LINDENSTRAßE – Der 21. Jahrgang

„Olaf! Olaf! Was ist denn da los?“

Mit einem Kuchen und einem 100 D-Mark Schein wünscht der liebenswürdige Hausdrache ihrem einzigen Sohn alles Gute zum Geburtstag. Der kleine Wonneproppen Olaf wird schließlich schon 50 Jahre alt. Eine Gelegenheit für Else Kling, sich wehmütig an die Kindertage des Imbissbudenbesitzers zu erinnern. Mit dieser Szene in Folge 1041 („Das Wunder“) beginnt nicht nur das 21. Jahr (13.11.2005 – 05.11.2006) der ältesten deutschen Soap – sie stellt gleichzeitig auch den letzten großen Auftritt des Lindenstraßen-Urgesteins dar.

Ein würdevoller Abgang:
Der Abschied von Else Kling (gespielt von Annemarie Wendl †2006)  ist nur ein Highlight, auf das sich standhafte Fans, die schon seit Monaten auf das Erscheinen der neuen DVD-Box (seit Freitag, 22.03.2013 erhältlich) gewartet haben, freuen können. Dennoch sticht „Abschied und Ankunft“ (Folge 1069) nicht allein durch den Tod der 84-Jährigen heraus, sondern vor allem dadurch, wie er passiert und was er für die Zukunft der gesamten Lindenstraße zu bedeuten hat. Mit Else Kling verlässt nämlich nicht nur ein Kopftuch, ein Wischmopp und eine Kittelschürze das Haus Nummer Drei, sondern auch eine Rolle, die die Lindenstraße über 20 Jahre lang ausgemacht hat: Die neugierige, konservative und fluchende alte Kratzbürste, die durch ihr nervendes Verhalten nicht nur die Bewohner der Lindenstraße in den Wahnsinn treibt sondern oft auch den Zuschauer, wenn mal wieder im Hintergrund „Olaf! Olaf! Was ist denn da los?“ in Dauerschleife durch die Wohnung im Erdgeschoss geschrieen wird. Die alte Dame schließt allerdings nicht einfach nur die Augen und hört auf zu atmen – sie schreitet würdevoll in den Tod: Mit einem Lächeln im Gesicht, dem Licht entgegen aus dem Hausflur. Da schießen, trotz allem, nicht nur dem größten Fan die Tränen in die Augen.

Ein Jubiläum und Besuch aus Hollywood:

Und auch sonst hat das Jahr 2005/2006 mal wieder eine Menge zu bieten: Gleich in der ersten Folge passiert ein Wunder. Denn während Else und Olaf Kuchen essen, erwacht im Nebenzimmer Ines Kling aus dem Koma. Nach monatelanger Bewusstlosigkeit muss sich Olafs Ehefrau wieder ins Leben kämpfen. Mit Sprachschwierigkeiten und lückenhafter Erinnerung streift sie durch die Lindenstraße und steht vor der großen Entscheidung, ob sie bei ihrem Mann (von dem sie sich vor ihrem Unfall eigentlich getrennt hatte) bleibt oder wieder zu ihrer Freundin Gabi Zenker zieht, die ebenfalls nicht nur gesundheitliche, sondern auch Veränderungen in der Liebe durchmacht. Kein Wunder! Denn die Liste der Hausbewohner, die im 21. Jahr vor lebenswichtigen Entscheidungen und großen Problemen stehen ist mal wieder lang. Um nur Einige zu nennen: Dr. Carsten Flöter und sein „Käthe“ (Georg Eschweiler), Mary Sarikakis und Vasily, Hajo Scholz, Alexander Behrend oder Irina Winicki. Und auch Helga Beimer (gespielt von Marie-Luise Marjan) hat den einen oder anderen schlechten Tag, an dem ihr mal wieder ihre straßenberühmten Raben-Plätzchen anbrennen, sie mit der kleinen Enkelin Lea überfordert ist („Ich glaube ich bin zu alt dafür!“) oder von ihren Kindern Marion und Klaus zu recht gewiesen wird, weil sie sich mal wieder in ihre Angelegenheiten gemischt hat.

Aber es gibt in diesem Jahr auch viele schöne Augenblicke für die Lindenstraßen-Mutter. Zum Beispiel in Folge 1045 „Happy Birthday“ (Erstsendedatum: 11.12.2005), die gleichzeitig auch ein großes Jubiläum einläutet. Denn nicht nur Nastya (gespielt von Anja Antonowicz) wird an diesem Tag 20 Jahre alt, sondern die ganze Lindenstraße. Außer den melancholischen Erinnerungen, die Helga durchlebt und dem Vorhaben von Ludwig Dressler eine Lindenstraßen Chronik zu veröffentlichen, wird dieser Geburtstag nicht weiter erwähnt und gefeiert. Dennoch werden (leider nur für den Lindenstraßen-Liebhaber der ersten Stunde ersichtlich) bewusst einige Prallelen zur ersten Folge, die am 08.12.1985 über den Bildschirm lief, geschlagen. Zum Beispiel bekommt die, an Masern erkrankte Lea Besuch von Dr. Carsten Flöter. Gelangweilt liegt sie im Bett und wartet darauf, dass sie endlich wieder nach draußen kann. Vor 20 Jahren war es Klaus, der an den Masern litt und vom Arzt untersucht wurde. Damals allerdings von Carstens Stiefvater Dr. Dressler. Ebenfalls gibt es in dieser Folge mal wieder Hausmusik in der Wohnung der Beimers und Vasilys „dunkle“ Seite kommt zum Vorschein. Dieses Mal muss sich Hans Beimer allerdings Sorgen um Mary machen, die nach einem abendlichen Treffen mit Vasily verstört und gezeichnet nach Hause kommt. In der ersten Folge ist es die erst 16-Jährige Marion, die aufgrund einer Verbindung zu dem jungen Griechen für Trubel sorgt.

Ansonsten entwickeln sich im Jahr 2006 neue Lieben; andere gehen bereits vor dem Traualtar, oder durch eine ungeklärte Vaterschaft zu Brüche. Krankheiten, eine Schwangerschaft,  neue Bewohner, aber auch Abschiede stehen auf der Tagesordnung. Sogar Hollywood stattet der Münchener fiktiven Straße einen kurzen Besuch ab: Der inzwischen verstorbene Schauspieler Larry Hagman, bekannt aus der amerikanischen Serie „Dallas“, bucht im Reisebüro einen Flug.  Davon aber abgesehen, sorgt insbesondere ein „Lindenstraßler“ in diesem Jahr für Überraschungen. Von Vielen heiß ersehnt, tritt Penner Harry (gespielt von Harry Rowohlt) für drei Folgen endlich mal wieder in den Fokus des Geschehens. Auf rührende und komische Weise lernt der Zuschauer seinen Vater kennen und erlebt den liebenswerten Obdachlosen erstmalig mit geschnittenem Haar und im Anzug. Doch damit nicht genug: Mutter Beimer gibt sich als Harrys Ehefrau aus und Erich übernimmt die Rolle des „debilen und verfressenen“ Schwagers (Folgen 1060 bis 1063).

Fazit:

Obwohl das Geschehen des Jahres 2006 bald auch auf Einsfestival noch einmal verfolgt werden kann (Zurzeit läuft das Jahr 2005 von Mo. – Fr. um 18 Uhr), lohnt sich ein Kauf der DVD- Box nicht nur für die größten Fans der Fernsehserie, sondern durchaus auch für die „Ab-und-zu-Gucker“. Denn obgleich die Lindenstraße bereits seit 27 Jahren pausenlos jeden Sonntagabend um 18:50 Uhr im Ersten verfolgt werden kann, so beeindruckt sie durch ihre vielseitigen und menschlichen Geschichten, die auch für Diejenigen verständlich und packend sind, die zum ersten Mal einschalten.

Punktabzug gibt es lediglich für den Preis der Box: 75,80 Euro oder 80,90 Euro für die Collectors-Box (enthält einen Original Lindenstraßen-Flaschenöffner) sind für den typischen Otto-Normal-Lindenstraßen-Zuschauer nicht gerade erschwinglich. Allerdings lohnt sich das Warten: Die Folgen des ersten Jahres sind mittlerweile für 29,99 Euro erhältlich.

von Martina Rotzal

Bewertung:
 
 
Die Lindenstraße – Das komplette 21. Jahr (2005-2006)
Folgen: 1041 – 1092
10 DVDs, 1560 Minuten Spieldauer
Vertrieb: MORE Entertaiment
Bonusmaterial: Audiokommentare, Interview mit Philipp Neubauer alias „Philipp Sperling“ und Untertitel für Hörgeschädigte
Erscheinungstermin der nächsten Boxen: Das 22. Jahr (2006-2007) im Juni 2013, das 23. Jahr (2007-2008) im September 2013


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