MORTDECAI – DER TEILZEITGAUNER (2015)

Adliger Kunstdieb auf Abwegen

 

Ein englischer Lord, der mehr Zuneigung für seinen stolzen Schnauzer hegt, als für seine liebevolle Ehefrau und ein Sperma strotzender, bullenstarker Hüne als sein Begleiter. Keine Frage, dieses Duo ist seltsam, chaotisch und wirkt zu jeder Zeit planlos, aber es ist auf seine Art unglaublich effektiv: MORTDECAI ist eine gar süffisante Komödie mit viel britischer Eleganz und einer Menge albernden Depp-Charme.

INHALT:

So prächtig sein jüngst herangezüchteter Mustache ist, so leer ist auch das Konto dieses genialen Meisterdiebes vom adligen Blute. Doch Charlie Mortdecai (Johnny Depp) lässt sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht von seinem bunten Treiben abhalten. Gemeinsam mit seinem hünenhaften Bodyguard und Gefährten Jock (Paul Bettany) reist er um die Welt und stiehlt Kunstwerke.

Nebenbei berät er hin und wieder den MI5-Agent Martland (Ewan McGregor), der ausgerechnet in Mortdecais hin reizende Frau Johanna (Gwyneth Paltrow) verliebt ist, bei seinen Ermittlungen in Kunstdiebstählen. Als Belohnung entgeht der verarmte Lord und Teilzeitgauner dem Gefängnis.

Bei seinem neusten geplanten Coup möchte Mortdecai nicht nur den russischen Dieb Emil Strago (Jonny Pasvolsky) entlarven, sondern ein verschwundenes Kunstwerk wiederfinden und selbst durch ein Duplikat austauschen, um das Original zu behalten. Doch irgendwie sind mehr Leute an dem Gemälde interessiert, als Mortdecai dachte. Und zu allem Überfluss geht es auch noch um die staatliche Sicherheit…

FAZIT:

David Koepp, eigentlich mehr dem Schreiben, denn dem Filmemachen verschrieben, nahm im Regiestuhl der Krimi-Komödie MORTDECAI Platz. Bekannt ist Koepp vor allem für seine Drehbücher zu JURASSIC PARK (1992), MISSION: IMOSSIBLE (1996) oder KRIEG DER WELTEN (2005). In seiner achten Regiearbeit setzte er für die Besetzung der Titelrolle nach DAS GEHEIME FENSTER (2004) zum zweiten Mal auf Johnny Depp.

Er hat Stil und ist ein kundiger Kunsthistoriker, doch als Dieb hat er ungefähr so viel Talent, wie eine Schnecke als Kurzstreckenläufer. Die Rolle des exzentrischen Diebes ist Johnny Depp geradezu auf den Leib geschrieben. Klar, er übertreibt in seiner Darstellung in so gut wieder jeder Minute vor der Kamera und manchmal wirkt der Film dadurch gewollt, ja sogar zwanghaft komisch. Aber diese Art des überzeichneten Humors gehört zum Konzept von MORTDECAI dazu. Fans der Figur Jack Sparrow, werden also auch an diesem Film viel Spaß haben. Alle anderen sollten ihren Gramm über die neuste, nicht ernstzunehmende Rolle einfach herunterschlucken und sich noch mal GILBERT GRAPE (1993) oder THE BRAVE (1997) anschauen.

Charmant, aber bekannt
So ausgefeilt albern die Figuren wirken, so sehr schwächelt die Handlung: Denn die Komödie ist von ihrer Geschichte her nicht sonderlich verschachtelt und hat auch keine unvorhersehbaren Überraschungsmomente, vielmehr wirkt sie sprunghaft und unlinear. Die Stunts- und Actionszenen wechseln sich mit den Dialogen und der Weiterführung der Geschichte in einem angenehmen Maße ab. Doch es finden zu viele Ortswechsel statt und es werden einige Charaktere eingeführt, die nur marginal die Story beeinflussen. Hier folgt ein Cameo auf das Nächste und MORTDECAI wird zu einer Folge von Episoden, die mal eng mal, grob miteinander verknüpft wurden. Eine feinmaschige, innovativ Handlungsstringens ist hier nicht zu erkennen. Und bei all der Hektik und dem Slapstick tritt schnell eine humoristische Übersättigung ein.

Trotz dieser inhaltlichen und humoristischen Übersättigung machen die Dialoge und die Konfrontationen zwischen den Figuren durchaus Spaß. Die Dialoge sind punktiert, witzig, clever und grundsätzlich ein wenig zu schnell – die Überzeichnung ist auch hier Methode. Unterstützt wird diese Wirkung dadurch, dass sich MORTDECAI nur selten an physikalische Gesetze oder alltägliche, menschliche Verhaltensweisen hält. Koepps Film wirkt so wie eine Real-Comicverfilmung ohne einen Comic als Grundlage und erinnert stellenweise etwas an „Clever & Smart“.

Mit zunehmender Laufzeit vergaloppiert sich der Film in Wendung, die einander gar nicht bedürfen und ebenso wirr und unbeholfen, wie die Hauptfigur selbst, das Ende des Films weiter aufschieben. Dann jedoch nimmt MORTDECAI noch mal an Fahrt auf. Am Ende steht ordentliches Finale, in dem ein fairer Fechtkampf unter Edelmänner viel Spaß macht und die Läuterung des Teilzeitgauners auch nicht zu kurz kommen darf.

Die Krimi-Komödie MORTDECAI ist seit dem 28.05.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial StudioCanal 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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