RACHE – BOUND OF VENGEANCE (2015)

Der Rachefeldzug einer Entführten

Menschen in Extremsituationen und Opfer, die vom Gejagten zum Jäger werden – das alles klingt zunächst nicht sonderlich ungewöhnlich für einen Horrorthriller. Doch in RACHE – BOUND OF VENGEANCE wird das Opfer gar selbst zum Killer. Herausgekommen ist ein solider Vertreter seines Genres, der nicht viel falsch macht, aber leider auch keinen eigenen Charakter entwickelt.

INHALT:

Es war ein heiterer Tag an der Promenade, den Eve (Tina Ivlev) mit ihrer Schwester und ihrem Freund Ronnie (Kristoffer Kjornes) verbrachte. Doch der nahm ein jähes Ende, als sie sich plötzlich in einer Hütte mitten im nirgendwo angekettet und halbnackt wiederfindet. Wochen und Monate vergehen. Die Zeit spielt keine Rolle mehr. Der Drang, zu überleben, aus dieser Situation zu entkommen, bestimmt ihr Leben. Sie wartet auf die richtige Gelegenheit und schlägt dann zu:

Ihr gelingt es, den Peiniger Phil (Richard Tyson), der sie so lange gefangen gehalten ab, zu überwältigen. Nun ist ihre Zeit gekommen. Sie will Rache nehmen, ihn leiden lassen und ihm sein Leben nehmen. Doch dann offenbart er: Es gibt noch mehr Mädchen. Und wenn er stirbt, werden auch diese sterben. Sie geht einen unheiligen Pakt ein und beginnt eine nächtliche Reise von Unterschlupf zu Unterschlupf, um die anderen Opfer aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Doch womit sie nicht gerechnet hat: Manche Mädchen wollen gar nicht befreit werden. Und es gibt nicht nur einen Täter…

FAZIT:

RACHE – BOUND OF VENGEANCE von Regisseur José Manuel Cravioto ist ein Roadmovie-Horrorthriller, der sich episodisch aufgebaut von einer Location zur Nächsten hangelt und eine Spur aus Leichen legt. Das Bündnis aus dem ehemaligen Opfer und ihren mittlerweile schwerverletzten Täter ist das tragende Motiv des Films. Beide liefern sich einen ständigen, psychologischen Machtkampf um Dominanz. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Opfer und Täter immer weiter.

In fragmentarischen Rückblenden, Filmschnipseln, wird die Intention und Motivation des Rachefeldzugs von Eve deutlich. Dieses nachvollziehbare Motiv trägt die Handlung, während die Figuren in der Einzelbetrachtung eher austauschbares Beiwerk sind: Sie ist ein braves Mädchen, dass austickt und nach Rache sinnt und er (Richard Tyson, manchen noch bekannt als bösen Buben aus KINDERGARTEN COP von 1990), ist der miese, hinterlistige Täter, der abseits seines gesitteten Lebens das Extreme sucht. Das ist alles nicht neu und typisch für das Genre. Hier darf man nicht viel erwarten. Wovon solche Figuren mehr Leben, ist die Darstellung dessen. Hier leisten die Schauspieler zwar eine solide Arbeit. Jedoch fehlt allen das gewisse Etwas. Ein Manko, ein Makel, der hängen bleibt, der ihre Rolle gar abhebt aus dem Immer-gleichen. Das wird hier komplett verpasst. Und so bleiben alle Figuren farblos. Schon deswegen wird sich dieser Film wohl nicht für ein Franchise eigen, was wohl auch nicht beabsichtigt war.

Lobenswert sei an dieser Stelle aber erwähnt, dass man gerade den direkten Kontrahenten ein wenig mehr Hintergrundgeschichte gegeben hat. Diese füllt zwar den Charakter der Figuren nicht weiter auf, führt aber die Handlung an sich zu kleinen Twists, die dem weiteren Verlauf der Handlung mit spannenden Futter versorgen, der für einige, unterhaltsame, wenn auch vorhersehbare Momente sorgt.

Doch auch auf Handlungsebene finden sich Ungereimtheiten. So ist zum beispielsweise nicht logisch, warum Frauen an verschiedenen Orten monatelang gefangengehalten werden und erst dann, nachdem sie verbraucht und gebrochen sind, weiterverkauft werden. Obendrein erschließt sich das Konstrukt des Verbrecherrings genau sowenig, wie die Tatsache, dass die Täter unbewaffnet und schutzlos zwischen ihren Verstecken hin und her wandern. Ohne richtige Gegenwehr können diese harten Kerle von kleinen Frauen überwunden werden. Der Rachefeldzug wird so fast zu einem Selbstläufer, der zwar kleine Schwierigkeiten mitbringt, diese jedoch mehr in den anderen Opfern selbst verborgen liegen als an ihren Gefängniswärtern.

Überhaupt ist der Film bestimmt von Affekthandlungen, die manchmal sehr brachial daherkommen, oft aber in ihrer Vorhersehbarkeit blutig dahinplätschern. Selbst der große Überraschungstwist gegen Ende des Films lässt sich schon sehr früh vorausahnen. Spätestens in dem Moment, in dem sie nicht mehr völlig alleine steht, dominiert die Hauptfigur das Geschehen. An diesem Punkt steht sie vor einer Entscheidung. Es ist ein Point of no return, an dem sich herausstellt, ob sie ihr restliches Bisschen Menschlichkeit noch behalten hat oder ihren dunklen Pfad der Rache souverän zu einem blutigen Abschluss führt. Für was sie sich entscheiden wird, müsst ihr schon selbst herausfinden.

Zum Bild/ Ton & Musik:
Getestet wurde die 3D-Blu-Ray. Das Bild war schon in der 2D-Version gestochen scharf. Für einen Direct-to-BD-Film sehr positiv. Der Ton ist gut abgemischt und trägt, ebenso wie die rockige Musik, viel zur stimmungsvollen Atmosphäre bei.

RACHE – BOUND OF VENGEANCE ist alles in allem ein solider Vertreter seines Genres, der ohne Ecken und Kanten ist, aber mit wenig Tiefe und stereotypsich-farblosen Figuren daherkommt. Keine Frage, der Film hat eine spannenden Momente, versteht es seine Motive gut einzusetzen und weiß sich gut zu verkaufen. Doch ihm fehlt Würze, ein Moment, der nicht nur die Figuren, sondern auch den Zuschauer in seinem tiefsten Inneren trifft.

RACHE – BOUND OF VENGEANCE ist seit dem 01.09.2016 auf DVD, Blu-Ray & 3D-Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Tiberius Film 2016

 

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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