LA ISLA MINIMA – MÖRDERLAND (2014)

Mördersuche auf Spanisch

La isla mínima gehörte 2014 zu den erfolgreichsten Filmen Spaniens. Sagenhafte zehn Goyas, dem größten Filmpreis des Landes, konnte die Mörderhatz von Regisseur Alberto Rodriguez einheimsen. Jetzt kommt das Kriminaldrama endlich zu seiner deutschen Veröffentlichung. Ob die mittlerweile über 30 Auszeichnungen berechtigt sind, erfahrt ihr in dieser Kritik.

INHALT:

Im Marschland am Unterlauf des Guadalquivir, im Süden Spaniens, treibt ein Serienkiller sein Unwesen und bringt auf brutale Weise zwei Mädchen um. Die aus Madrid entsandten Kriminalbeamten Pedro (Raúl Arévalo) und Juan (Javier Gutiérrez) ermitteln gemeinsam in diesem Fall. Ihre Zusammenarbeit wird sehr bald auf die Probe gestellt, haben doch die beiden unterschiedliche Ideologien. Zusätzlich wird Juan von seiner Vergangenheit eingeholt, welche die Beziehung der beiden zusätzlich belastet. Nur ihre Berufung als Kriminalpolizisten treibt Pedro und Juan dazu an, ihre Differenzen zu überwinden und gemeinsam den Fall zu lösen.

FAZIT:

In der Presse wird MÖRDERLAND gerne als spanische Antwort auf die erfolgreiche Serie TRUE DETECTIVE gehandelt. Dabei wird allerdings außer Acht gelassen, dass die spanische Produktion bereits lange vor der Ausstrahlung der US- amerikanischen Serie begann. Der eigentliche Pate des Films ist für mich daher jemand anderes: Truman Capote. 1956 veröffentlichte der exzentrische Autor seinen auf Tatsachen beruhenden Roman „Kaltblütig“. Das Buch war damals eine Sensation, denn im Grunde genommen handelte es sich um eine wahre Geschichte, die Capote nach langer Recherche am Tatort und stundenlangen Gespräche mit den Zeugen eines Mordfalls in Westkansas in eine spannende Novelle packte. Auch nimmt MÖRDERLAND oft Bezug auf Capote, der immer wieder im Film erwähnt wird. Das nur am Rande.

MÖRDERLAND zeigt im Grunde die aufreibenden Ermittlungen zweier Polizisten, die mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben. Da hätten wir den jüngeren Pedro, der Moral und Justiz sehr ernst nimmt und sich nebenbei um seine hochschwangere Frau sorgt, die im weit entfernten Madrid auf ihren Ehemann wartet und ihn am Telefon oft auf Geduldsproben stellt. Juan auf der anderen Seite, der Trinker, Schläger und Womanizer, der eine dunkle Vergangenheit hinter sich haben zu scheint. Wenige Jahre nach Zusammenbruch der Franko-Diktatur scheint der Ermittler mit etwas zu kämpfen, das ihn in seiner Arbeit oftmals aufhält, fast schon lähmt. Darsteller Javier Gutiérez verleiht seiner Figur gleichzeitig die eindringlichste Schauspielleistung von MÖRDERLAND. Irgendwo zwischen Sauflaune und Verbitterung gibt Gutiérez zahlreiche Facetten zum Vorschein, die absolut fesseln. Seine Auszeichnung als Bester Hauptdarsteller bei den Goyas kommt vollkommen verdient. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood an die Tür klopft.

Dazu kommt eine sehr stilsichere Inszenierung, die mit fast schon elegischen Bildern eine ganz starke Atmosphäre schafft. Die Macher verzichten auf reißerische Bilder, die wundervolle Landschaft des Marschlandes in Spaniens Süden werden hin und wieder durch Blutspritzer und Schusswechsel vermischt und sorgen für eine bedrohliche Ruhe auf dem Land. Die Kameraarbeit erinnert dabei stark an Filme wie PRISONERS oder eben TRUE DETECTIVE, ohne zu kopieren. Ein echtes spanisches Produkt also, denn der spanische Film ist für seine Ruhe bekannt.

Das Storygeflecht bleibt dabei sehr undurchsichtig und spannend, denn der Film lässt es gar nicht erst zu, einen Täter von selbst zu finden. Dadurch bleibt MÖRDERLAND durchgehend spannend und interessant. Aber aufgepasst: Die 95 Minuten verlangen dem Zuschauer einiges ab, denn permanentes Blicken auf das Handy ist nicht. Jeder verlorene Dialog ist gleichzeitig eine verlorene Erkenntnis.

Für Neulinge im spanischen Genre ist MÖRDERLAND der perfekte Einstieg, denn er bewegt sich gekonnt irgendwo zwischen Mainstream und Arthouse.

Extras:
Trotz der Entfernung zum spanischen Kino nimmt Koch Media die Möglichkeit wahr, einige interessante Extras auf die DVD/BluRay zu packen: Zu den Standards wie Trailer und Making Of gesellen sich Outtakes, Entfallene Szenen, ein Videotagebuch, ein Behind the Scenes, ein Special zur minimalistischen Musik, Artworks, Storyboard und Drehbuch, die einige kurze, aber interessante Einblicke in die Produktion geben. Lobenswert!

Bild & Ton:
Der Bildtransfer ist äußerst gelungen. Uns lag zwar nur die DVD vor, aber diese begeistert mit gutem Schwarzwert und Kontrast. Die trügerische Idylle des Guadalquivir kommt extrem zur Geltung. Die BluRay sollte in dem Fall für noch mehr Stimmung sorgen.

Die Abmischung des 5.1 Sounds ist ebenfalls top, auch wenn kein Soundwunder zu erwarten ist. Die Dialoge sind gut abgemischt, dazu kommt ein zurückhaltender Bass und auch die Höhen des zurückhaltenden Soundtracks sind immer gut zu vernehmen. Auch die deutsche Synchro ist absolut lobenswert, hier wurden ausnahmslos renommierte Sprecher wie Tobias Kluckert (u.a. Gerard Butler) und Marcus Off (Johnny Depp in Fluch der Karibik) verpflichtet.

LA ISLA MINIMA – MÖRDERLAND ist ab dem 27.10.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

Von Salih Yayar

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Koch Media 2016

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Salih Yayar

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Hey, ich bin Salih, 28 Jahre alt, kinosüchtig und Serienfreund. Große Epen, Sci-Fi und Independent sind mein Ding - also eigentlich alles. Und wenn ich nicht gerade über Multimedia oder Politik diskutiere, versuche ich selber mal etwas auf die Leinwand zu zaubern. Meistens kläglich.
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