LEARNING TO DRIVE (2015)

Vom Lernen, das Leben zu navigieren

 

INHALT:

Die Literaturkritikerin Wendy (Patricia Clarkson) wird in einem Restaurant von ihrem Mann (Jake Weber) verlassen. Er versucht schnellstmöglich mit einem Taxi zu „fliehen“, aber sie eilt hinterher und in einer kurzen Fahrt geht Wendy durch alle Emotionen, von hilflosen Betteln aus Verzweiflung bis hin zu hasserfüllten, wüsten Beschimpfungen. Am Ende bleibt sie allein im Taxi zurück, ihr Mann ist weg. Zeuge von all dem ist Darwan Singh Tur (Ben Kinglsey), der Taxifahrer.

Am nächsten Tag steht dieser auf einmal vor Wendys Tür, um ihr ein Paket zurück zu bringen, das sie im Auto vergessen hat. Darwan ist indischer Sikh und ein höflicher Mann, der nicht nur Taxifahrer, sondern auch Fahrschullehrer ist. Obwohl er einen Universitätsabschluss hat, wohnt er in einfachen Verhältnissen in einer Wohngemeinschaft mit anderen Indern, die teilweise mit und teilweise ohne Aufenthaltsgenehmigungen in den USA leben.

Wendy, die nie hinter einem Steuer saß und sich immer auf die Fahrkünste ihres Mannes verlassen konnte, sieht sich nun in der Position, ihre Tochter in Vermont nur besuchen zu können, wenn sie einen Weg findet, dort hinzukommen.

So kreuzen sich also die Wege der beiden Charaktere. Mit einer unglaublichen inneren Ruhe und Weisheit versucht Darwan Wendy das Fahren beizubringen, und jeder Ratschlag scheint eine Metapher zu sein, die man auch auf das Leben anwenden kann.

FAZIT:

Ben Kinglsey und Patricia Clarkson zusammen auf der Leinwand; damit hat man mich schon an der Angel. Kingsley gehört ohne Zweifel zu den besten, vielseitigsten und talentiertesten Schauspielern, die es gibt. Über den Namen Patricia Clarkson in einer Besetzungsliste, freu ich mich spätestens seit Woody Allens VICKY CRISTINA BARCELONA, auch wenn sie natürlich schon vorher großartig war. Ihre Charaktere haben eine solche Eleganz, selbst wenn sie einen emotionalen Haufen Elend verkörpert. Ich kann dieser Frau einfach ewig zusehen. Kingsleys hat immer etwas GHANDI in sich und spielt dadurch perfekt und mühelos den in sich ruhenden Lehrer. Das „Fahr-“ habe ich hier mit Bedacht weggelassen, denn Darwan in LEARNING TO DRIVE ist sehr viel mehr als nur der Mann, der Wendy das Autofahren beibringt.

Zwischen diesen beiden Schauspielern herrscht eine Chemie, die ich großartig finde. In der Realität ist nun mal nicht alles voller Leidenschaft und Drama, sondern kann auch vollkommen entspannt sein. Es ist fast so, als ob beide keine Arbeit in die Beziehung legen müssen und es trotzdem funktioniert.

Die beiden Stars mal außen vor gelassen, bietet der Film aber leider nicht viel mehr. Zwar ist die Bedeutungsschwere der Fahrstunden sehr schön gemacht: Es geht nicht nur darum das Autofahren zu lernen, sondern auch das Leben zu lernen. Aber dennoch hat die Handlung ihre Schwächen. Es fehlt etwas an Tiefe, die Charaktere könnten ausgearbeiteter sein. Wenn man an zwei Stellen kurz anschneidet, dass das Leben mit Turban in einem New York nach dem 11. September schwerer geworden ist, muss man auch noch etwas mehr darauf eingehen. Außerdem ist das Ende recht vorhersehbar, wenn man den Charakter Darwan eine Weile beobachten konnte.

Nichtsdestotrotz ist LEARNING TO DRIVE ein schöner Film mit zwei Größen der Filmwelt. Ich persönlich muss immer schmunzeln, wenn mal wieder eine 25-jährige als „Größe Hollywoods“ bezeichnet wird und sie dann fünf Jahre später wieder verschwunden ist oder von einer neuen Mittzwanzigerin ersetzt wurde. Wenn ihr Talent sehen wollt, welches die Zeit überdauert, dann schaut euch diese zwei an, nicht nur in diesem Film, sondern auch in den zahlreichen anderen Werken, in denen sie verzaubert haben.

Ab dem 03.12.2015 ist LEARNING TO DRIVE auf DVD und Blu-Ray im Handel erhältlich.

von Sarah Binder

Bewertung:

 

Quelle: Pressematerial Koch Media 2015

Sarah Binder

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Ich hab was mit Medien studiert und liebe Bananen. Keine Frage also, dass ich für den Filmaffen über die Welt der Filme und Serien berichte.
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