LOST RIVER (2015)

Depressiv, melancholisch, grausam

 

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sich junge, erfolgreiche Schauspieler auch hinter die Kamera wagen und ihre eigenen Visionen in Bild und Ton umsetzen. Nun gehört auch der Frauenschwarm Ryan Gosling dazu und beweist mit seinem Debütfilm LOST RIVER, dass er nicht nur den melancholischen Darsteller mimen kann, sondern er es versteht, eine interessante und ungewöhnliche Geschichte zu erzählen…  

INHALT:

Lost River, irgendwo in den USA: Das einst blühende Städtchen ist heute ein nahezu verlassener Ort. Alle, die hier noch geblieben sind, haben entweder nicht genug Geld, um sich nach einer neuen Heimat umzusehen oder sie hängen aus sentimentalen Gründen an ihrem Zuhause. Nur einige Wenige, wie der Bankier und Barbesitzer Dave (Ben Mendelson) und der Raufbold Bully (Matt Smith) profitieren von der schlechten Lage in der Stadt.

Billy (Christina Hendricks) und ihre beiden Söhne gehören zu denjenigen, die noch bleiben wollen. Doch die kleine Familie hat Schulden. Es droht der Verlust des Hauses – ein Schicksal, dass viele in den letzten Jahren erleiden mussten. Bones (Iain De Caestecker), der ältere Sohn, sammelt illegal Altmetall aus den verlassen Häusern und verkauft es an Schrotthändler, um sich etwas dazu zu verdienen. Dadurch gerät er jedoch ins Visier von Bullys Gang, der die verlassene Stadt zu seinem Eigentum erklärt hat.

Billy nimmt hingegen ein zweifelhaftes Jobangebot in Bones zwielichtigen Nachtklub an. Dort trifft sie auf Cat (Eva Mendes), die sich jeden Abend „umbringen“ lässt, um das degenerierte Publikum zu unterhalten. Billy ahnt nicht, auf was sie sich hier wirklich eingelassen hat. Doch als Bones davon erfährt, ist ihm klar, dass der Zeitpunkt gekommen ist, um sich gegen den Fluch, der über die Stadt gekommen ist, zu wehren. Eine mysteriöse Straße, die mitten in den See und in eine geheimnisvolle Unterwasserwelt führt, könnte der Schlüssel zu einem Ausbruch aus dem Unglück sein…

FAZIT:

Der Mystery-Thriller LOST RIVER ist das Regiedebüt von Ryan Gosling. Beeinflusst von den Regisseuren seiner letzten Filmprojekte (DRIVE; 2011/ ONLY GOD FORGIVES; 2013) setzt er auf eine atmosphärische Vermischung von Fantasy Noir und Suspense und kreierte so ein modernes, surreales Märchen, in dem ermattete Hoffnungslosigkeit und tägliche Gewalt sowie der enge Zusammenhalt der Familie und die große Liebe einander gegenüberstehen.

Gosling sagt selbst über seinen Film: „Dieser Film war in vielfacher Hinsicht ein Geschenk der Regisseure, mit denen ich in den vergangenen Jahren zusammenarbeiten durfte. Ich habe in Filmen von Derek Cianfrance gespielt, die vollständig in der Realität verortet waren, und in den Fieberträumen von Nicolas Winding Refn. Ich denke, dass ich zwischen diesen beiden Extremen schwinge, weil mein eigenes Verständnis als Filmemacher irgendwo dazwischen liegt.“

LOST RIVER zeigt vom Stil her tatsächlich klare Parallelen zu Refns-Filmen mit Gosling und siedelt sich von seiner Atmosphäre her irgendwo zwischen den surrealen Meisterwerken von David Lynch und den skurrilen Welten von Tim Burton an. Dabei bleibt der Film jedoch in weiten Teilen sehr nah an der Realität und offenbart fast verbittert die dunklen Triebe der Menschen einer Stadt, die von der Gesellschaft abgeschrieben wurde.

So depressiv die Grundstimmung ist, so absurd ist das Szenario in LOST RIVER. Vieles bleibt im Unklaren: So wird nur schemenhaft und inkonsequent von einem Fluch gesprochen, der etwas mit einer untergegangen Stadt zu tun hat und die Menschen verseucht. Dieser Ausflug in die Mystik wird jedoch schnell wieder abgebrochen.

Der Film kratzt hauptsächlich an Oberflächen. Figuren fehlt es an Tiefe und die Story scheint hin und wieder nicht zu wissen, wo sie hinmöchte. Es werden aussichtslose, schauerliche und surreale Situationen erschaffen, die zu einer fatalen Konklusion am Ende führen – das alles wirkt schlüssig, es fehlt dem ganzen jedoch ein wenig Futter.

Nichtsdestotrotz ist LOST RIVER ein düsteres, modernes Märchen, das es versteht zu faszinieren und gleichermaßen auf bittere Weise auf soziale Probleme amerikanischer Kleinstädte aufmerksam zu machen. Die heile Glamour-Welt des American Way of Life wird hier ins Gegenteil, ins Reale verkehrt. Und doch haben die Menschen noch Hoffnung, auch wenn es eigentlich keine Zukunft in ihrer alten Heimatstadt mehr geben kann. Der Fluss des Lebens fließt währenddessen immer weiter und so müssen auch die Bewohner dieser verlorenen Städte irgendwann weiterziehen, um nicht im eigenen Fluss des Lebens unterzugehen.

Ryan Goslings LOST RIVER ist seit dem 08.10.2015 auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Jörg Gottschling

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Tibierus Film 2015

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Moin! Ich bin der Filmaffe. Und der Blog ist meine Schuld. Als Filmjunkie, Digital Native & Medienprimat ist mein natürlich Habitus der Bildschirm und alles, was sich darin befindet.
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