MAHANA – EINE MAORI-SAGA (2016)

Geheimnisse einer Familiendiktatur

Die meisten kennen den neuseeländischen Regisseur Lee Tamahori – wenn überhaupt – wegen des James-Bond-Films STIRB AN EINEM ANDEREN TAG (2002). Manch einer mag auch seine Filme xXx 2 – The Next Level (2005) und Next (2007) wahrgenommen, aber dabei erst gar nicht auf den Namen des Regisseurs geachtet haben. Bekannt wurde Tamahori allerdings 1994 mit seinem neuseeländischen Film DIE LETZTE KRIEGERIN. Jetzt kehrt er nach Neuseeland zurück und widmet sich in seinem neuen Film den Maoris in den 1960er Jahren.

INHALT:

In den 1960er Jahren an der Ostküste Neuseelands: Die zwei großen Familien Mahana und Poata sind seit Jahrzehnten Feinde und Konkurrenten. Der 14-jährige Simeon ist einer der vielen Kinder der Mahanas. Die große Sippe wird von dem herrschsüchtigen Großvater Tamihana mit strenger Hand geführt. Simeon will die diktatorische Struktur in der Familie nicht einfach hinnehmen und versucht sich dagegen zu wehren. Doch der Großvater hat nicht vor, so ein Verhalten zuzulassen.

Gleichzeitig findet Simeon ein altes Foto, das ihn auf die Spur eines Geheimnisses in der Familie bringt. Die tragische Familiengeschichte, die er dadurch aufdeckt, lässt nicht nur den Großvater und den ganzen Familienzusammenhalt in neuem Licht erscheinen, sondern erklärt auch die jahrelange Feindschaft zu den Poatas.

 

FAZIT:

Es ist nicht leicht, bei der großen Familie der Mahanas den Überblick zu behalten. Vor allem zu Beginn des Films kann man sich die Rollen der vielen Personen in der Familie nicht sofort erschließen. Ist das jetzt die Mutter von dem? Sind diese beiden Geschwister? Ist das der Ehemann von ihr? Das sind Fragen, die man sich zu Anfang des Häufigeren stellen muss. Doch nach und nach wird zumindest die Familienkonstellation der wichtigsten Personen deutlich.

„Wieso müssen alle das tun, was Großvater sagt?“, fragt Simeons kleine Schwester an einer Stelle im Film (jetzt zumindest bin ich sicher, dass es Simeons kleine Schwester ist). Und damit trifft sie den Nagel auf den Kopf, mit dieser Frage beschäftigt sich MAHANA. Der Großvater beherrscht seine Familie wie in einer Diktatur. Nicht immer sind seine Entscheidungen logisch und begründbar. Vieles tut er aus Emotion oder aus Macht – einfach, weil er es kann.

An vielen Stellen im Film wird solche Macht explizit thematisiert – in anderem Kontext außerhalb der Familie, wie zum Beispiel in der Schule. Hier versucht der Lehrer den Schülern zu erläutern, was Macht ist. Warum besitzt jemand Stärke, Kraft und Autorität, auch wenn er körperlich und geistig nicht besonders stark ist? Die Antwort: Wegen seiner Persönlichkeit. In späteren Szenen, etwa im Gericht, wird diese Frage nach Macht und Machtausübung immer wieder aufgegriffen und in Frage gestellt.

Diese interessante Thematik und die durchaus auch spannende Story werden in MAHANA gelungen als Film umgesetzt. Besonders einige ansehnliche Szenen, die toll inszeniert und kunstvoll gestaltet sind, werden in Erinnerung bleiben: das Autorennen zu Beginn des Films, der Schafscherwettbewerb, der Traum von der Brautentführung und besonders die filmisch intensive Darstellung der Auflösung des Familiengeheimnisses – all das lässt MAHANA zu einem runden, stimmigen und unterhaltsamen Film über eine in der Tradition gefangenen Familie werden.

MAHANA ist ab dem 12.01.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Prokino Home Entertainment 2017

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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