MR. TURNER (2014)

Aufstieg und Fall eines grimmigen Genies

So brillant und angesehen er als Künstler war, so sozial inkompetent schien sein Charakter: William Turner. Außerhalb Englands kaum und auch heute noch eher einem kunstinteressierten Publikum bekannt, gilt Turner als einer der größten Maler der Romantik.

Mit dem tragikomischen Biopic MR. TURNER – MEISTER DES LICHTS wurde ihm zu Ehren nun seine künstlerische Hochphase und sein menschlicher Fall auf die Leinwand gebracht. Und eines wird schnell klar: Das Leben eines Künstlers hatte schon immer mehr Schattenseiten, als man an Ruhm jemals ernten könnte.

INHALT:
Grimmig und schweigsam stapft er durch die ehrwürdigen Hallen der Royal Academy. Wenn er den Raum betritt, schweigt selbst der angesehenste britische Maler: William Turner (Timothy Spall) galt schon zu Lebzeiten als Genie. Doch er war auch als Eigenbrötler und unangenehmer Geselle bekannt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Maler kann er sich jedoch nahezu alles erlauben. Jeder sucht seinen Rat und jedes seine Gemälde wird als revolutionär und bahnbrechend verstanden.

Turner reißt für seine Werke durch ganz Europa, füllt hunderte von Skizzenbüchern und lässt keine Weibesbrust ungerührt wie er auch keine Flasche Wein voll zurücklässt. Er genießt sein Leben, weiß jedoch auch von den negativen Seiten. Die Schattenseiten des Lebens bestimmen auch nicht selten seine Werke. So malt er brennende Schiffe auf hoher See, auf den Sklaven, die des Schwimmens nicht mächtig sind, qualvoll ertrinken. Doch auch in der Realität steht nicht alles zum Besten. Sein Vater (Paul Jesson), einst ein angesehener Barbier, ist vor kurzem nur knapp dem Tod entronnen. Ein Verlust wäre für Turner unvorstellbar. Denn sein Vater ist sein engster Vertrauter.

Mit zunehmenden Alter verliert Turner an Sehkraft. Damit verliert er nach und nach seine Gabe zum Malen. Dies hält ihn jedoch nicht davon ab, bis zu seinem Tode weiter zu arbeiten. Auf seiner Reise lernt er eine Frau kennen, mit der er heimlich eine Ehe führt. Von all dem ahnen selbst seine besten Freunde und auch seine Haushälterin etwas nichts. So brillant er war, so verschlossen war er auch…

FAZIT:
Der Film MR. TURNER erzählt das Leben von William Turner von dem Höhepunkt seiner Karriere über seinen tiefen künstlerischen Absturz bis hin zu seinem qualvollen Tode. Sehr lange wurde dafür gekämpft, dass das Drehbuch über den britischen Künstler Turner verfilmt wird. Als nach Jahren endlich die Zusage kam, war auch der Anspruch an die Inszenierung entsprechend hoch. So wurde die Royal Academy möglichst authentisch nachgebaut. Doch nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich sollte alles seine Richtigkeit haben. So machte sich Regisseur Mike Leigh viel Mühe mit der Recherche und Rekonstruktion der damals in dieser Kunstakademie aufgehängten Bilder. Diese Präzision merkt man dem ganzen Film an.

So wird nicht nur Turners Geschichte erzählt, sondern auch sehr eingängig auf die anderen britischen Maler der Epoche eingegangen. Jeder einzelne erhielt im Film Platz, um seine Geschichte zu erzählen. Und auch wenn nicht jeder unbedingt gut dabei weggekommen ist, so ist gerade dieses Wechselspiel zwischen den Künstler ein zentrales Element für die Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit der Inszenierung. Nicht nur die Biografie Turners, sondern eine Vielzahl an Quellen wurde herangezogen, um diese Wirkung erzielen zu können.

Schauspieler Timothy Spall, vielen bekannt als „Wurmschwanz“ in der HARRY POTTER-Reihe, mimt den grimmigen Turner in Perfektion. Die Mischung aus Genie und Ekel gelingt ihm, als spiele er sich selbst. Geradezu verbissen stellt er Turner dar und trifft damit wahrscheinlich geradezu meisterhaft den Charakter des Künstlers.

Gegen Ende zieht sich MR. TURNER jedoch immer weiter in die Länge. Es scheint, als stehe der Film plötzlich unter Zugzwang. So rattern die letzten Jahre nur so dahin, ohne dass diese einen Schluss finden wollen: Fast drei Stunden geht der Film und nimmt dabei kein Blatt vor dem Mund. Vielmehr sieht man den (Ver-)Fall Turners in allen Facetten und Einzelheiten: Von Krankheit gebeutelt, verliert er an Sehvermögen und damit an seiner unvorstellbaren Gabe zu malen, bald versinkt er im Alkohol und liegt schwer hustend im Bett, während er für seine Außenwelt immer noch ein Rätsel bleibt. Am Ende zeigt sich, dass wir alle gleich sind und auch ein großer Künstler nicht vor dem Tod gefeilt bleibt. Nur seine Werke bleiben, verleihen ihn Unsterblichkeit. Eine Ironie, denn die berühmtesten Gemälde zeigen Schiffwracks, Sterbende und einen nicht aufzuhaltenden Fortschritt und symbolisieren damit die Vergänglichkeit allen Lebens.

TURNER schaffte es Kunst und Elend auf wundervoll ironische Weise zu verbinden. Manche Szenen wirken wie gemalt, andere wiederum schrecken fast ab. Der Film ist eine Tour de Force zwischen Freude und Trauer. Nicht selten bleibt dabei ein kurzes Schmunzeln schnell im Halse stecken. Die Realität – auch die eines Genies – hat eben immer zwei Seiten. MR. TURNER gelingt diese Seiten perfekt miteinander zu verbinden.

Das Biopic MR. TURNER – MEISTER DES LICHTS ist ab dem 28.04.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

 

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Ascot Elite Home Entertaiment 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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