STEVE JOBS (2015)

Ein Mann, tausend Ideen & schwarze Kästen

Visionär, Genie, Choleriker – Die Faszination an Apple-Mitbegründer Steve Jobs ist auch nach seinem Tod ungebrochen. Er kreierte kein Produkt, er erschuf eine Marke. Das Biopic STEVE JOBS zeichnet genau diesen Weg nach, verschleiert jedoch dabei nicht den fehlbaren Menschen in dem visionären Genie.

INHALT:


1984: Steve Jobs (Michael Fassbender) hat sich gegen den Vorstand durchgesetzt und möchte an diesem Morgen endlich sein neues Produkt, den Macintosh, der Welt präsentieren. Doch vor dem nach seiner Auffassung wichtigsten Ereignis nach der Mondlandung 1966 und bedeutendsten Tag in seiner Karriere muss er sich mit diversen anderen Problemen auseinandersetzen: So setzt ihn die Mutter seines Kindes unter Druck und muss sich anhören, dass sein Produkt nicht ausgereift ist – und dann sagt sein Macintosh wahrscheinlich noch nicht mal „Hello“. Da kann man nur hoffen, dass die nächste Präsentation besser vorbereitet ist…

FAZIT:

Erzählt wird die Karrieregeschichte eines Mannes, von seinem tiefen Fall und seinem glorreichen Aufstieg. Der Film verfolgt dabei einen unglaublich cleveren Erzählansatz: Das Leben von Steve Jobs wird nicht detailliert aufgearbeitet, sondern ist aufgehangen an drei wichtige Stationen in seiner Karriere, an denen für Wenige Minuten alles zusammen läuft. STEVE JOBS von Regisseur Danny Boyle beginnt 1984 genau an dem Tag, an dem der Macintosh der Welt präsentiert werden soll und endet kurz vor der Präsentation des iMacs im Jahre 1998. Der Handlungsrahmen sind jeweils die letzten Minuten vor den drei wichtigen Produktpräsentationen.

Die Präsentationen selbst werden jedoch konsequent ausgelassen. Eine gute Entscheidung, denn jeder kennt die Produkte und jeder kennt die Bilder aus seinen Produktpräsentationen, in denen Jobs sich von der besten Seite zeigte und wie ein Heilsbringer feiern ließ. Doch kaum einer kennt Steve, den Privatmann, den verbissenen Vorgesetzten und den Vater, der sich sträubt, seine Tochter anzuerkennen und doch über alle Maßen zu lieben scheint.

Lisa: „Warum hast du gesagt, du wärst nicht mein Vater?“
Steve Jobs: „Ich bin schlecht programmiert“

Verleugnung, Läuterung und Aufstieg: Steve Jobs Lebensweg ist gezeichnet von Rückschlägen, von missverstandenen Visionen und davon, dass er trotz dieser Niederlagen nie aufgegeben hat. Vielmehr wurde ausgerechnet er zum Retter des Unternehmens, dass er mitbegründet und das ihm fallen gelassen hat. STEVE JOBS fängt diese Stimmung ein, indem der Film seinen Figuren ein kleine Plattform liefert, die diese Entwicklungen im Leben eines Multimillarden-Dollar-Unternehemens auf das Wesentliche komprimiert.

STEVE JOBS ist ein einziger verbaler, intelligent geschriebener Schlagabtausch: Dem Zuschauer werden Fragmente aus dem Leben eines großen Mannes dargelegt. Doch man hat nicht die Absicht, diese Fragmente geordnet und lückenlos zusammenzusetzen. Das ist gut, denn man wäre dem Mann, um dessen Leben es hier geht, nicht gerecht geworden – er war viel zu vielschichtig, aber man darf ihn auch nicht übermäßig romantisieren. Dennoch neigt der Film, und dass passiert unweigerlich, muss aber kritisch beäugt werden, dazu, Jobs als Sympathieträger darzustellen.

Es ist immer eine Herausforderung für Schauspieler, einer realen Person gerecht zu werden: Michael Fassbender (SLOW WEST/ FRANK) ist dies vollends gelungen. Seine Darstellung eines egozentrischen Workaholics, dessen einziges Talent darin besteht, Visionen so perfekt zu inszenieren, dass die Menschen plötzlich ein Produkt wollen, von dem sie vorher noch nicht mal wussten, ist lobenswert. Denn der Zwiespalt zwischen Perfektion und menschlicher Makel wird in seiner Figur sehr deutlich. und bringt Authentizität und Tiefe.

Gleichzeitig ist STEVE JOBS in einer gewissen Weise auch eine Hommage an die Apple-Produkte. Ohne dass der Film werbend ist, fängt er das Gefühl, die Erwartungshaltung der Menschen ein, die damals bei den Produkteinführungen in der Öffentlichkeit vorherrschte. Auch hierin durchleuchtet der Film jedoch kritisch beide Seiten der Medaille und offenbart einen paradoxen Gegensatz, an dem letztendlich der Macintosh und die schiefe „Black Box“ von NEXT scheiterte: Denn die Geräte sollten der Sprung in die Zukunft sein, waren jedoch selbst unausgereift, viel zu teuer und obendrein nicht kompatibel mit anderen Produkten.

Das Biopic STEVE JOBS ist ein unterhaltsamer Film und nicht nur geeignet für Apple-Jünger. Der Film ist kritisch, emotionale, tragisch, aber auch sehr humorvoll („Andy? Sie oder er?“) und hat keine Längen. Er mag zwar nicht die ganze und bestimmt nicht vollends die wahre Geschichte über Steve Jobs erzählen, aber er erlaubt einen Einblick – und erzählt clever aus einer Perspektive heraus, die uns bisher verborgen geblieben ist. Am Ende steht die Aussage, dass es Perfektion nicht gibt, sondern sie sich erst durch ihre Makel äußert.

STEVE JOBS ist ab dem 24.03.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
Jörg Gottschling

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Comments

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Ein Gedanke zu „STEVE JOBS (2015)

  1. Mir hat der Film auch sehr gefallen. Auch wenn Michael Fassbender nur dritte Wahl war – Leonardo DiCaprio und Christian Bale waren ebenfalls im Gespräch – liefert er hier abermals eine großartige Leistung ab. Auch Kate Winslet als menschgewordene moralische Unterstützung ist einfach toll. Der Film ist keine Eins-zu-Eins-Übertragung der historischen Ereignisse, aber ein starkes Biopic mit großartigen Dialogen.

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