MORRIS AUS AMERIKA (2016)

Coming of Age auf Denglisch

Ein großer Geheimtipp vom Sundance Film Festival 2016 kommt endlich auf Blu-Ray: MORRIS AUS AMERIKA. Das einfühlsame Drama von Chad Hartigan wurde bei uns in Deutschland gedreht und behandelt gleich mehrere Themen – wir haben reingeschaut.

INHALT:

Der 13-jährige Afroamerikaner Morris (Markees Christmas) und sein verwitweter Vater Curtis (Craig Robinson) ziehen nach Heidelberg, wo niemand sonst aussieht oder spricht wie sie. Die beiden sind eher Freunde, als dass sie eine typische Vater-Sohn-Beziehung hätten. Morris teilt mit seinem Vater eine gemeinsame Hip-Hop-Leidenschaft und träumt davon, ein großer Rapper wie The Notorious BIG zu werden.

Er fühlt sich in der neuen Umgebung nicht sofort wohl und anfänglich völlig unverstanden. Er vermisst New York, er vermisst die Musik und die Kultur und die Menschen, aber vor allem vermisst er die Vertrautheit. Während Curtis als Trainer eines Profi-Fußball-Clubs arbeitet, beginnt Morris bei Inka (Carla Juri) private Deutschstunden zu nehmen und fängt an, ein Jugendzentrum zu besuchen. Hier geht man automatisch davon aus, dass der neue Schüler als Afroamerikaner Basketball spielen möchte, und als auf dem Schulgelände Marihuana gefunden wird, glauben die Betreuer genau zu wissen, wer der Schuldige ist.

Die Situation verbessert sich, als Morris bei einem Flirt die hübsche 15-jährige Katrin (Lina Keller) kennenlernt. Doch Katrin ist eine Rebellin, die Morris in die ein oder andere schwierige Situation bringt.

FAZIT:

MORRIS AUS AMERIKA ist ein echter Volltreffer. Die 90 Minuten vergehen wie im Flug, denn obwohl der Film ein klassisches Coming of Age-Drama ist, setzen die Macher auf Leichtigkeit in ihrer Inszenierung.

Das beginnt damit, dass sich Morris und sein Vater nach dem Tod der Mutter zwar in einer schwierigen Situation befinden, dennoch aber nicht ihren Humor verlieren. Der geht zwar überwiegend auf Craig Robinsons Kappe, aber auch das restliche Ensemble spielt ganz locker mit Alltagsproblemen, die dann hinterher doch nicht so schlimm sind, wie zunächst erwartet.

Craig Robinson, den wir als Sidekicks aus den Seth Rogen-Perlen wie ANANAS EXPRESS oder DAS IST DAS ENDE kennen, spielt seine bisher beste Rolle, denn man nimmt ihm den überforderten, aber leicht kindlichen Vater absolut ab. Er hat viele lustige, aber auch sentimentale Momente, die oft extrem authentisch wirken.

Der Star des Films ist aber Jugenddarsteller Markees Christmas als Titelfigur Morris. Der Teenager, gefrustet und unglücklich, baut sofort eine Bindung zum Zuschauer auf und kann sofort begeistern, denn er trägt den Film problemlos auf seinen Schultern.

Unter den Nebendarstellern sticht wieder einmal Carla Juri (FEUCHTGEBIETE) hervor, die die leicht verklatschte Nachhilfelehrerin auf charmante Art und Weise auszeichnet.

Neben den klassischen Wehwehchen, die die Pubertät mit sich bringt, spricht MORRIS AUS AMERIKA aber auch andere Themen an: Zum Einen den unterschwelligen Alltagsrassismus, der oft weggelächelt oder mit dem typisch deutschen Witz übertüncht wird, um ihn zu verstecken. Oder auch Verlustängste, sei es mit der ersten großen Liebe oder auch den Tod des Ehepartners.

All das wird sehr feinfühlig angesprochen, ohne großartig auf die Tränendrüse zu drücken. Das Gezeigte wirkt fast schon dokumentarisch, und dadurch so real.

Dazu gesellt sich noch ein ansprechender Soundtrack, der einige Rap-Perlen enthält, mit Beats und Lyrics spielt, aber auch das klassische Klischee vom deutschen Technohörer bedient.

Einzig und allein die klassischen Klischees gegen Ende versauern den Brei etwas, aber dennoch kriegt MORRIS AUS AMERIKA die Kurve und zeigt uns, dass wir das Leben vielleicht etwas leichter schultern können.

MORRIS AUS AMERIKA ist seit dem 19.05.2017 auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

von Salih Yayar

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Farbfilm home entertainment 2017

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Salih Yayar

Salih Yayar

Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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