. Mithilfe des undurchschaubaren Jimmy will Henry sie wiederfinden. Doch Akan scheint Superkräfte zu haben. Außerdem züchtet er sich eine riesige Armee von Cyber-Soldaten, die alles tun, was er ihnen befiehlt. Eines ist sicher: Henry wird nicht ruhen, bis er auch den letzten Mann dieses übermächtigen Heeres ausgeschaltet hat.

FAZIT:

HARDCORE schafft es tatsächlich, den ganzen Film ohne Ausnahme aus der Ego-Perspektive zu erzählen. Dabei verzichtet er nicht auf waghalsige Stunts und durchgedrehte Action – im Gegenteil: Die sehr lineare Story dient in erster Linie dazu, eine Actionsequenz pausenlos an die nächste zu reihen. So hat man 90 Minuten lang durchgehend geballte Action aus der First-Person-Sicht.

Durch die Wahl der subjektiven Kamera besitzt HARDCORE die Gaming-Ästhetik eines Ego-Shooters. Man wird direkt in die Handlung einbezogen und ist tatsächlich „mittendrin statt nur dabei“, wie der Film wirbt. Es ist nicht leicht, immer den Überblick über die Situation und das Geschehen drumherum zu behalten, denn die Kamera wackelt, stürzt und überschlägt sich in atemberaubendem Tempo. So sind manchmal die Räumlichkeiten nicht ganz klar und es fällt oft schwer, nachzuvollziehen, wie Henry jetzt plötzlich von A nach B gekommen ist.

Henry hat als halber Roboter öfters das Problem, dass sein Akku leer wird und er ihn irgendwie aufladen muss. Das erinnert stark an CRANK 2 (2009, Regie: Brian Taylor/Mark Neveldine). Wo Chev Chelios dort regelmäßig Stromstöße braucht, muss sich Henry in HARDCORE die Batterien aus den Herzen der anderen Cyber-Soldaten besorgen. Und auch sonst haben diese beiden Filme vom Stil her einiges gemeinsam. Hardcore entwickelt ebenfalls genau wie CRANK 2 und mehr noch der Vorgänger CRANK (2006) diesen adrenalingeladenen Sog und schafft es auch, ihn vom Anfang bis zum Ende ohne große Pausen durchzuhalten.

HARDCORE übertreibt – und das im besten Sinne: Bevor es langweilig werden kann, taucht entweder ein Mann in futuristischem Anzug auf, der mit einem Flammenwerfer eine ganze Straße befeuert. Oder es rollt direkt ein ganzer Panzer an. Oder Tim Roth hat einen – zugegebenermaßen unspektakulären – Cameo-Auftritt. Alles an HARDCORE wirkt extrem professionell gemacht und dennoch unglaublich nah.

Es zeugt von viel Optimismus und Naivität oder aber von viel Humor, dass ein FSK ab 16 beantragt wurde. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass das lachend abgelehnt wird. Denn HARDCORE bietet wie erwartet ein hohes Maß an blutiger Gewalt und Brutalität. Schon der Vorspann lässt ahnen, dass es in diesem Film nicht zimperlich zugehen wird. Er zeigt Nahaufnahmen von allerlei Gegenständen und Waffen, die in den menschlichen Körper eindringen. Und Hardcore hält, was er verspricht: Da werden Körper gesprengt, Hände an den Fingern auseinandergerissen und Eier zerquetscht. Es gibt kaum eine Todesart, die in HARDCORE nicht vorkommt. Alles natürlich in Close Ups und hautnah.

HARDCORE ist pures Adrenalinspektakel, eine gewaltige und gewalttätige Actionshow, reines Attraktions- und Sensationskino vom Feinsten. Es geht nicht um eine schöne und logische filmische Erzählung, sondern um ein Erlebnis. Und das ist HARDCORE zweifellos.

HARDCORE läuft ab dem 14.04.2016 in den deutschen Kinos.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Capelight 2016

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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