VAIANA (2016)

Hawaiianische Seefahrt mit Halbgott & Hahn

Disney letzter, traditioneller Film zur Weihnachtszeit machte richtig warm ums Herz: VAIANA entführt uns in eine karibische Sagenwelt mitten auf hoher See. Nun ist der Animationsfilm auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich. Wir durften vorab in den blaue Scheibe hineinschauen.

INHALT:

Vaiana ist die Prinzessin eines kleinen Inseldorfes auf den karibischen Inseln und fasziniert vom Meer. Doch ihr Stamm, einst ein Volk von stolzen Seefahrern, hat sein Handwerk schon lange vergessen. Denn ein unheimliches Wesen reagiert die See und macht die Fahrt von der Insel fast unmöglich. Aber eine Dunkelheit breitet sich aus und droht die Insel zu verschlingen. Nahrungsmittel verderben und Fischgründe sind erschöpft.

Vaiana wird entgegen den Willen ihres Vaters von der See dazu auserkoren, eine wichtige Aufgabe zu übernehmen: Das unheimliche Vulkanmonster Te Ka wurde vor vielen Jahrzehnten aufgeweckt vom Halbgott Maui, der das lebensspendende Herz der Göttin Te Fiti raubte und eigentlich den Menschen bringen wollte. Seine Tat geschah jedoch mehr als Selbstzweck, denn auf altruistischen Belangen heraus. Vaiana muss ihn finden und dazu bringen, den Stein zurückzubringen. Nur so kann die Dunkelheit überwunden und der Stamm gerettet werden. Der Halbgott hat jedoch zunächst ganz andere Pläne…

FAZIT:

VAIANA ist zunächst eines: wunderschön. Die Optik des Animationsfilms ist wirklich so realistisch, dass ich bei einigen Szenen genauer hinsehen musste, um wieder wahrzunehmen, dass es sich um einen Film, der am Computer entstand, handelt. Vor allem die Wasseranimation, die Wasserspiegelungen des Himmels und die tropische Insellandschaft sehr wirklich klasse aus.

Doch wo die Optik stimmt, da ist oft die Story etwas mau. Und wahrlich man hätte den Film, was zweiteres angeht, auch durchaus auf 40 Minuten herunter kürzen können. Denn im Grunde passiert im Film recht wenig. Es sind gar einmal mehr die von mir so häufig in meinen Kritiken zitieren alten Bekannten: Eine Mädchen mit Träumen widersetzt sich den alten und starren Regeln ihres Vaters, wird zur Auserwählten für eine wichtige Mission, trifft auf Verbündete und muss auf einer waghalsigen Reise das Böse bekämpfen, damit das Gute siegt.

Der Film zieht sich selbst in die Länge, weil er sehr wohl um seine herausragende Optik weiß. Die Fahrt auf dem Meer, das tropische Inselsetting wird im vollem Umfang ausgereizt und von allen Winkeln her dargestellt. Vergleiche mit den ewig-langen Einstellungen aus ALICE IM WUNDERLAND: HINTER DEN SPIEGELN kommen auf. Denn auch dort wirkte die Zeitreise irgendwann wie eine künstliche Verlängerung des Films. Aber der Vergleich wäre ungerecht, würde man ihn auf den ganzen Animationsfilm übertragen. Denn VAIANA hat mehr Positives, denn Negatives.

Neben der Optik sind es mal wieder die Charaktere, die überzeugen können. Vaiana als Stammesprinzessin reiht sich irgendwo zwischen Pocahontas und Elsa aus DIE EISKÖNIGIN ein. Sie ist tapfer, selbstbewusst und gibt sich niemals geschlagen – eben eine wahre Kämpferin und Lebensakrobatin. Ihr zur Seite steht eine mächtige Masse von einem Krieger. Halbgott Maui ist ein selbstverliebter Gockel, der jedoch das Herz am rechten Fleck, auf seinem Weg zur Selbstfindung jedoch den falschen Pfad eingeschlagen hat. Die beiden bieten sich einen herrlichen Schlagabtausch bevor sie als Freunde zueinanderfinden.

Ja, richtig! VAIANA ist zur Abwechslung mal keine Liebesgeschichte. Die Prinzessin bekommt also nicht ihren Prinzen, sondern „nur“ den Ruhm ihres Volkes. Zum Glück!

Auch die Großmutter, ein typisch-schurllige kleine Frau, die viel über die Vergangenheit und die Geheimnisse ihres Dorfes weiß, hat nicht nur ihre Daseinsberechtigung, sondern auch ihre hellen Momente voller Lacher. Die Krone der Komik gebührt aber einem anderen Gockel. Ja, Maui ist nicht der einzige. Als blinder Passagier reist Heihei mit und hat dabei nicht alle Latten am Zaun. Dieser selten dämliche Hahn ist so eingeschränkt im seinen Denken und hat nebenbei noch so viel Glück, dass diese urkomische Blödheit und Tollpatschigkeit, die sich daraus ergibt, fast wehtut – und zwar im Zwerchfell des Zuschauers. Vergesst die Möven aus FINDET NEMO, vergesst die Katze aus PETS und vergesst die Dodos aus ICE AGE. Diese Gockel hat Hitpotential!

Mit VAIANA widmet sich Disney erstmals der hawaiianischen Sagenwelt. Allein das erfrischt und ist mal etwas komplett Anderes. So war zumindest mir diese gänzlich unbekannt. Es gefällt jedoch, dass Disney sich über den Tellerrand der europäisch-arabischen Märchenwelt wagt und neue Grenzen und Möglichkeiten auslotet. Bei den ganzen Realfilm-Remakes ihrer Klassiker waren neue Welten längst überfällig. Und so setzt Disney nach KÜSS DEN FROSCH, MERIDA und DIE EISKÖNIGIN die Reihe der neuen Heldinnen erfolgreich weiter fort.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass auch gesungen wird? Nein. Also es wird auch gesungen. Und das gar nicht mal so schlecht. Die Lieder sind zwar keine, die besonders hängen bleiben, aber sie kommen mit einem karibischen Rhythmus daher und passen zum Film. Hier haben wir ein zweites Mal Glück, denn die Helene Fischer-Version des Titelliedes „How far I’ll go“ erwartet uns erst im Abspann.

Extras:
Gleich zwei Kurzfilme sind auf der Blu-Ray mit enthalten. Außerdem jede Menge Making of-Material, unter anderen über die Animation, die Inselmode und die Musik, zum Film enthalten. Abgerundet werden die Extras mit zusätzlichen Songs und Szenen sowie das Musikvideo zum Titelsong gesungen von Alessia Cara.

Insgesamt ist VAIANA ein sehr unterhaltsamer Film geworden. Und auch wenn die Story selbst etwas dünn ist, so überwiegen die anderen Elemente des Films und machen ihn sehenswert.

VAIANA ist ab dem 20.04.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Disney 2017

© Disney

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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