LOMO – THE LANGUAGE OF MANY OTHERS (2018)

Bitte keine Akronyme mehr

Das deutsche Kino versucht alle paar Jahre ein Thema filmisch umzusetzen, das am Puls der Zeit zu sein scheint. Warum hab ich bei diesen Filmen so oft das Gefühl, dass die Ästhetik Jahre hinterher hinkt?

 

INHALT:

Karl (Jonas Dassler) soll eigentlich bald Abitur machen – genauso wie seine Zwillingsschwester Anna (Eva Nürnberg). Die will ins Ausland und studieren. Karl fühlt sich eigentlich nur verstanden wenn er auf seinem Blog „The Language of Many Others“ ist. Da teilt er Videos und Bilder aus seinem Leben. Als Karl Doro (Lucie Hollmann) kennenlernt, ist erst einmal alles anders. Bis er feststellt, dass die Zuneigung recht einseitig ist. Da sein Herz und Stolz gleichermaßen gebrochen sind, teilt er recht prekäre Aufnahmen von ihr mit seinen Followern. Und da hört er nicht auf. Er überlässt schließlich sein Schicksal seinen Followern, als er sie zu seinen Augen macht.

FAZIT:

Ein Vater, der nur an seine Arbeit denkt, eine Angebetete, die nur Sex will und niemanden, der einen versteht – klingt schon etwas nach dem Aufbau eines Coming-of-Age Films, aber LOMO – THA LANGUAGE OF MANY OTHERS mag nicht so richtig funktionieren.

Ich denke, dass es sehr sozialkritisch auf das Social Media Zeitalter schauen wollte. Mit dem Thema Blog allgemein und dann mit den Einblendungen der Videokommentare. Doch irgendwie wirken diese Einblendungen irgendwie Retro und so gar nicht mehr neu. Die Videos sind pixelig und verschwommen, dabei leben wir in einer Zeit, der jeder noch so kleine Blogger gestochen scharfe Aufnahmen mit seinem Handy filmen kann. Der Film zeigt aber auch, wie sehr sich diese Internetpersönlichkeiten von Ihren Followern beeinflussen lassen – gerade die jüngeren, aber das ist für mich eine der wenigen Stärken.

Jonas Dassler als Karl spielt definitv gut, aber sein Charakter ist dieser absolut verzogene Teenager, der auch am Ende kaum etwas gelernt hat. Die Beziehung der Geschwister wird kaum ausgearbeitet, dabei wäre hier definitiv Bedarf gewesen. Insgesamt finde ich die Ausarbeitung aller Charaktere recht schwach. Es ist so, als hätte man sich am Charakterbuch der Coming-of-Age Filme vergriffen und einfach alles rausgenommen, was dazu gehören sollte.

LOMO wollte leider zu viel, dabei war die Kritik am Social Media Zeitalter keine schlechte Idee. Alles in allem leider ein schwacher Film über ein schwieriges Thema.

LOMO – THE LANGUAGE OF MANY OTHERS startet am 12.07.2018 in den deutschen Kinos.

von Sarah Binder

Bewertung:

Quelle: Pressematerial Farbfilm Verleih

Sarah Binder

Sarah Binder

Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
Sarah Binder

Letzte Artikel von Sarah Binder (Alle anzeigen)

%d Bloggern gefällt das: