DEATHGASM (2015)

Blutig-musikalischer Orgasmus des Wahnsinns

Metal, Satan & Sex: irgendwie gehören alle Drei unweigerlich zusammen. Doch was nach einem Klischee klingt, kommt in diesem Horrorfilm unerwartet frech und erbarmungslos daher. DEATHGASM macht seinem Titel alle Ehre. Denn gestorben wird orgiastisch viel – obendrein gibt es eine Menge cooler Gitarrenriffs zu hören. Reicht das jedoch aus, um eine gute Splatter-komödie werden?

INHALT:
Brodie (Milo Cawthorne) befindet sich ein seiner persönlichen Hölle: Weil seiner Mutter in einer psychiatrischen Anstalt landet, wird er zu seinem Onkel Albert (Colin Moy), seiner Tante Mary (Jodie Rimmer) und seinen Cousin David (Nick Hoskins-Smith) abgeschoben. Die leben in einer spießig Kleinstadt irgendwo auf Neuseeland und sind ehrenwerte und gläubige Christen. Für einen eingefleischten Metaler mit Hang zu harten Gitarrenriffs und morbiden, subversiven Death Metal kein guter Ort, um sich und seine Persönlichkeit entfalten zu können.

Auch in der Schule wird er schnell abgestempelt und landet bei den Einzelgängern und Looser. Das einzig Gute an der Kleinstadt ist ein kleiner Plattenladen. Dort lernt er Zack (James Blake) kennen. Er ist wie Brodie nur noch viel extremer – beide verstehen sich auf Anhieb und gründen eine Rockband. Sie nennen sich: DEATHGASM.

Als sie eines Tages in das verwahrloste Haus eines ehemaligen Rockmusikers eindringen, gelangen sie dort in den Besitz eines Notenpapiers mit lateinischem Titel. Ohne wirklich zu ahnen, was sie dort in den Händen halten, beginnen sie, das Lied in ihr Band-Repertoire aufzunehmen. Doch kaum gelingt es ihnen, fehlerfrei jede Note zu spielen, bricht die Hölle über sie herein und die Kleinstadt wird zum Zentrum einer Zombie-Apokalypse…

FAZIT:
Es erwartet den Zuschauer viel nackte Haut und noch mehr abgetrennte und aufgeschlitzte Gliedmaßen. DEATHGASM von Regisseur und Drehbuchautor Jason Lei Howden ist vulgär und obszön – und er steht dazu. Während Fans dieser Musikrichtung den Splatter zu einem trashig-komischen Meilenstein verklären, fällt dem zart besaiteten Zuschauer wohl der Heiligenschein vom Kopf. Denn Tabus werden hier nicht gebrochen. Ganz im Gegenteil: DEATHGASM hat einfach keine und auch keine Scheu, das bereits in der Einleitung, in der eine verstörte, alte und nackte Frau eingewiesen wird, klar zu machen.

Optisch ist der gesamte Film in eine stimmig-dreckige Kluft gehüllt, die wiederum zur Musik passt. DEATHGASM hat seinen eigenen Stil gefunden und wirkt doch sehr vertraut. Kein Wunder, denn der Film steht in einer langen Tradition von Splatter-Komödien, die frech jegliche gesellschaftliche Tabus ignorieren. So scheut sich der Film auch nicht, in jeglicher Beziehung direkt zu sein. Als Beispiel würde kaum ein Dialog (zwischen Mann und Frau) wirklich so stattfinden.

Natürlich gibt es auch wieder den obligatorischen Love Interest: Der Einzelgänger und die begehrte Blondine Medina (Kimberley Crossman) finden, so ungleich sie eigentlich sein mögen, irgendwie zusammen und wachsen durch die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, zu einer unschlagbarer Einheit heran. Die Musik spielt hier eine besondere Rolle, denn die Blondine, die zunächst nichts von Metal hält, wird durch eine CD der Band zum „guten“ bekehrt.

Die Szenen des Rausches, den die Musik bei den Hörenden auslöst, sind göttlich und entsprechen jedem Klischee guter 80er Jahre Death Metals: Der Hörende fühlt sich auf den Gipfel eines spitzzulaufenden Berges versetzt. In einer Vikingerkriegstracht gehüllt und mit einer mächtigen Waffe in der Hand wird die Unbesiegbarkeit des Metalkämpfers zum Ausdruck gebracht. Zu seinen Füßen liegen zwei halbnackte Frauen, die einander liebkosen und ehrfurchtsvoll zu ihrem Beschützer hinaufsehen (ist bei der Blondie übrigens genauso). Man merkt bei solchen „liebevollen“ Überzeichnungen, dass der Regisseur ein wahrer Fan der Musik ist.

Der Gegensatz von spießiger Frömmigkeit und aufbegehrenden Rebell, der auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist, ist kein neuer, aber in dem Fall ein richtiger Konfliktpunkt, an dem sich der Film aufhängt und mit dessen Motiven er wild spielt. So verkehrt auch DEATHGASM das Gute und Böse miteinander: Der Rebell wird zum vernünftigen Helden, während nach der Verwandlung zum Zombies die wahre Seite des frommen Christen zum Vorschein kommt. Zwar könnten die Zombies zwar ekliger aussehen, sie sind durch ihr sündhaftes Verhalten aber schon eklig genug.

Der anstößige Bezug auf sexuelle Verklemmtheit, die durch Dildoschläge und Vibratorattacken negiert wird, ist dabei ebenso ein motivischer Bestandteil des Films wie die 80er Jahre Metalmusik, die DEATHGASM über die gesamte Strecke des Films stimmungsvoll untermalt. Bereits der Titel wirft das auf, was man im Film erwarten darf. Doch gerade durch all die blutige Gewalt, all die überspitzt, sexistischen Anzüglichkeiten und neckisch-versauten Frivolitäten, die mit okkulten, absurden Handlungssträngen gemischt wurden, macht der Films als rundes, trashiges Gesamtpaket unglaublich viel Spaß.

Die Extras auf der DVD lassen hingegen etwas zu wünschen übrig, reichen aber dem Splatter-Fan, dem es ohnehin nur um den Film geht, völlig aus: Audiokommentar und eine Trailershow, um neue Spaltter abzuchecken. DEATHGASM ist seit dem 04.02.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Tibierus Filmverleih 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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