MEINE ZEIT MIT CÉZANNE (2016)

Der Maler Paul Cézanne und der Schriftsteller Émile Zola gehören zu den bedeutendsten französischen Künstlern des 19. Jahrhunderts. Was nicht überaus bekannt ist: Die beiden verband eine tiefe, lebenslange Freundschaft. Die französische Regisseurin Danièle Thompson ergründet in MEINE ZEIT MIT CÉZANNE diese nicht immer leichte Beziehung der beiden sehr unterschiedlichen Genies.

INHALT:

Ausgangspunkt ist ein Treffen der gealterten Künstler Paul Cézanne und Émile Zola, in dem sie sich über Zolas jüngstes Buch „Das Werk“ streiten. Cézanne sieht darin nicht nur sich selbst schwer beleidigt, sondern auch ihre lebenslange, innige Freundschaft verraten.

Von diesem Treffen aus erzählt MEINE ZEIT MIT CÉZANNE in Rückblenden die Lebensgeschichte der beiden Freunde, beginnend mit ihrer Kindheit und Jugend bis hin zu dem Treffen, das den Film umklammert. Wie viel von diesen Erzählungen historische Tatsachen sind und wie viel Dichtung darin steckt, ist – wie so oft bei historischen Stoffen – allerdings nicht immer leicht zu beurteilen.

FAZIT:

Unterschiedlicher könnten die beiden Freunde Paul Cézanne und Émile Zola kaum sein. Zola ist ruhig, gefasst und höflich. Cézanne ist aufbrausend, jähzornig, ungehobelt und häufig betrunken. Auch ihr Leben verläuft genau gegensätzlich. Während Zola anfangs mit seiner Mutter in so armen Verhältnissen lebt, dass er auf der Straße Vögel zum Essen fangen muss, steigt er im Laufe seines Lebens zum erfolgreichen und wohlhabenden Schriftsteller auf. Cézanne hingegen stammt aus einer wohlhabenden Familie, die er verlässt, um sich vollends der Malerei zu widmen, wodurch er in ärmeren Verhältnissen landet – meist ohne Frau und ohne Ruhm.

MEINE ZEIT MIT CÉZANNE ist nicht in erster Linie eine Biographie historischer Persönlichkeiten, sondern die Geschichte über eine lebenslange Freundschaft. Obwohl er manches Wissen voraussetzt, kann man ihn auch anschauen, wenn man nicht mit dem Leben und den Werken von Émile Zola und Paul Cézanne vertraut ist: Verständlich ist er trotzdem. Wodurch MEINE ZEIT MIT CÉZANNE vor allem beeindruckt, sind die oft unbeschreiblich schönen Bilder des Kameramanns Jean-Marie Dreujou. Bewundernswert ist außerdem die Maske, die Guillaume Gallienne als Cézanne und Guillaume Canet als Zola ohne Irritation altern lässt.

Woran MEINE ZEIT MIT CÉZANNE allerdings scheitert: Am Plot und an der Zeichnung der Figuren. So wird überhaupt nicht deutlich, was die beiden unterschiedlichen Männer eigentlich verbindet. Ihre große Liebe zueinander wird meist nur behauptet und nicht wirklich spürbar. Beide sind in keiner Weise sympathisch. Aber auch in ihrer unsympathischen Art sind sie nicht reizvoll – weshalb man sich nicht wirklich für sie interessiert. Zola und Cézanne sind einem – abgesehen von ihrer historischen Bedeutung, die man stets im Hinterkopf hat – ziemlich egal.

Vielleicht hätte es geholfen, die Konflikte über Frauen und die Kunst, die die beiden Männer immer wieder haben, klarer und geradliniger herauszuarbeiten. Dann wären sie möglicherweise nachvollziehbarer und fassbarer geworden. So schleppt sich MEINE ZEIT MIT CÉZANNE allerdings die meisten der über 110 Minuten mühsam dahin. Und man wird nur hin und wieder mit den wundervollen Bildern entlohnt, die Jean-Marie Dreujou wie Gemälde präsentiert.

MEINE ZEIT MIT CÉZANNE ist ab dem 16.02.2017 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich. Als Extras bietet die limitierte Sonderedition ein Making of, zusätzliche und erweiterte Szenen, Interviews mit der Regisseurin und den Darstellern, den deutschen sowie den Original-Kinotrailer.

von Benjamin Wirtz

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Universal Pictures 2016

Benjamin Wirtz

Hey, ich bin angehender Cineast, großer Kinofreund und interessiert an jeder Art von Filmen. Deshalb steht in meinem DVD-Regal Godard neben Besson, die „Alien“-Box neben der Truffaut-Box, „Saw“ neben „Frau ohne Gewissen“ und „Panzerkreuzer Potemkin“ neben „2-Headed-Shark-Attack".

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