THE F-WORD (2015)

Freundschaft ist ein Irrglaube

 

In THE F-WORD wird aus Fremden eine kurzweilige Freundschaft – nicht mehr und nicht weniger. Wallace sucht nicht explizit nach einer neuen Beziehung und Chantry steckt bereits mitten drin. Die perfekte Ausgangsposition für eine unverfängliche, kurzweilige Verbindung von Lebenslinien. Doch wo Freundschaft entsteht, sind Gefühle oft nicht weit.

INHALT:

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als der Ex-Medizinstudent Wallace (Daniel Radcliffe) seine Freundin dabei ertappte, wie sie sich mit einem anderen Mann vergnügte. All die Monate verkroch er sich zu Hause, schwor der Liebe ab und blieb dem Leben fern. Dies soll sich nun ändern. Gleich einer Reinigung der Seele löscht er die letzte Nachricht, die er von seiner Ex im Handy gespeichert hat. Er ist bereit für einen Neuanfang.

Auf einer Party seines besten Freundes Allan (Adam Driver) lernt er dessen Cousine Chantry (Zoe Kazan) kennen. Sie ist Comiczeichnerin, blond, schlank, hat einiges im Kopf und teilt mit Wallace dieselbe Art von Humor. Beide verstehen sich auf Anhieb und beginnen ein zwangloses Gespräch über schlechte Kühlschrankgedichte, die Fettleibigkeit von Elvis und die Liebe. Als der Abend endet will es der Zufall, dass beide zur gleichen Zeit gehen wollen und auch noch in dieselbe Richtung müssen. Wallace bringt Chantry zur Tür ihrer Wohnung, sie verabschieden sich, Chantry gibt ihm ihre Telefonnummer und er erfährt, dass sie einen Freund hat – wie resignierend!

Wallace beschließt, sich nicht mehr bei ihr zu melden. Doch beide Wege treffen sich einige Wochen danach erneut im Kino und nach kurzen Verhandlungen steht fest: Sie wagen den Versuch einer Freundschaft – nicht mehr und nicht weniger. Der Versuch gelingt und es entsteht ein reger E-Mail-Verkehr aus dem bald regelmäßige ungezwungene Treffen werden.

Richtig kompliziert wird diese junge Freundschaft jedoch ab dem Punkt, als Chantry Wallace zum Essen zu sich nach Hause einlädt und er ihren Freund Ben (Rafe Spall) kennenlernt. Dieser zeigt sich alles andere als begeistert von dessen gemeinsamen Aktivitäten und sieht in Wallace einen Konkurrenten – und auch wenn Wallace es sich bisher nicht eingestanden hat, ist er das in gewisser Weise sogar…

 

 

FAZIT:

Von seinem Stil her erinnert THE F-WORD an Filme von Zach Braff (GARDEN STATE, WHIS I WAS HERE). In den clever geschriebenen Dialogen sitzt jeder Satz. So wird aus einem normalen Gespräch schnell ein offener, verbaler Schlagabtausch, der in der realen Welt so wohl nie hätte stattfinden können, als kleines literarisches Kunstwerk im Film jedoch für viel Unterhaltung sorgt. Die Handlung spielt sich in kleinen episodenhaften Momentaufnahmen ab, die von Indie-lastiger Musik untermalt werden und ein Gefühl der Schwerelosigkeit erzeugen.

THE F-WORD von Michael Dowse ist eine moderne romantische Komödie über junge Menschen am Anfang ihres beruflichen Lebens, die zwar schon gefestigt im Leben stehen, ihren richtigen Platz im Leben jedoch noch nicht gefunden haben. Zwischen Einsamkeit, Verlustängsten und der Bereitschaft, ihr Leben neu zu ordnen finden Wallace und Chantry durch Zufall zueinander und merken, dass sie wunderbar miteinander harmonieren. Befreit von den alten, starren, konservativen Konventionen zwischen den Geschlechtern spielen Liebe und Sex (so scheint es) keine Rolle. Vielmehr redet man über den Alltag und philosophiert über das Leben. Darüber entdeckt man gemeinsame Interessen und schafft sich seine eigenen Themenbereiche, die das Freundschaftsband noch enger bindet.

THE F-WORD experimentiert mit dem Freundschaftsmodell und stimmt ihm zunächst zu. Gleichzeitig spielt der Film aber mit den Erwartungen an das andere Geschlecht, indem es mit den Erwartungen des Zuschauers an den Film spielt: So wird am Anfang zunächst offen gelassen, ob Chantry wirklich einen Freund hat. Es scheint, als habe sie ihn nur erfunden, weil sie sich nicht in etwas verstricken wollte, für das sie derzeit nicht bereit ist. Gleichzeitig wirkt Wallace wie der perfekte nette Freund, doch im Wahrheit kann er nicht aus seiner Haut und reagiert so typisch, wie alle Männer reagieren würden – nicht mit Absicht, aber auch ohne seine wahren Absichten in der Freundschaft mit Chantry wirklich aufklären zu wollen. Das sind nur zwei Beispiele, wie der Zuschauer auf eine falsche Fährte gelockt wird und sich damit selbst als Klischee seines Geschlechts entlarvt.

Das Missverständnis zwischen den Geschlechtern ist ein allgegenwärtiges Thema. THE F-WORD gelingt es, dass dieses Thema nicht auf einer platten Ebene argumentiert wird. Tatsächlich dringt der Film tiefer in den Geschlechterkonflikt ein als die meisten anderen romantischen Komödien. Damit verzettelt sich der Film jedoch in einen Widerspruch, der dem anfänglichen Grundtenor widerspricht: Denn sowohl Wallace als auch Chantry können sich nicht von der Tatsache befreien, dass sie eben nicht zum gleichen Geschlecht gehören. Eine reine Freundschaft ist also auf lange Sicht doch unmöglich. THE F-WORD beweist hier nur wenig Mut, bestätigt dieses unzeitgemäße Klischee und zerbricht an seinen eigenen Genrekonventionen. Vielmehr wäre es mutig gewesen, aufzuzeigen, dass Konflikte und Missverständnisse unweigerlich entstehen können, jedoch durch eine wahre Freundschaft, die funktioniert, überwunden werden.

So clever und leichtfüßig der Film beginnt, so sehr rutscht er im Laufe seiner Länger immer weiter in die gesellschaftlich vorgeformten Normen ab. Am Ende muss ein Happy End her und das gelingt scheinbar nur, indem beide Figuren zueinander finden. Leider entlarvt sich THE F-WORD damit selbst und schafft ein vorhersehbares, ernüchterndes Szenario, indem Freundschaft zum Irrglauben wird. Das ist jedoch eine sehr einseitige Sicht auf menschliche Beziehungen und ein sehr schwaches (wenngleich romantisches) Ende für einen ambitionierten Film mit einem vielversprechenden Anfang.

Die romantische Komödie THE F-WORD ist ab dem 28.08.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Senator Home Entertainment 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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