LILAS BOOK (2017)

Wenn Bücher vergessen werden…

LILAS BOOK ist ein Film, der eine kleine, aber aussagestarke Idee herauspickt und sie in ein Märchen umwandelt, in dem sich Realität und Fiktion auf liebevolle Weise begegnen. Herausgekommen ist etwas, das dem Begriff „Werk“ gerecht wird. Denn es ist Kunst verpackt in eine Kindergeschichte. Gleichermaßen lyrisch, wie pädgogisch strahlt die Leidenschaft zu Büchern heraus, die in der Regisseurin und Drehautorin offensichtlich innewohnt.

Jörg hatte die Gelegenheit LILAS BOOK auf dem diesjährigen Internationalen Trickfilm Festival in Stuttgart anzusehen. Und was soll man sagen? Er ist verzückt.

 

INHALT:

Lila könnte es nicht besser gehen. Sie lebt einer einer wundersamen Welt in einer fantastischen Natur. Dort tanzt, springt, spielt und singt sie unentwegt. Jeder Tag ist so schön wie der Nächste und so voller einzigartiger Erinnerungen wie der Letzte. Doch eines Tages als sie wieder unterwegs zu ihrem Lieblingsbaum war, fällt sie plötzlich aus ihrer Welt hinaus und landet in unsere.

Ihr Welt, ein Buch, ist fort. Doch sie muss es wiederfinden, bevor sie für immer verschwindet und in Vergessenheit gerät. Nur der einstige Besitzer des Buches kann ihr dabei helfen. Doch Ramon muss erst gefunden werden – und er ist kein kleiner Junge mehr. An seine schöne Zeit mit Lila und dem Buch erinnert er sich nur noch vage.

Obendrein muss sich Lila erst an die raue Menschenwelt gewöhnen. Wie gut, dass sie in der kleinen Manuela eine neue Freundin findet. Sie glaubt Lila und möchte ihr helfen. Doch können beide Ramon und auch das Buch wiederfinden? Kann Lila gerettet werden?

FAZIT:

LILAS BOOK ist tatsächlich erst der neunte Animationsfilm aus Kolumbien. In ihm stecken acht Jahre Entwicklung. Warum? Weil das Land noch keine so ausgeprägte Infrastruktur für die Produktion von Animationsfilme hat. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis. LILAS BOOK überträgt traditionelle Werte des Landes und eine zeitlose sowie generationsübergreifende Leidenschaft für Bücher auf einen Film. Und das alles wird in einem eigenen Animationsstil verpackt.

So ist der Ort, in dem weite Teile von LILAS BOOK spielen, eine Adaption des Heimatortes der Regisseurin. Sie versicherte, dass man die Straßenzüge genau so auch dort wiederfinden wird. Filmtourismus, you have a new job! Und nicht nur die Faszination des geschriebenen Wortes spielt in LILAS BOOK eine wichtige Rolle. Auch die Musik als Träger der Erinnerung weist uns einen Weg durch die Geschichte. Tatsächlich spielt der Animationsfilm mit der kolumbianische Fabelwelt.

Der Zauber des Films besteht vor allem in seinen Figuren. Lila ist ein kleines, aber keineswegs naiven Mädchen. Sie ist eine Träumerin, genießt das Leben. Kein Wunder, denn als Buchfigur altert sie niemals und speichert die Freude der Kindheit Zeit ihrer Existenz. Umso dramatischer ist daher Lilas Entwicklung im Laufe des Abenteuers. Denn die Konfrontation mit Unglück und Verlust verändert ihr kindliches Weltbild, ja zerbricht gar beinahe etwas in ihr. Doch ihre Hoffnung an die Kinder ist stark und wird bestätigt.

LILAS BOOK ist eine Metapher auf das Sterben. Der Animationsfilm bringt den kleinen Zuschauer daher auf kindgerechte Weise den Tod näher. Doch hier stirbt niemand. Vielmehr werden fortwährend Büchern und Geschichten vergessen. Die Bücher landen an einem düsteren Ort, wo sie verbrannt werden. Genau von dort müssen die drei Kinder Lilas Buch retten, damit auch Lila gerettet werden kann.

Der Film ist aufgeladen mit den richtigen Werten für einen Kinderfilm: Freundschaft, Mut und Zusammenhalt prägen LILAS BOOK und machen ihn pädagogisch wertvoll. Obendrein ist er eine zauberhafte Liebeserklärung: Nach LILAS BOOK möchte man sofort die Dachböden und Keller durchwühlen und sein altes Lieblingsbuch aus der Kindheit heraus kramen. Hoffen wir, dass die schönen Geschichten und Erinnerungen von einst niemals verblassen, dass kein Buch vergessen wird – weder die Guten noch die Schlechten.

LILAS BOOK hat zur Zeit noch keinen Starttermin in Deutschland. Vermutlich wird der Film auch nur Direct-to-DVD herauskommen. Wem der Film begegnet, der soll zupacken und ihn nie wieder loslassen.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Trickfilm Festival Stuttgart

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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