THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR (2016)

Superhelden-Fight Club fürs Heimkino

Mit dem ersten Film der dritten Phase des MCU’s hat sich Marvel/ Disney gleich einmal eines der großen Highlights im Comic-Universum als Handlungsspielraum ausgeschaut: Die Avengers brechen auseinander und die Welt bleibt nahezu schutzlos zurück. Nun ist THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR fürs Heimkino erhältlich. Für Jörg Grund genug, auch mal seine Eindrücke über den Film zu Papier zu fassen.

INHALT:

New York und Sokovia zwei Orte, an denen die Avengers ihre Fähigkeiten als Beschützer der Erde unter Beweis gestellt haben. Aber auch zwei Orte, an denen Trümmerfelder zurückblieben und an denen es viele zivile Opfer zu beklagen gab. Sind Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson), Vision (Paul Bettany), Scarlett Witch (Elizabeth Olson), War Machine (Don Cheadle), Falcon (Sam Wilson) und Hawkeye (Jeremy Renner) wirklich die Richtigen für diesen Job? Sollten die „Helden von New York“ unter behördlicher Aufsicht gestellt werden? Oder sollten sie gar ganz aus dem Verkehr gezogen werden?

Tony Stark aka Iron Man ist für diese Aufsicht. Steve Rogers aka Captain America ist hingegen weiterhin für die Autarkie der Helden – schon aus dem Grund, weil jene Nation, der die Superhelden unterstehen, einen ungleichen Vorteil hat. Außerdem taucht sein alter Kumpel Bucky Barnes (Sebastian Stan), auch bekannt als Winter Soldier, wieder auf. Wieder zur Vernunft gekommen, hat er die Gehirnwäsche hinter sich gelassen und möchte sich rehabilitieren. Doch er wird nach wie vor gejagt. Rogers ist überzeugt von seiner Unschuld und stellt sich auf seine Seite und damit auch gegen Iron Man.

Es bilden sich zwei Lager und der Konflikt schürt sich zu. Neue Helden, wie Black Panther (Chadwick Boseman) und Spider-Man (Tom Holland), Ant-Man (Paul Rudd) werden rekrutiert, um die eigenen Reihen aufzufüllen. Doch während die Helden ihren Privatkrieg austragen, schmiedet Zemo (Daniel Brühl) im verborgenen Pläne, um die Integrität der Helden weiter zu schwächen…

FAZIT:

Zum Auftakt der dritten Phase direkt Mal ein einschneidendes Ereignis in Marvel-Universum. Doch während in der Comic-Vorlage hunderte von Helden und auch Schurken auf verschiedenen Seiten gegeneinander antreten, sind es im MCU nur eine Hand voll Maskierte, die sich zu einem Privatkrieg positionieren und mit ihrem Gewissen und ihrer Loyalität zu ihren alten Freunden hadern.

Kollateralschaden, Materialschlacht & ein Heldentum am Ende

Der Bruch des Heldenbündnis ist das zentrale Element von THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR. Ausgelöst wird dieser durch die weltweite Kritik an den Superhelden selbst. Zwar gibt es unter der Bevölkerung auch viele Befürworter, aber es kommen zunehmend Zweifel an der Vorgehensweise der Helden auf. Vor allem die rücksichtslose Zerstörung in zivilen Wohngebieten und die damit einhergehende Kollateralschäden werden stark kritisiert. So fordern führende Regierungen auf der Erde mehr Kontrolle über die Avengers. Ein nachvollziehbarer, wie authentischer Erzählstrang, der dem MCU ein wenig mehr Authentizität verleiht.
An dieser Kritik zerbrechen die Avengers. So schlägt sich Tony Stark, der spätestens nach seiner Konfrontation mit dem Mandarin an sich als Held zweifelt, auf die Seite der Regierungen. Während Steve Rogers die Autarkie der Helden behalten möchte, weil er durch die Unterwanderung von S.H.I.E.L.D. gesehen hat, wie prekär es ist, auf eine große Organisation zu setzen. Doch sind Superhelden, auch wenn sie sich gerade erst wirklich offenbart haben, wirklich die richtige Antwort auf weltweite Krisen? Oder rufen diese mächtigen Helden erst das unfassbare Böse hervor? Sollten die Maskierten Vigilanten eventuell ihr Heldentum ganz aufgeben? Ein wirklich interessanter Ansatz für einen Blockbuster, der in so einer Tiefe auch in THE DARK KNIGHT (2008) nicht zu sehen war.

Trotz dieser „Handlungstiefe“ kommt natürlich die Materialschlacht nicht zu kurz. Ganz im Gegenteil. Denn die Heldenklopperei macht schon eine Menge Spaß. Wo wir gerade bei Spaß sind. Der Marvel-Humor ist wieder inklusive und wird dieses Mal vor allem durch seinen neuen Helden (Spider-Man) getragen. Insgesamt ist aufgrund des Themas die Grundstimmung des Films jedoch deutlich gesetzter, düsterer und ernster.

Intrigen & schwache Schurken

Seine Absichten sind diffus und die Ausführung seiner Pläne inkonsequent wie unlogisch. Einzig seine Motivation ist nachvollziehbar. So gesehen ist dieser Schurke, den wir in THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR kennenlernen, genau der Richtige für die verworrene Situation, in der man sich hier befindet. Denn die Erde ist durch den Konflikt zwischen den Helden geschwächt. Dies nutzt Zemo, um unentdeckt seine intriganten Fäden zu spinnen. Das besondere an diesem Schurken: Er hat keine besonderen Superkräfte und beweist, dass sich die Regierungen der Erde selbst vor „normalen Terroristen“ nicht mehr ausreichend schützen können. Die Unschuldsmiene eines Daniel Brühls passt daher gut zu Figur und war bei weitem keine Fehlbesetzung. Und doch bleibt, trotz dem großen Talent des Schauspielers, seine Rolle eher farblos und leer.

Die neuen Helden

Wir haben alle auf ihn gewartet: Spider-Man ist tatsächlich Teil des MCU’s. Nach Jahren einer ungünstigen Rechteverlagerung einigten sich Sony Pictures, wo aktuell die Vermarktungsrechte des Charakters liegen, und Disney/ Marvel darauf, den Spinnenjungen in das Franchise aufzunehmen. Eine Wohltat, denn Spider-Man bringt direkt eine Menge ungestümen, aber frischen Wind in die Reihe. Besonders schön sind nicht nur seine stets witzigen Actionszenen, sondern auch sein Fanboytum gegenüber die anderen Avengers. Die Sympathien liegen so vollends auf seiner Seite.

Sympathie, die hingegen bei Black Panther noch fehlen. Der Sohn eines afrikanischen Politikers, der anfangs stocksteif und bitter ernst herüberkommt und auf den ersten Blick seine gute Seite nicht wirklich zu offenbaren weiß, steigert sich als Figur zwar im Laufe des Films. Besonders große und entscheidende Momente erhält er jedoch nicht. Dies wird sich wohl alles in seinem eigene Film nächstes Jahr ändern.

Extras
Bei den Extras auf der Blu-Ray wird mal wieder in die Spaß-Schublade gegriffen: Neben ausführlichen Featurettes, die mehr über die Produktion erfahren lassen und zusätzlichen Szenen finden sich auch Pannen vom Dreh – wirklich witzig.

Insgesamt ist THE FIRST AVENEGER: CIVIL WAR wohl einer der komplexesten, aber nicht einer der besten Filme des Marvel Cinetamtic Universe. Denn er kränkelt an der ein oder anderen Stelle. Vor allem bei der Anzahl an Helden kommt so mancher etwas zu kurz. Schön ist aber, dass man sie alle mal sieht – alle? Wo war eigentlich Hulk und Thor? Das werden wir wohl nächstes Jahr erfahren.

Es gelingt zudem, keine großen Logiklöcher zu erzeugen. Das Superhelden Come Together macht daher zu jeder Zeit Spaß und bietet auch nötige, wenngleich manchmal etwas an der Oberfläche kratzende Hintergründe, die dem MCU als Ganzes gut tun.

Vielmehr noch läutet der Film tatsächlich eine neue Phase ein, in der die bekannte Heldentruppe auseinander bricht und so neue Helden heranwachsen müssen, die das Vakuum füllen und wieder Stabilität bringen. Ein wichtiger Schritt, denn Thanos, der Hauptgegner, wartet bereits im Hintergrund auf seinen Einsatz.

THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR ist ab dem 07.10.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

Von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Disney/ Marvel 2016

© Disney

Jörg Gottschling

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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