TSCHICK (2016)

Zwei junge Bad Boys on the Road

Fatih Akin (GEGEN DIE WAND/ THE CUT) hat den mehrfach ausgezeichneten Jugendbestseller Tschick von Wolfgang Herrndorf verfilmt. Entstanden ist ein sehenswerter Jugendfilm, den man auch als Erwachsener wunderbar anschauen kann.

INHALT:

Der 14-Jährige Maik ist der „Psycho“ der Klasse. Er ist nicht sehr beliebt, hat keine Freunde und seine große Liebe Tatjana beachtet ihn nicht. Seine freundliche Mutter ist alkoholabhängig, sein strenger Vater beschäftigt sich mehr mit seiner jungen Geliebten. Kurz vor den Sommerferien kommt ein neuer Schüler in die Klasse: Tschick. Er ist der typische Assi. Weder Maik noch die anderen in der Klasse können ihn leiden.

Doch Maik und Tschick verbindet das Außenseiterdasein: Sie beide sind die einzigen, die nicht zu Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen werden. Als Maiks Mutter in den Ferien einen Entzug macht und Maiks Vater mit seiner Geliebten wegfährt, steht Tschick plötzlich mit einem gestohlenen Auto vor der Tür. Nach einem kurzen Abstecher auf Tatjanas Party, fahren die zwei Jungen einfach drauflos. Ziel: die Walachei.

FAZIT:

Jugendfilme sind eine schwierige Sache. Die Gefahr ist: Entweder sie werden zu kindlich und zu naiv oder zu gewollt cool – und dabei wollen sie meist noch unbedingt pädagogisch wertvoll sein. TSCHICK ist eines der wenigen gelungenen Beispiele, das ohne erhobenen Zeigefinger gleichzeitig realitätsnah, modern und unterhaltsam daherkommt. Vor allem besticht er mit seiner Mischung aus Witz, tollen Bildern, Action und amüsanten (pseudo-)philosophischen Gesprächen der zwei Jugendlichen.

Dabei hält Fatih Akin stets die Sicht der Jugendlichen ein. Es ist kein naiver Blick auf die Welt. Es ist ein Sog rebellischer Freiheit, an der die Protagonisten schnuppern. Dabei geht der Film – in Hinsicht auf das Alter der Protagonisten – erfreulich offen mit dem Thema Sexualität um. Dass das Ganze so gut funktioniert, liegt auch stark an der durchaus guten Leistung der Jungschauspieler.

Besonders positiv fallen aber die erstaunlich vielen, tollen filmischen Einfälle von Fatih Akin auf – ob verrückte Kameraeinstellungen, heranschwebende Personen, außergewöhnliche Schnittfolgen oder die in die Handlung eingebauten Phantasien Maiks, wie man sie etwa aus „Scrubs“ oder „Ally McBeal“ kennt. Mit Kleinigkeiten, nur punktuell und zurückgenommen eingesetzt, überrascht und erstaunt Akin immer wieder. Er zeigt mit TSCHICK erneut seinen tollen Blick für Filmbilder und setzt die Landschaft Ostdeutschlands toll in Szene. Nur in der späteren Mitte des Films wird TSCHICK etwas träge, bevor er gegen Ende wieder an Fahrt gewinnt.

Extras:

TSCHICK erscheint am 09.03.2017 auf DVD und Blu-Ray. Die Aufbereitung muss man loben: Das Bild ist extrem scharf, der Ton sehr gut ausgesteuert. Vor allem glänzt sowohl die Blu-Ray als auch die DVD mit einer üppigen Ausstattung an Extras: Making of, Musikvideos, Audiokommentare, Interviews, Deleted Scenes, Outtakes, Trailer und noch vieles mehr.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial StudioCanal 2017

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Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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