Filmkritik: DEADPOOL 2 (2018)

DEADPOOL 2 (2018)

Politisch-unkorrekter Meta-Spaß

Das liebenswürdige Arschloch mit dem Schalk im Nacken kann es nicht lassen: In DEADPOOL 2 geht sein Rachefeldzug in die nächste Runde. Und er hat auch wieder allen Grund dazu, ordentlich auszuteilen. Seine Reise macht ihn zeitweise zum X-Men, bringt ihn ins Gefängnis und lässt ihn kurz danach eine eigene Truppe zusammenstellen.

Es passiert eine Menge und nichts ist wirkt wirklich von Deadpool durchdacht. Doch wer braucht schon einen Plan, wenn er zwei Schwerter, stets keinen kessen Spruch auf den Lippen und einen unverwundbaren Körper hat?

 

INHALT:

Wade Willson aka Deadpool (Ryan Reynolds) räumt auf. Nachdem er seinen Peiniger unschädlich gemacht hat, wir er „internationaler“. Weltweit jagt er das organisierte Verbrechen – mit Erfolg. Doch einer ist sehr nachtragend, lauert ihn zuhause auf und es geschieht etwas Undenkbares.

Geschockt verfällt Wade in eine Depression. Die hält nicht lange an. Denn Collossus klopft an und möchte ihn endlich zu den X-Men holen. Endlich stimmt Wade zu. Doch gleich der erste Auftrag ist ein kleines Desaster: Deadpool töten einen Mann. Das sollte er als X-Men eigentlich nicht. Und so landet er, zusammen mit einem hitzköpfigen Jungen (Julian Dennison) im Gefängnis. Der Junge nennt sich „Firefist“, weil er mit seinen Händen alles in Flammen zu setzen kann.

Firefist ist nicht nur der Auslöser für Deadpools Gefängnisaufenthalt, sondern auch ein schlimmer Schurke in der Zukunft. Aus eben jener reist nun Cable (Josh Brolin) in die Gegenwart, um den Schurken noch vor bevor er der Welt Leid zufügen kann, zu töten.

Aber ein Kind töten, noch bevor es böse wird? Das ist selbst dem eiskalten Killer Deadpool zu viel. Er beschützt den Jungen. Der will seine Hilfe gar nicht. Und dann taucht auch noch ein weiter Superschurke auf. Ein Team muss her: Die X-Force wird gegründet.

FAZIT:

Mit einer irren Explosion beginnt DEADPOOL 2. Das könnte auch gleich ein Ende sein. Aber seien wir mal ehrlich: Dieser Held hat gerade erst angefangen. Und doch wird Deadpool im Laufe des Films immer wieder zerstückelt, zerrissen, durchschossen und zerschnitten. So viel Leid, so viel Pech kann ein Mensch gar nicht haben. Aber unser Held schüttelt das alles ab und legt auch diesmal wieder einen zynisch-derben Meta-Humor an den Tag.

Füße weg? Kein Problem, dann wachsen die eben nach. Körper in Fetzen? Ein kleiner Schlaf auf der Couch im X-Mansion wirkt wahre Wunder. Deadpool reißt sich im wahrsten Sinne immer wieder zusammen. Für Kids ist der Film wirklich nichts. Viele Szenen sind sehr brutal, brutaler als zuvor. Und der Humor ist sehr versaut und düster-schwarz.

Schon Deadpools Ausflug ins Hauptquartier der X-Men eine bumskomische Angelegenheit: Er fährt in Xaviers Rollstuhl durch die Gänge, zerschmettert alles, was er berührt und zieht die gesamte Heldentruppe durch den Kakao. Herrlich! Und wo wir gerade beim Humor und seine Metaebene sind: Gleich zu Beginn des Films gibt es einen bösen Seitenhieb auf Wolverine. Man muss tatsächlich mal wieder sehr genau aufpassen und alle Filme des MCU und der X-Men-Reihe gesehen haben, damit einem nichts entgeht. Nebenbei ist der Humor wirklich auf eine fäkalen Pipi-Sex-Ebene. Fans kennen und lieben das. Andere werden davon bestimmt abgestoßen.

Sei es drum. Für Ryan Reynolds ist die Figur jedenfalls ein Segen. Er spielt sie wie ein kleiner Junge, der gerade in die Pubertät gekommen ist und an allem, was viel Bumm Bumm macht und Brüste trägt unfassbare Freude hat. Josh Brolin hat zudem als Cable ein weiteren Platz im Marvel Universum gefunden. Der kleine harte Hund mit Gefühl prischt vor und beweist eine verkappt komische Seite. Wenn Thanos beseitigt wurde, würden ich ihn liebend gern mal in einem eigenen Film als Cable sehen. Collossus Entwicklung vom rechtschaffenen Riesen zum Bad Ass ist zwar nicht ganz nachvollziehbar, aber etwa die Häfte des Films ist ohnehin gegen jede Physik. Bleibt noch einen weiteren Charakter zu erwähnen, die neu eingeführt wurde: Domino. Mit jede Menge Glück als Gabe, einem lässigen Afro und einigen waghalsigen Moves in petto ist sie das saucoole, taffe Gegenstück zu Deadpool. Auch hier freut man sich auf mehr.

Die X-Force hat also Potential und macht viel Freude. Sie peppt die etwas verrannten X-Men-Filme wieder auf. An der Story hätte man jedoch noch etwas feilen können. Ei weiterer Rachefeldzug ist nicht sonderlich innovativ. Aber die Handlung ist nur Mittel zum Zweck. Und der Zweck ist vor allem der Humor. Hier punktet DEADPOOL 2 wie kein anderer Superheldenfilm. Selbst GUARDIANS OF THE GALAXY hat es schwer da hinterher zukommen.

DEADPOOL 2 haut auf die Kacke und toppt seinen Vorgänger um Längen. Der Film ist abwechslungsreich, sprunghaft, romantisch, versaut, dramatisch und blutig. Eben ein echter Familienfilm für Menschen, die ihre Familie lieber zuhause lassen möchten. Nein, dieser Film eckt mal wieder überall an, findet Wege alles ins Lächerliche zu ziehen ohne dabei seine eigene Handlung zu vergessen. Okay, die ist in etwa so dünn wie Deadpools Babybeinchen, aber wen interessiert es? DEADPOOL 2 ist das, was wir alle wollten. Punkt!

DEADPOOL 2 läuft seit dem 17.05.2018 in den deutschen Kinos.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial 20th Century Fox

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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