PETS (2016)

Vierbeiner außer Rand und Band

Was haben wir gelacht, als der erste Teaser zu PETS das Internet überflutete. Eine Realsatire in Zeichenform, das wurde uns damals suggeriert, denn so nah waren sich reale Tiervideos und animierter Vierbeiner-Spaß noch nie. Als dann der zweite Trailer erschien, wurde plötzlich alles anders – aber keineswegs schlechter. Und dass ist PETS wirklich: ein unglaublich lustiger Animationsfilm mit einer einfachen, aber funktionierenden Story und liebevollen Charakteren.

INHALT:

Max (Stimme: Jan Josef Liefers) lebt ein glückliches Hundeleben, das besser nicht sein könnte. Er hat ein tolles Heim, ist mit den Haustieren seine Nachbarschaft per du und hat jeden Tag viel zu tun damit auf die Wiederkehr seines Frauchens zu warten. Als diese dann aber eines abends mit Duke (Stimme: Dietmar Bär), ein großer Wuschelhund zu Hause ankommt und als neues Familienmitglied vorgestellt wird, ist die heimische Ruhe erst einmal vorbei. Sofort entsteht eine Rivalität zwischen den beiden Rüden.

Diese mündet in einem Spaziergang, auf dem Duke in seiner Not heraus Max versucht loszuwerden. Der Plan geht jedoch nach hinten los. Beide werden von einer Meute wilder Straßenkatzen verfolgt und landet schließlich in der geheimen Haustier-Untergrundorganisation des kleinen fiesen Häschen Snowball (Stimme: Fahri Yardim).

Schoßhündchen Gidget (Stimme: Jella Haase) trommelt sofort die Nachbartiere, die Hunde Mel (Stimme: Mario Barth) und Norman (Stimme: Lefloid), die faule Katze Chloe (Stimme: Martina Hill) und den Falken Tiberius (Stimme: Uwe Ochsenknecht), zusammen, um ihren geliebten Max zu retten…

FAZIT:

Mit dem Animationsfilm PETS gelingt ein tierischer Spaß. Der zunächst noch andere Erwartungen aufbaute. So schien es, dass sich der Film den Klischees über unsere Haustiere widmet. Da Ergebnis zeigt, dass dies nur bedingt erfüllt wurde. Statt dessen erleben wir eine Großstadt-Abenteuer, das in seinem Kern an FEIVEL – DER MAUSWANDERER oder Disneys OLIVER & CO und ARISTOCATS erinnert.

Im Vordergrund stehen zwei Hunde, die sich nicht riechen können, leider aber im selben Haushalt leben. Diese neue Lebenssituation führt zu einem Konflikt, an dessen Ausgang beide verlieren und sich abgestellt mitten in den düstersten Ecken ihrer Heimatstadt wiederfinden. Die domestizierte Vierbeiner treffen dort auf ein wild-urbanes Lotterleben. Das erweckt den Anschein, als könnte es Spaß machen. Eine unterirdische Gemeinschaft verlorener und ausgesetzter Haustiere hat sich hier zu einer merkwürdigen Untergrundorganisation gemausert, dessen Ziel es ist, ihre einstigen Unterdrücker bis aufs Blut zu bekämpfen. Angeführt wird die Meute ausgerechnet von einem der süßesten Kuschelhäschen der Animationsfilmgeschichte.

Der ungewollte Trip in eine andere Welt entwickelt sich jedoch jäh zum Albtraum, als okkulte Rituale anstehen: Durch den Biss einer Schlange sollen Duke und Max in die Gemeinschaft eingeführt werden. So irre das klingt, so irre ist es auch. Dadurch wird der eigentlich sehr moderne Ansatz, dass gleiche mehrere Rassen, die teilweise sonst miteinander im Klinsch stehen, in der Kanalisation friedlich koexistiere können, durch eine düstere, wilde Lebensperspektive wortwörtlich den Gully heruntergespült.

Der Hund an sich muss eben auch in PETS, wo es vornehmlich um das Tier und nicht den Menschen geht, zu eben jenem zweibeinigen Sklavenherrscher zurückkehren, um sein wahres Glück zu finden.

Ein doch sehr konservativer und unmutiger Ansatz, denn, und das wird auch klar, eigentlich sind diese Kanalisationstiere keine Schurken, sondern ebenso Opfer. Der Mensch ist schuld an ihrem Leid, doch der Mensch ist eben auch jener, der die Tiere aus ihrem Leid befreit – paradoxe Haustierwelt.

Nein, die tiefere Moral in PETS liegt an anderer Stelle verborgen und offenbart sich deutlich oberflächlicher, wenn gleich in ihrer Bedeutung keineswegs minderwertiger: Es ist die Angst vor dem Fremden und der Konkurrenzgedanke zwischen Familienmitgliedern, die hier genommen werden sollen. Zudem zeigt sich, dass nur ein Zusammenhalten zum Ziel führen kann und auf wahre Freunde immer Verlass ist.

Eingetütet wird diese pädagogisch-herzvolle Intention in kindgerechtem Slapstick und dem menschlichen Klischee von Hund und Katz. Vor allem die stolze, dicke Katze (stimmlicher perfekt besetzt von Martina Hill), die sich selbst für cleverer als ihre kläffenden Kumpels hält, bekommt in PETS auf herrlich komische Weise ihr Fett weg – und wird ganz nebenbei zum Internethit.

Die Anspielungen von das moderne Cyber-Bewusstsein unserer Zeit, in dem Cat Content das Internet beherrscht, bleiben nicht die einzigen Referenzen auf unsere wahre Welt. PETS persifliert an vielen Stellen Filmklassiker und versteckt sogar Hinweise auf andere Filmproduktion von Illumination. So prangt an einem Bus das Poster zum bald erscheinenden Film SING (Kinostart: 08.12.2016), in dem sich Tiere auf einen Gesangscontest begeben und damit ein Theater retten. Ja, PETS beweist auf mehreren Ebenen Humor und steht damit den vorhergegangen Produktionen, wie die ICH EINFACH UNVERBESSERLICH-Teilen und den MINIONS in nichts nach. So kommt tatsächlich die gesamte Familie auf ihre Kosten.

Extras:
Mit dem Film kommt eine Menge Bonusmaterial nach Hause. Gleich drei Kurzfilm, unter anderen auch mit den MINIONS sind vorhanden. Darüber hinaus gibt es mehrere Making Ofs zur Produktion und zur deutschen Synchronisation, sowie das Musikvideo „Lovely Days“ und einem Interview mit Minion Brian über PETS.

PETS ist zwar anders als anfangs noch gedacht, aber insgesamt nach wie vor ein sehr witziger Film, in dem das reale Verhalten mancher Haustiere überzeichnet wird und sich zu einem aufregenden, urbanen Abenteuer entwickelt. Absolut kindgerecht bleibt der Unterhaltungsfaktor selbst in den ernsten Szenen immer erhalten und obendrein ist PETS auch ein lehrreiches Werk über Freundschaft, Familie und Zusammenhalt.

PETS ist ab dem 25.11.2016 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2016

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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