OZZY (2016)

Frecher Hund rennt um seine Freiheit

In dem spanischen Animationsfilm OZZY wird für einen aufgeweckten Hund die plötzliche Reise seiner Herrchen zu einem Horrortrip. Untergebracht in einer Hundepension, die sich als Gefängnis herausstellt, ist er Opfer von Schikanen. Das klingt alles zunächst ganz furchtbar, ist jedoch ein laut bellender Kinderfilm voll von knuddeligem, kindgerechtem Slapstick. Auf dem 24. Trickfilm Festival in Stuttgart durften wir den Film, der bisher noch keinen deutschen Kinostart hat, ansehen.

INHALT:

Terrier Ozzy hat ein schönes Leben. Seine Herrchen sind Comic-Zeichner und er ist ihre Vorlagen. Als „Space Dog“ feiert sein Gesicht Erfolge. Diese sind sogar so groß, dass Herrchen und Frauchen nach Japan auf eine Comic Convention eingeladen werden – und das liebe Töchterchen darf mit.

Ozzy hingegen muss zu Hause bleiben. Zu kompliziert wäre die Reise. Und so beschließt man, ihn in die Fürsorge einer edlen Einrichtung zu geben: Ein Luxus-Hunde-Spa soll es sein. Immerhin gehört Ozzy, auch wenn er hin und wieder für Probleme in der Nachbarschaft sorgt, zur Familie. Für ihn also nur das Beste, koste es, was es wolle.

Doch man lässt sich täuschen. Denn des Hunde-Spa entpuppt sich als eine Fassade für ein Hunde-Gefängnis, indem die Vierbeiner dazu gezwungen werden, am Fließband zu arbeiten. Ein strenges Regiment, angeführt von einem riesigen Bernhardiner als Direktor sorgt für Ordnung im Gefängnis. Obendrein regiert unter den Gefangenen der kleiner, aber fiese Chihuahua Vito, der es gleich am ersten Tag auf den Neuankömmling abgesehen hat.

Ozzy soll der neue Läufer im regelmäßigen Hunderennen, bei dem Gefangene gegen Wärter wetteifern, antreten. Das Rennen wurde bisher noch nie von den Gefangenen gewonnen und Vito rastet nach jeder Niederlage regelmäßig aus. Die Folge: Er landet im Loch. Diesmal soll das verhindert werden, denn Ozzy zeigt Potential. Leider hat er jedoch keine Lust mitzumachen. Der Direktor bekommt das mit und möchte ihn wiederum auf seine Seite ziehen: Er soll mitmachen, aber verlieren.

Ozzy wird von beiden Seiten genötigt, verfolgt aber seinen eigenen Plan. Gemeinsam mit seinen neuen Freunden, einem kurzsichtigen Dackel, einem stummen Wuschel und einem lahmen Terrier plant er den Ausbruch…

FAZIT:

OZZY ist ein Animationsfilm-Spaß aus dem Lehrbuch: Nicht nur, dass süße liebenswerte Charaktere und fiese, aber irgendwie dabei doch sehr knuddelige Schurken aufeinander treffen, liefert der Film auch pädagosiche Werte: Die Familie als Zentrum des Lebens, das Wert von Freundschaft und vor allem das Beharren auf den eigenen Idealen stehen im Fokus. Garniert wird das alles mit einer nötigen Portion Slapstick-Gags für die Kleinen und einer Prise Anspielungen auf die Filmgeschichte für die Großen.

Optisch muss sich der Film nicht hinter den amerikanischen Produktionen verstecken. Auch in Spanien zeigt sich, das Europa in Sachen Animation aufgeholt hat. Allerdings hätte man sich bei der Darstellung der Hunde, vor allem der Gefangenen, noch etwas mehr Vielfalt erhofft. Gerade in Massenszenen wirken die meisten animierten Kläffer doch sehr gleicht.

Etwas mehr Zielstrebigkeit hätte obendrein der Handlung gut getan. So liefert die Geschichte durchaus einige interessante Verzweigungen, diese wirken jedoch wie ein zusammengeflickter Flickenteppich. Man fragt sich, was nun die eigentlich Geschichte ist? Die Familie, die ihren Hund verliert? Der kleine Held, der bei einem großen Rennen antreten und seine Tapferkeit entdecken muss? Der Ausbruch aus einem Gefängnis? Die durchtriebenen Machenschaften eines Betrügers? Oder doch nur die neue Freundschaft zwischen vier Hunden?

Ein erstes Beispiel: Das Gefängnis ist eine Parabel auf einen typischen Gefängnisfilm. Ist gibt fiese Wärter, eine noch fieseren Oberschurken unter den Gefangenen und ein paar Insassen als neue Freunde der Hauptfigur. Die Idee, dass sich dabei die Hunde quasi selbst verwalten, es gar einen Hund als Direktor gibt, ist eine schöne Idee, würde jedoch eher in einem Film wie ZOOMANIA passen, in dem es keine Menschen gibt. OZZY hingegen ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft: Es gibt Menschen. Und diese sind Herrchen von Haustieren. Dieses Weltbild wird aber durch das Gefängnis auf dem Kopf gestellt. Es passt schlicht nicht zu dem, wie sich der Film zunächst vorstellt. Und auch, wenn der aufgebaute Mikrokosmos im Gefängnis in sich stimmig ist und auch viel Unterhaltungspotential findet, so bleibt der Eindruck, dass hier nur Ideen verarbeitet, statt logisch ineinander gewebt wurden.

Ein zweiten Beispiel: Im ersten Abschnitt des Filmes werden Figuren eingeführt. Ozzys Familie wird gar sehr ausgemalt, was natürlich wichtig für den weiteren Verlauf ist. Und doch dient die Familie nur als notwendiger Katalysator für die Haupthandlung im Gefängnis. Auch die anderen Hunde der Nachbarschaft, vor allem eine kesse Hündin, werden zunächst vorgestellt, jedoch schnell irrellevant, obwohl man sich von ihnen mehr wünschen würde. Obendrein verhalten sich die Herrchen mehr als unlogisch, hinterfragen gar später noch nicht mal den Verlust ihre Hundes. Das Herrchen in mir hätte komplett anders reagiert. Aber ohne mehr zu verraten kann ich hier leider nicht weiter ausholen.

Anders ausgedrückt hatten die Macher des Films aber wirklich schöne Ideen, die leider viel zu kurz kommen oder nicht ganz miteinander vereinbar sind. Aber wer weiß, vielleicht kommt bald OZZY 2 und dann hat man schon Ansätze, anhand dessen man nahtlos die Geschichte des kleinen Hundes weitererzählen kann.

Wundern würde es nicht. Denn OZZY lief bereits letztes Jahr in vielen Ländern in den Kinos an. Nicht selten schaffte der Animationsfilm es dabei in die Top 10 der Kinocharts. Der Animationsfilm hatte also schon großen Erfolg. Bei uns und auch in den USA ist er hingegen noch unbekannt. Und das wohl auch deswegen, weil Illumination Entertainment mit PETS letztes Jahren ebenfalls einen Film mit Haustieren herausbrachte – diese Konkurrenz war wohl zu groß. Laut Regisseur Alberto Rodríguez soll OZZY jedoch in den nächsten Monaten auch einen Kinostart bei uns erhalten.

OZZY ist kein Meilenstein der Filmgeschichte, doch der Animationsfilm ist solide und erreicht, das was er erreichen will: eine kurzweilige Unterhaltung für groß und klein. Und ja, auch wenn meine Kritik etwas streng ausfällt, so würde ich mir einen zweiten Teil in jedem Fall anschauen. Denn der Film hat das, was ein guter Animationsfilm für Kinder braucht: Viel Herz – und süße Hunde!

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial 24. Trickfilm Festival Stuttgart

 

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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