PLANET RE:THINK (2012)

Umdenken, reduzieren, regenerieren – Eine Umwelt-Doku.

Wir verbrauchen 87 Millionen Tonnen Rohöl am Tag. 19 Millionen Tonnen davon verbraucht alleine die USA. Die Erde ist in den letzten Atemzügen und wir konsumieren fröhlich weiter. Schon die sehr umstrittene Dokumentation EINE UNBEQUEME WAHRHEIT (2006) von und mit Al Gore sollte eine Warnung an die Menschen sein. Seit dem ist viel diskutiert und wenig getan wurden. Der Film PLANET RE:THINK setzt an diesen negativen Entwicklungen an und schließt die klaffende Lücke zwischen 2006 und 2012.

INHALT:
Ein schlammiger, müllverseuchter Strand irgendwo in Indien. Menschen an der Armutsgrenzen spielen mit ihrer Gesundheit, um ein wenig Geld zu verdienen. Szenenwechsel: Wunderschöne Naturaufnahmen aus der Vogelperspektive. Ein epischer Chorgesang beginnt. Nun wechseln sich diese einzigartigen Bilder von unberührter Natur mit den in schwarz/weiß aufgenommenen Statements von Experten zum Umdenken der menschlichen Müllwirtschaft ab und bilden eine Einstimmung auf das Untragbare: Der Ausbeuten der Ressourcen auf unserer Erde!

Der Film PLANET RE:THINK begibt sich zusammen mit dem Zuschauer auf eine weltweite Reise auf der Suche nach den Hintergründen der Umweltprobleme. Eine Reise von Station zu Station, von Missverhältnis zu Missstand. Eine diese Station ist der Bergstaat Butan. Für die Macher von PLANET RE:THINK ist Butan ein Vorzeigeland. Ihr Projekt: BNG, das Brutto National Glück. Diese alternative Rechnung zum BIP (Brutto Inlands Produkt) geht einen großen Schritt weiter. Denn der Mensch brauch mehr als nur materiellen Bedürfnisse.Von Finanzvermögen, über den Umweltschutz, Kultur, schulische Ausbildung bis hin zu den Schulden des Landes und jedes einzelnen Menschen, in dem BNG wird jeder Aspekt in die Rechnung miteinbezogen.

Von den asiatischen Gebirgen geht es über Grönland unendlichen Weiten mit all seinen noch unentdeckten kostbaren Ressourcen hin zu Indiens Schrottrecycling. Arme Menschen wühlen sich durch Schrottberge und sortieren Elektronikmüll nach Wiederverwertbaren ab: Ein grauer, kaum beleuchteter Raum. Ein Inder sitzt auf dem Boden, hält einen Schrauberzieher in der Hand und zerlegt ein altes DVD-Laufwerk. Berge von getrennten Schrott türmen sich auf. PLANET RE:THINK nennt diese Arbeit eine Schattenwirtschaft, andere nennen es Clean Tech. Im ersten Moment klingt diese Art des Recycling vernünftig und sinnvoll. Im Grunde gehe aber viele Ressourcen dabei verloren und obendrein entstehen großflächige Umweltschäden dabei. Ist das also die weltweite Antwort auf ökologische Nachhaltigkeit? Scheinbar schon, denn der Schrott kommt nicht aus Indien, sondern aus Europa und in USA.

Am Ende von PLANET RE:THINK gibt es aber Hoffnung. Sogar ein wortwörtliches Wunder: Der Wonderbag. Ein bisschen Styropor, ein bisschen Stoff und schon haben afrikanische Frauen eine ökologische Alternative zum kochen gefunden. Die ersten Nationen, Firmen und Menschen nehmen also bereits teil am Umdenken. Doch wir stehen erst am Anfang…

FAZIT:
Umdenken, reduzieren, regenerieren – Der Film PLANET RE:THINK versucht in kleinen grafischen Filmchen dem Zuschauer in leicht verständlichen Schritten die Probleme des exzessiven Verbrauchs von Ressourcen zu vermitteln und reist um die ganze Welt auf der Suche nach Problemen, die wir ohne uns gar nicht hätten. Produziert von der Europäischen Umweltagentur und dem UN Resource Panel schaffte der Regisseur Eskil Hardt mit der Dokumentation PLANET RE:THINK im Jahre 2012 eine Momentaufnahme einer wirtschaftlichen Schieflage auf unserem Planeten.

Interessante Fakten, die oft versteckt in Nachrichtenberichten oder verborgen in wissenschaftlichen Artikel nicht den Weg in das Bewusstsein der Gesellschaft finden, werden in PLANET RE:THINK anschaulich und bildgewaltig vermittelt. Oder war Euch wirklich klar, dass die Großstädte mittlerweile mehr wertvollen Ressourcen enthalten als die Abbaugebiete stellenweise hergeben? Oder das China mit über 90% das weltweite Monopol auf die Herstellung der meisten Elektronikressourcen hat, jedoch nur 25% davon exportiert?

Es wird viel in PLANET RE:THINK gesagt und wenig belegt. Ein echtes Manko für eine wissenschaftlich Dokumentation! Woher stammen die vermittelten Informationen? Wer sind diese Experten? Keiner von Ihnen wird wirklich vorgestellt und am Ende jedes Fakts wird gerne mit einer weiteren, zugegeben auch noch gegen Ende der Dokumentation, wunderschönen Naturaufnahme abgelenkt oder mit erschreckenden Umweltzerstörungen den Zuschauer in eine Schockstarre versetzt.

Und manchmal stellt sich dem kritischen Zuschauer die Frage, was Superzeitlupenaufnahmen von Vulkanausbrüche und wahllose Naturbilder von Flussdeltas und malerischen kleinen Fischerdörfern für einen Mehrwert für den gerade gesprochenen Inhalt haben. Aber wer etwas erzählen möchte braucht eben auch etwas zu zeigen. Am besten etwas, das gut aussieht.

Was haben sich die Filmemacher bei der Musik gedacht? Freilich wechselt mit den Bilder auch immer die Musik und weitestgehend stimmt die Balance zwischen Musik und Bildern. Ab und an ist dem Filmaffen diese jedoch zu episch, zu dramatisch. Und zwischenzeitlich denkt man sogar, lauscht man aufmerksam der Musik, man sei in einem Actionfilm ohne viel Handlung. Denn elektronische Rhythmen passen nicht unbedingt zum sachlichen Hintergrund einer Dokumentation, wie PLANET RE:THINK. Die Musik erzeugt damit Spannung, wo eigentlich keine ist und vor allem keine sein sollte: der Zuschauer sieht ein Team in Grönland Erdproben entnehmen. Sie sind auf der Suche nach wertvoller, seltener Erde für die Elektroindustrie. Es sind Wissenschaftler, die am Ende helfen, unsere Erde weiter auszubeuten. Warum wird diese Handlung so „cool“ von der Musik untermalt?

Doch all die Kritik mal beiseite gelassen: Es ist gut und wichtig, dass es solche Dokumentation, wie PLANET RE:THINK gibt. Denn die Umwelt geht uns alle an und wir haben eben nur diese eine Erde. Phrasen dreschen alleine bringt uns jedoch nicht weiter. Wir müssen eben umdenken und anders, umweltfreundlicher konsumieren lernen. Die Ausrede „Aber was soll ich als Einzelner schon machen?“ kann die Erde nicht gelten lassen, denn der Konsument entscheidet, was er kauft und was nicht. Ob wir es wollen oder nicht, die Industrie beutet solange weiter unseren Planeten aus, wie wir es zulassen. Der Film PLANET RE:THINK setzt genau an diesem Punkt an, wenn gleich er nicht den Zuschauer aktiv zum umdenken auffordert, zeigt die Dokumentation eingängig und gut verständlich, was auf unserer Erde schief läuft.

Seit dem 06.06.2013 ist PLANET RE:THINK, vertrieben von Sunfilm und Tiberius Film, im Handel auf DVD und BLU-Ray erhältlich und für umweltbewusste Menschen mit Sicherheit interessant, denn viel neues erfährt man im Grunde nicht. Für alle Anderen ist sie hingegen Pflicht!

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Weitere Informationen: http://planetrethink.com/

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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